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MINT-Fächer Gender Gap in Technik und Naturwissenschaften

Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Baggern – aber erklärt das auch die Unterschiede bei der Studienwahl? Fakt ist: Mit rund 30 Prozent sind Frauen nach wie vor in den MINT-Fächern unterrepräsentiert.

Von: Katharina Willinger

Stand: 16.04.2015

MINT- das steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Allerdings sind die Frauen nicht in allen Fächern in der Minderzahl. Während sie in Biologie mit 61 Prozent sogar in der Mehrheit sind, liegt der Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften nur bei rund 20 Prozent - in Physik und Informatik sogar noch darunter.

Selbst MINT-begabte Frauen wählen oft kein MINT-Fach

Dass sich Frauen wesentlich seltener für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studienfach entscheiden, liegt wohl kaum an mangelnder Begabung. So studieren etwa 30 Prozent der Männer, die in der Schule in Mathematik sehr gut waren, Ingenieurwissenschaften, während es bei den Frauen mit gleicher Begabung nur sieben Prozent sind.

Geschlechterverteilung im Studium

Gründe für das "Gender Gap"

Wie erklärt sich das geringere Interesse an Naturwissenschaften und Technik bei Frauen? Haben sie vielleicht doch von Natur aus andere Begabungen als Männer? Nein, sagt die bekannte Neurobiologin Lise Eliot von der Chicago Medical School: "Wir sind nicht von Natur aus festgelegt". Zwar sei es tatsächlich so, dass sich Mädchen und Jungen im Spielverhalten stark voneinander unterscheiden, doch in den kognitiven Fähigkeiten lägen sie relativ nahe beieinander.

Unterschiede im Spielverhalten

Die genderspezifische Erziehung führe aber dazu, dass Mädchen und Jungen in den kleinen Unterschieden bestärkt würden, so dass es am Ende so aussähe als seien sie in ihren Fähigkeiten tatsächlich sehr verschieden.

Eltern und Lehrer fördern das Technikinteresse sehr unterschiedlich

Auch das MINT-Nachwuchsbarometer 2014, das das Interesse und die Motivation von Schülern, Studierenden und Auszubildenden für MINT-Fächer erfasst, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Technisch interessierte Jungen werden überproportional häufig intensiv gefördert, während Mädchen erst bei überdurchschnittlich hoher Technikkompetenz Förderung erhalten. Diese Benachteiligung zementiere die Genderasymmetrie mit den entsprechenden Konsequenzen für die Leistungskurs-, die Studien- und Berufswahl. So dominieren die Jungen bei den Leistungskursen besonders in Physik (76 Prozent) und Informatik (92 Prozent).

Leistungskurswahl nach Geschlechtern

Mädchen haben weniger Selbstvertrauen in ihre Leistungsfähigkeit

Deutschlands prominenteste Frau ist Physikerin

Die unterschiedliche Förderung und Unterstützung, die Mädchen erhalten, ist vermutlich auch der Grund, warum ein erheblicher Anteil trotz hoher MINT-Kompetenz ein niedriges Interesse beziehungsweise kein starkes Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit hat. Besonders in Physik unterschätzen sich die Mädchen.

Frauen sind von innerlichen Faktoren motiviert, Männer von äußeren

Während Männer eher von äußeren Faktoren wie Karriere, Geld und Sozialprestige bei ihrer Studienwahl motiviert sind, haben Frauen ganz andere Kriterien, erklärt Prof. Ortwin Renn, Projektleiter des MINT-Nachwuchsbarometers. Frauen entscheiden sich eher für ein Fach aufgrund einer vorhandenen Begabung, weil es ihren Interessen entspricht und weil sie glauben, dass ihnen der Beruf Spaß machen würde. Deswegen müsse man auch hier ansetzen, um Frauen dazu zu bewegen, ein MINT-Fach zu studieren.

Würden sich mehr Frauen dafür entscheiden, wäre das nicht nur gut für die Wirtschaft, die immer wieder über Nachwuchsprobleme klagt. Hier winken auch deutlich höhere Einstiegsgehälter als bei klassischen Frauenfächern wie Sprach- und Kulturwissenschaften.

MINT-Nachwuchsbarometer 2014

Das MINT-Nachwuchsbarometer, herausgegeben von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung, erfasst jährlich das Interesse und die Motivation an MINT-Fächern bei Schülern, Auszubildenden und Studierenden und nimmt auch die strukturellen Rahmenbedingungen der MINT-Bildung in den Blick.


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