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Studium in Spanien Studieren, surfen und schlemmen in San Sebastián

Marie-Luise Domke studiert Maschinenbau und Management an der TU München. Mit ERASMUS+ war sie in San Sebastián. Festivalmetropole, Kulturhauptstadt, Surfer-Paradies. Welchen Titel hat die baskische Küstenstadt eigentlich nicht?

Von: Marie-Luise Domke

Stand: 01.04.2016

Studieren in Spanien | Bild: Marie-Luise Domke

Spanisch ist mittlerweile die zweite Weltsprache und für einen angehenden Ingenieur von großer Bedeutung. Außerdem hat mich bei der Entscheidung für Spanien und San Sebastián (auf baskisch Donostia) das hervorragende Wetter und die interessante Kultur überzeugt. Nachdem ich im Internet etwas recherchiert habe und Erfahrungsberichte gelesen, kam ich auf die Escuela de Ingenieros, Universidad de Navarra. Die sogenannte TECNUN liegt direkt am Atlantik in der kleinen Küstenstadt San Sebastián. San Sebastián ist von einer unbeschreiblich schönen Natur umgeben und ist nahe der französischen Grenze gelegen. Im Vergleich zu München, wo das Großstadtleben mit Tausenden von Studenten abläuft, ist es eine komplett neue Erfahrung, an einer Privatuniversität in einer kleineren Stadt zu studieren.

Das Studiensystem im nordspanischen Baskenland

Man muss beachten, dass die Semesterzeiten versetzt zu denen in Deutschland sind. So beginnt das erste Semester schon Anfang September und endet kurz vor Weihnachten im Dezember, während das zweite Semester von Mitte Januar bis Mitte April geht. Daher sollte man den Auslandsaufenthalt mit seiner Prüfungszeit an der Heimatuni gut abstimmen. Nach den ersten Wochen kam ich hier schnell in den Alltagsrhythmus rein. Ein großer Unterschied zur TU München ist der gesamte Aufbau des Studiums, welcher durch die kleinen Klassen und die vielen wöchentlichen Hausaufgaben sehr verschult ist. Es gab zwar keine offizielle Anwesenheitspflicht, aber da der Dozent jeden Studenten persönlich kannte, fiel es schnell auf, wenn man fehlte. Auf der anderen Seite war das auch von Vorteil: Weil der Dozent uns kannte, konnte man ohne Probleme jederzeit zu ihm kommen und Fragen stellen. Gerade um die Erasmus-Studenten kümmerten sich die Professoren besonders. Super fand ich auch, dass man während des Semesters einfach gute Noten sammeln konnte, welche mit in die Endnote eingehen. Zum Beispiel durch Präsentationen, Gruppenarbeiten oder konstruktive Aufgaben, was mir persönlich auch oft sehr viel Spaß bereitet hat.

Studentenflair in San Sebastián

Es gibt in San Sebastián ein Uni-Viertel, in dem sich fast alle Universitäten befinden. Obwohl San Sebastián nicht groß ist, befinden sich dort viele Unis und jede Menge Erasmus-Studenten. Von den meisten Stadtvierteln konnte man bequem zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren und in wenigen Minuten in der Vorlesung sitzen. Aber auch die Infrastruktur in der Stadt ist sehr gut ausgebaut: Man konnte zum Beispiel auch den Bus nutzen, welcher 1,65 Euro pro Fahrt kostet (mit der Mugi-Karte, einer Art aufladbarem Dauerticket, sogar nur 90 Cent).

Die Universidad de Navarra besitzt zwei Standorte. Der Hauptstandort befindet sich in Pamplona und nur die Ingenieurs- und Forschungseinrichtung ist in San Sebastián, weshalb dieser Standort an sich sehr klein ist. Mit vier Gebäuden ist die TECNUN selbst eher eine kleine Privatuniversität und so findet man sich schnell zurecht und weiß, wo welcher Raum zu finden ist. An der Universität gibt es die wichtigsten Einrichtungen vor Ort: private Cafeteria, Computerräume, Bibliothek und sogar eine Kirche ist im Hauptgebäude integriert. Die Stadt ist ein Traum, was vor allem am direkten Atlantikzugang liegt.

Das Meer bietet einem ausreichend Freizeitmöglichkeiten: Von der Hauptattraktion Wellensurfen, über Paddel-Surfen und Schwimmen bis hin zum Rudern oder auch Bootfahren. Natürlich steht einem gemütlichen Tag an den Stränden La Concha, Ondarreta oder Zurriola bei schönem Wetter ebenso nichts im Wege.

Ich persönlich habe es sehr genossen, in eines der vielen Fitnesscenter in der Stadt zu gehen: Benta Berri. Zu einem günstigen Studentenpreis kann man hier neben Gerätetraining auch die Schwimmhalle sowie die Außenanlage nutzen. Die Universität selbst hat auch eine eigene Sportanlage, in der eigenständig Ballsportarten trainiert werden können. Außerdem gibt es ein paar Kurse für diverse Sportarten wie zum Beispiel Rudern. Einige studentische Gruppen laden an der TECNUN auch zum Mitmachen ein. Vom Formula Student Team bis hin zur Theatergruppe ist für jeden etwas dabei.

