ARD-alpha - Campus Magazin


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Upcycling Mach' was aus deinem Müll!

Recyclen ist Volkssport in Deutschland. Doch eine Münchner Studenteninitiative gibt sich mit dem Wiederverwerten nicht zufrieden. Sie will Müll sogar veredeln. Klappt das?

Von: Susanne Bauer-Schramm

Stand: 02.03.2015

Alice im Wunderland? Nein, das ist Upcycling

Sie nennen sich Klumpgold, nach Klump oder "Glump", bayerisch für Müll. Und das wollen sie vergolden. Wieder- und neu verwenden. Sie, das sind vier Soziologiestudierende der Uni München, die vielleicht so etwas wie die Münchner Bastel-Päpste werden könnten.

Die Vier wollen nicht bloß recyclen, das sei zumindest in Deutschland schon eher selbstverständlich, sie wollen upcyclen, veredeln. Ein alter Pulli, ein Joghurtbecher oder eine Bierdose finden sie, sind viel zu schade, um sie einfach wegzuwerfen und wieder zu verwerten.

Upcycler wollen aus alten Dingen neue mindestens genauso wertvolle Sachen machen. Außerdem soll so im Gegensatz zum Recycling Energie gespart werden. Und die Qualität des Abfalls, sei es Plastik, Metall oder auch Papier, wird nicht gemindert, sondern gesteigert. In der Praxis heißt das aber: kreativ sein, sich Zeit nehmen und basteln. Dazu braucht es meistens ein gewisses handwerkliches Geschick.

Aus Altem Neues basteln

Ein Computer zum Beispiel beinhaltet viele Kleinteile aus verschiedensten Edelmetallen und  Kunststoffen. Als sich die Studierenden von Klumpgold einmal die Mühe machten, einen PC auseinanderzunehmen, kamen ihnen Ideen: Aus bunten Kabeln wurden Armbänder, aus Platinen Ohrringe, aus Lautsprechern ein individueller Kopfhörer und aus der Tastatur ein Bilderrahmen  – alles ohne etwas Neues zu kaufen und wieder unnötig Müll zu fabrizieren. Beim Upcycling geht es aber nicht nur um Elektroschrott, sondern auch um abgelegte Alltagsgegenstände wie Bretter, Bücher, CDs, Geschirr, Schuhe. 

Müll: Rohstoff für Fabelhaftes

Während Upcyling noch ein Nischenphänomen ist, liegt die in Deutschland anfallende Elektroschrottmenge nach jüngsten Hochrechnungen bereits bei 1,9 Millionen Tonnen pro Jahr, Platz 4 im weltweiten Ranking - nur Amerikaner, Chinesen und Japaner werfen mehr weg.

Ein Anfang ist gemacht

Jeder Deutsche verursacht 23 Kilogramm Elektroschrott. Ob Basteln mit Müll ein so großes Problem lösen kann? Die Studierenden aus München wissen es nicht. Aber sie wollen einen Anfang machen. Der Erlös aus dem Verkauf des veredelten Mülls jedenfalls fließt schon einmal an wohltätige Zwecke. Und das allein ist schon eine frohe Botschaft.


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