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Jahresausstellung in der Kunstakademie München Kunst in erlebbaren Räumen

Das Highlight des Jahres an der Akademie der Bildenden Künste München: die Jahresausstellung der Studierenden. Hier präsentieren die Studierenden ihre Werke einem breiten Publikum. Und am Abend der Eröffnung gibt es eine fette Party. Campus Magazin hat sich die Vorbereitungen schon mal angeschaut.

Von: Ella Priesnitz

Stand: 18.07.2017

Im obersten Stockwerk, im letzten Raum ganz hinten links, riecht es nach Holz und Leim. Christians T-Shirt ist voller Farbe, seine Finger sind mit Leim verklebt. Nachdem er einen Lappen in einen Eimer Kleister getaucht hat, steigt er auf eine Leiter und klatscht den tropfenden Lappen auf den Hasendraht, mit dem der große Holzkasten von innen ausgekleidet ist.

Christian vor seinem rohen Bühnenbild

Von der Decke des Kastens hängen kegelförmige Gebilde – Wespennester? Stalaktiten? Christians Kommilitonin Janine sitzt ein paar Meter weiter und knackt Pistazien. Ihr Kasten ist schon fast fertig, während Christian noch anpacken muss – beide bereiten als Studierende der Bühnenbildklasse ihre Werke für die Jahresausstellung an der Kunstakademie vor. Die Aufgabe an alle Studierenden, die hier teilnehmen: Schaffe einen erlebbaren Raum auf maximal 2,5 Quadratmetern.

Das Highlight Jahresausstellung

Die Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste hat Tradition. Jedes Jahr Ende Juli können die rund 700 Studierenden eine Woche lang ihre Werke der letzten Monate einer interessierten Öffentlichkeit präsentieren. 19 Werkstätten gibt es an der Akademie und so ist hier einiges zu sehen: Neben den Klassen für Malerei zeigen zum Beispiel auch die Studierenden für Schmuck und Gerät, Innenarchitektur, Bildhauerei, Keramik und Glas ihre Arbeiten. Und so hallt in den Tagen und Wochen vor der Ausstellungs-Eröffnung emsiges Klopfen, Quietschen, Rumpeln und Klirren durch die hohen Gänge.

"München hat eine der freiesten Akademien in Deutschland. Wir können uns hier richtig ausprobieren."

Christian Blank, Bühnenbild und -kostüm

Der ehemalige Marionettenspieler hat für seine Arbeit – eine begehbare Grotte – mit vielen unterschiedlichen Materialien experimentiert, um das Erlebnis für den Besucher so realistisch wie möglich zu gestalten. Wenn die Grotte in dem kleinen Kasten fertig ist, wird dieser vollkommen abgedunkelt und man kann ihn nur mit einer Taschenlampe erkunden. Christian muss nur noch die Wände und Stalaktiten, die von der Decke der Höhle hängenden Tropfsteine, fertig verkleiden und streichen.

"Freie Kunst" im Zentrum

Reiterstatue an der Freitreppe vor der Akademie

Der zentrale Studiengang an der Akademie heißt "Freie Kunst". Man bewirbt sich bei einem Künstler oder einer Künstlerin, das heißt einem Professor oder einer Professorin, der oder die zum Beispiel eine Klasse für "Malerei" oder auch "Neue Medien" betreut– in einem klassischen Meister-Schüler-Verhältnis.

Das heißt jedoch nicht, dass man auf ein Medium beschränkt wäre. Als Student in einer Fotografie-Klasse kann man sich auch mal an Bronzeguss oder Siebdruck versuchen.  Die Studierenden können mit allen Materialien und Herstellungsweisen experimentieren und sich dabei von den Werkstattleitern beraten lassen. Der Kreativität sind hier also keine Grenzen gesetzt und das spiegelt sich in den Jahresausstellungen auch wider.

Performance Art bei der Jahresausstellung

Angebotstafel "Zur fetten Frida".

Bühnenbildnerin Janine hat sich für ihren erlebbaren Raum etwas ganz Besonderes ausgedacht: in ihrem Holzkasten hat sie eine Leberkäs-Bude nachgebaut – mit gefliesten Wänden, Warmhaltetheke, Waschbecken und Leuchtreklame, darauf der Schriftzug "Zur Fetten Frida – Futti wie bei Mutti". Janine kichert.

"Nächsten Samstag steh' ich dann als Frida in meinem Fatsuit und aufgemaltem Damenbart hinter der Theke und verkaufe Leberkäs-Semmeln – für nur 1,70€ das Stück!"

Janine Dollmann, Bühnenbild und -kostüm

Ob das dann schon Performance Art ist? Das kann man ab Samstag, 22. Juli 2017 selbst herausfinden: Die Akademie öffnet ihre Türen und jeder kann die Kunstwerke der Studenten betrachten – und erleben.

Die Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München

Interessiert an junger Kunst? Am 22. Juli wird die diesjährige Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München eröffnet. Abends gibt es dazu eine Party mit Bars und Musik!!! :-) Die Werke der Studierenden können bis zum 30. Juli in den Räumen und auf dem Gelände der Akademie betrachtet werden. Es gibt außerdem Führungen. Akademiestraße 2-4, 80799 München. Weitere Informationen hier.


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