Wenn man sich nach Kulturellem im Baskenland sehnt, muss man nur in die Altstadt gehen. Vor allem am Wochenende finden dort oft öffentliche Veranstaltungen wie Märkte, Tänze, Musikvorführungen, Tanzkurse oder traditionelle Umzüge statt.

Hier wird es nie langweilig

Ich fand es immer bewundernswert, dass die Spanier ständig auf der Straße sind und viel unternehmen. Man hat das Gefühl, kaum einer sitzt allein zuhause. Des Weiteren gibt es verschiedene Festivals und Veranstaltungen während der Touristenzeit. Wen es eher in die Natur zieht und wer etwas wandern oder radeln möchte, dem steht eine wunderschöne Landschaft rund um die Stadt zur Verfügung. Selbst in San Sebastian gibt es zwei kleinere Berge: den Monte Urgull und den Monte Igeldo. Jeder ERASMUS-Student hat von dort aus mindestens einmal den Sonnenuntergang genossen. Auf dem Monte Urgull befindet sich außerdem eine Heiligenstatue, wie man sie im Baskenland an vielen öffentlichen Plätzen findet.

Wer in das Nachtleben einsteigen möchte, sollte auf alle Fälle den Stadtteil Gros besuchen. Hier findet jeden Donnerstag das traditionelle Pintxo Pote statt, wo es einen Pintxo mit Getränk für 2 bis 3 Euro gibt. Pintxos, vergleichbar mit den spanischen Tapas , sind kleine Häppchen und eine kulinarische Spezialität des Baskenlandes. Diese kleinen Mahlzeiten gibt es in jeder Bar und sie liegen meist auf dem Tresen aus.

Nach Pintxo Pote geht es dann oft weiter zu Mollys Malone, einer Bar nahe La Concha, welche jeden Donnerstag Shots für einen Euro, Karaoke und Studentenpreise anbietet. Wer bis 2 oder 3 Uhr nachts durchhält, kann dann noch weiter in die Diskothek gegenüber ziehen – "Bataplan" heißt sie. Die späte Uhrzeit für Diskotheken ist bei den Basken normal und für uns eine starke Umstellung, sodass die Deutschen meist lieber das Bett aufgesucht haben. Eine weitere angesagte Disko ist das "Friends" im Parte Vieja wo jede Woche eine ERASMUS-Party stattfindet. Wer nur gemütlich in eine Kneipe gehen will, ist im Parte Vieja genau richtig. Man sagt, dass San Sebastian die höchste Kneipendichte in ganz Europa bietet, was ich nach meinem Aufenthalt nur bestätigen kann.

Tipps für unterwegs im País Vasco

Was hier in Deutschland gerade durch Flixbus und MeinFernbus ins Rollen kommt, gibt es in Spanien schon länger. Egal wo man hin möchte: Man kann nahezu jeden Ausflug mit dem Fernbus für wenig Geld antreten. Wer in Zukunft sein Semester in San Sebastián verbringen will, kann sich neben dem Busnetz bald an einer U-Bahn erfreuen, die sich gerade noch in Planung befindet.

Insgesamt muss man sagen, dass San Sebastián ein hohes Maß an Lebensqualität bietet und es hier mehr als genug Freizeitmöglichkeiten für jedermann gibt. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, ein Auslandssemester zu machen. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen und denke bereits über eine weitere Möglichkeit nach, ins Ausland zu gehen. Was man dort erlebt und lernt, kann man so nirgends mitnehmen und es prägt nicht nur den Lebenslauf, sondern einen selbst als Mensch. Wer sich speziell für Surfen, spanische Kultur, die Sprache, die baskische Mentalität und die wundervolle Natur nahe der Küste interessiert, ist in San Sebastián genau richtig aufgehoben.

Länderinfo: Spanien

  • Die baskische Küstenstadt San Sebastián liegt  im nordspanischen Golf von Biskaya. Die Einwohner werden "Donostiarras" genannt.
  • San Sebastián ist bei Hollywoodstars sehr beliebt, die im September das Internationale Filmfestival besuchen. Es existiert sogar ein Surffilmfestival. Immerhin hat San Sebastián international den Ruf eines Surfer-Paradieses.
  • Weltweit sprechen circa 420 Millionen Menschen Spanisch. Damit ist Spanisch eine der am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt.
  • Spanien ist eine parlamentarische Erbmonarchie.
  • In Spanien gibt es circa 80 Universitäten, von denen zwei Drittel staatlich sind.
  • Die Studienprogramme an spanischen Unis sind durchaus mit den deutschen Unis vergleichbar: Bachelor und Master gibt es auch hier. Die Escuelas Técnicas Superiores und Escuelas Politécnicas Superiores entsprechen einer Technischen Hochschule.
  • Es gibt an spanischen Universitäten ein wachsendes Angebot an englischsprachigen Studiengängen.
  • In Spanien kommen die Studierenden aus dem Ausland üblicherweise nicht in Studentenwohnheimen, sondern in Einzelapartments oder Wohngemeinschaften unter.

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