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Refugee Law Clinics Juristischer Rat für Flüchtlinge

Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, stehen sie unserem Rechtssystem meist relativ ratlos gegenüber, und einen Anwalt kann sich kaum einer leisten. In Refugee Law Clinics helfen ihnen Jura-Studenten beim Asylverfahren.

Von: Gerhard Brack und Beate Brehm

Stand: 24.03.2015

Jugendliche Asylbewerber | Bild: picture-alliance/dpa

Für Flüchtlinge beginnt mit der Ankunft in Deutschland meistens ein bürokratischer Teufelskreis aus Anhörung, Prüfung, Entscheidung, Ablehnung, Klage und Abschiebung. Marvin Lossmann, Jura-Student im 8. Semester, berät Flüchtlinge in der Münchner Refugee Law Clinic. Laut ihm kommt es vor allem darauf an, den Fluchtgrund glaubhaft zu machen, und zwar bereits bei der allerersten Anhörung und sehr detailliert. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Richter den Antrag später mit der Begründung ablehnt, dass der Fluchtgrund erst im Nachhinein geschaffen worden sei.

Genau das, die Schilderung traumatischer Erlebnisse aus der Heimat, sei aber für Flüchtlinge ein riesiges Problem, sagt die Vorsitzende der Münchner Law Clinic Franziska Fassbinder. Kurz nach der Ankunft einem deutschen Beamten von Vergewaltigung, Verfolgung und Folter zu erzählen, für die meisten sei das unvorstellbar. Und kaum ein Flüchtling wisse, dass diese Details darüber entscheiden werden, ob er den Aufenthaltstitel bekommt oder nicht.

Zwanzig Studenten arbeiten mittlerweile in der Münchner Refugee Law Clinic. Sie beraten die Flüchtlinge auch in ihren Unterkünften in München und Dachau. Damit das klappt, arbeiten die Studenten mit anderen Hilfsorganisationen wie Amnesty International und dem Münchner Flüchtlingsrat zusammen. Juristische Unterstützung bekommen sie von mehreren Fachanwälten.

Initiativen von Studenten für Flüchtlinge gibt es mittlerweile auch in Köln, Heidelberg, Leipzig und Berlin. Doch die Grundidee der Law Clinic kommt aus den USA. Dort haben sich schon Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Studenten zusammengeschlossen, um Bedürftige in Rechtsfragen zu beraten. In Deutschland war das bis 2008 dagegen verboten.


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