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Lehramtstudium - und dann? "Die Arbeitslosigkeit als Chance wahrnehmen"

Franzi hält an ihrem Traumjob fest: Nach dem Referendariat hangelt sie sich von Krankenvertretung zu Krankenvertretung. Ein paar andere Job-Ideen hätte sie sonst aber auch noch parat.

Von: Lisa Böttinger

Stand: 20.10.2015

Franzi, Lehrerin | Bild: Franzi K.

Campus Magazin: Was hast du auf Lehramt studiert und mit welchem Ziel oder Motivation?

Franzi: Ich habe Englisch und Bio mit bilingualer Zusatzausbildung auf Lehramt studiert. Meine Motivation war von Anfang an das Interesse für meine Fächer und mein Wunsch, mit jungen Menschen zu arbeiten und vielleicht sogar positiven Einfluss auf ihre Entwicklung nehmen zu können. Nach dem Referendariat habe ich drei Tage vor Schuljahresbeginn eine Stelle als Krankenvertretung für das Schuljahr 2014/15 angeboten bekommen und diese auch angenommen. Dank des Einsatzes meines Rektors kann ich nach den Herbstferien wieder als Krankenvertretung an der gleichen Schule arbeiten.

Auch wenn ich zunächst geknickt war, dass es wieder keine Festanstellung wurde, habe ich meine Arbeitslosigkeit sehr schnell als Chance wahrgenommen, um meiner Leidenschaft nachzugehen: fremde Länder und Kulturen zu entdecken. Daher habe ich den Schulanfang in Indonesien verbracht.

CM: Wo stehst du jetzt beruflich oder was sind deine (Alternativ)-Pläne?

Ich hoffe weiterhin sehr, dass es dann für das Schuljahr 2016/17 mit einer festen Stelle klappt, zumal mich auch das vergangene Jahr in meiner Berufswahl bestärkt hat und ich eigentlich meinen Traumberuf gefunden habe. Das würde ich nur ungern aufgeben. Falls es dann immer noch nicht klappt, habe ich verschiedene Ideen parat: Stellensuche in der Schweiz, an deutschen Schulen im Ausland, eine Weiterbildung zur Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, um beispielsweise mit Flüchtlingen zu arbeiten, oder ganz neu starten mit einer Ausbildung im medizinischen oder zoologischen Bereich.

CM: Was läuft deiner Meinung nach schief, dass so viele Lehrer auf der Straße stehen?

Das ist schwer zu sagen, da hier verschiedene Faktoren zusammenspielen und es keine einfache Lösung gibt. Studienplätze durch einen NC zu reglementieren, halte ich für unsinnig, da sicherlich nicht immer die mit dem besten Abi die besten Lehrer werden. Ich finde es wichtig, dass zum Beispiel in Baden-Württemberg jeder Uniabgänger ein Anrecht auf eine Referendariatsstelle hat. Das einzige, was die Situation meiner Meinung nach entscheidend verbessern würde, wären kleinere Klassen und daraus folgend ein größerer Bedarf an Lehrern. Das kostet natürlich viel Geld.

Es bringt aber meiner Meinung nach wenig, ständig und lediglich den Bildungsplan nach skandinavischem Vorbild zu reformieren, an den Rahmenbedingungen aber nichts zu ändern. Was den finanziellen Aufwand betrifft, sollte man sich fragen, wie viel uns Bildung in Deutschland wert ist – und ob es nicht sinnvoll und nachhaltig wäre, hier zu investieren.


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