ARD-alpha - Campus Magazin


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Karriere beim Theater Berufseinstieg nach dem Regie-Studium

Schon 2015 galt Julia Prechsl als Nachwuchstalent. Damals machte sie ihre Bachelorarbeit an der August Everding Theaterakademie in München. Seit ihrem Masterabschluss 2016 ist sie freie Theater-Regisseurin. Jetzt haben wir die 25-jährige wiedergetroffen, bei einer Probe am Nürnberger Staatstheater.

Von: Monika Haas

Stand: 29.11.2017

"Ich freue mich einfach, dass ich wirklich den Job machen kann, den ich studiert habe. Weil das nicht selbstverständlich ist. Die Hälfte der Zeit bereite ich jetzt daheim in München Projekte vor, und die andere Hälfte sitze ich in der Bahn und fahre zu Vorbesprechungen und Proben. In Nürnberg hat sich eine schöne Zusammenarbeit entwickelt. Das freut mich besonders, weil das ein modernes, offenes und freundliches Haus ist."

Julia

Wie der Einstieg glückt

Schon als Studentin inszenierte Julia Stücke am Prinzregententheater und am Residenztheater in München oder in Hof bei den Bayerischen Theatertagen. Seit ihrem Abschluss knüpft sie weitere Kontakte in die Theaterwelt. Hilfreich ist neben ihrem persönlichen Engagement auch ihre Bereitschaft, weiterhin Zeit in kreative Workshops zu investieren. Auch ihr Abschluss an einer bekannten Ausbildungsstätte mit gutem Netzwerk ist hilfreich für einen gelungenen Start ins Berufsleben.

"Auch wenn ich jetzt fast mehr unterwegs bin, als an meinem Wohnort München, habe ich viel Kontakt mit Dozenten der Theaterakademie und mit Kommilitonen. Das Studium dort war eine prägende Zeit. Wir waren nicht alle gleichzeitig mit dem Master fertig, weil wir unterschiedliche künstlerische Interessen haben. Und deshalb sind wir heute auch keine Konkurrenten."

Julia

In ihrem ersten Berufsjahr konnte Julia Inszenierungen am Staatstheater Nürnberg realisieren, darunter die Uraufführung und Wiederaufnahme von „life is loading“, dem Gewinnerstück des Dramenwettbewerbs „talking about borders“: ein Text junger, polnischer Autoren ohne jegliche Regievorgaben, der die Abgründe der Social-Media Gesellschaft thematisiert. Dazu kommen weitere Inszenierungen in Nürnberg und Regieprojekte in Stendhal, Münster und Saarbrücken.
Als Nachwuchs-Regisseurin hat sie mit ihrem nahtlosen Berufseinstieg großes Glück. Denn die Konkurrenz ist groß; viele Bühnen stehen zugleich unter Sparzwang und Erfolgsdruck. Newcomer haben es da nicht leicht, ihr Können zu beweisen.

Die Schattenseite des Traumberufs

"Ich bin weit davon entfernt zu denken: jetzt bin ich Regisseurin, das wird ewig so bleiben. Das ist ein Beruf, in dem es nie Sicherheit gibt. Warum wir diesen Job machen, ist, dass wir kein Interesse an Sicherheit haben, sondern an dem, was hier passiert. Du kannst dir eigene Inspirationsquellen suchen, wahnsinnig schnell lernen und extreme Fortschritte machen. Das ist das Schöne am Theater und macht auch ein bisschen süchtig."

Julia

Das Arbeitsleben am Theater ist nichts für zartbesaitete Künstlerseelen. Berufseinsteiger wie Julia müssen selbstbewusst auftreten und mit ihren Ideen überzeugen. Erst potentielle Auftraggeber und dann alle Gewerke im Team: Ensemble, Dramaturgen, Licht- und Bühnentechniker, Requisiteure und Kostümbildner. Freie Regisseure brauchen bei teils monatelangen Vorarbeiten und Verhandlungen starke Nerven und müssen auch einmal weniger gut bezahlte Projekte annehmen oder gleich einen Nebenjob. Denn nicht nur der künstlerische Ruhm großer Stars, auch Auftragsflauten und finanzielle Durststrecken prägen die Wirklichkeit der kreativen Bühnenberufe.

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