ARD-alpha - Campus Magazin


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Zielsicher studieren Private Hochschule = Jobgarantie?

Gibt es eine Jobgarantie für Absolventen privater Hochschulen und Universitäten? Das wollen wir klären. Zwei Tage lang haben wir Manuel Schmidt begleitet, er studiert an einer privaten Hochschule in Fürth.

Von: Matthias Rex

Stand: 01.07.2015

Manuel trägt keinen maßgeschneiderten Anzug. Statt eines Porsches fährt er einen türkisfarbenen Fiesta. Und daheim in seiner Studentenbude stehen weder Kaviar noch Champagner im Kühlschrank, sondern zwei Flaschen fränkisches Landbier. Dem Klischee eines Studenten an einer privaten Hochschule entspricht Manuel so gar nicht. Der 23-jährige Franke studiert Gesundheitsmanagement und Ethik an der WLH, der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth. Deutschlands jüngste Privathochschule wurde 2012 gegründet. Wer hier studiert, muss zahlen.

Die Nase vorn?

Manuel studiert an einer Privathochschule.

Manuel legt Monat für Monat 400 Euro auf den Tisch. Das läppert sich. Nach sieben Semestern Regelstudienzeit kommen fast 17.000 Euro zusammen. Wer so viel Geld ausgibt, muss etwas davon haben. Das Fach „Gesundheitsmanagement“ bieten auch staatliche Hochschulen an. Ohne hohe Studiengebühren. Ist also etwas dran an den Sprüchen, dass es für Absolventen privater Hochschulen so etwas wie eine Jobgarantie geben kann? Auf diese Frage antwortet Manuel mit einem Lächeln. Und schüttelt dann den Kopf. Einen Job könne ihm keiner garantieren, meint er. Aber: Wer von der Wilhelm Löhe Hochschule kommt, habe im Vergleich mit Mitbewerbern staatlicher Universitäten im Rennen um die Jobs vielleicht doch die Nase vorn. Stichwort Vernetzung.

Partner im Hintergrund

Hinter der WLH steht die Diakonie Neuendettelsau. Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen, Schulen – das ist das Thema dieses altehrwürdigen Sozialkonzerns, der mit rund 6.000 Mitarbeitern zu den großen Arbeitgebern der Region zählt und ständig Hunger auf qualifiziertes Personal hat. Die Studiengänge an der WLH sind nicht nur genau auf diesen Bedarf  zugeschnitten, auch die Professoren und Lehrbeauftragten kommen zum großen Teil aus der Diakonie.

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Hochschule und Diakonie arbeiten also im engen Schulterschluss. Manuel bekommt genau das Rüstzeug mit, das er für einen Job in der Diakonie gebrauchen kann. Und umgekehrt? Die Diakonie bietet den Studierenden jede Menge Praktikumsplätze und Themen für Master- und Bachelorarbeiten. Manuel kennt durch sein Studium fast alle Abteilungsdirektoren der Diakonie persönlich. Am Ende seines Studiums will er möglicherweise in der Verwaltung eines Krankenhauses anfangen. Bei Klaus Fischer, dem Chef der fünf Kliniken der Diakonie Neuendettelsau, schnuppert er zur Zeit als Praktikant in den Krankenhausalltag hinein. Mit der Telefonnummer vom obersten Klinik-Chef in der Tasche steigen die Jobchancen natürlich.

Der Einzelfall entscheidet

Helena Zellner, Office-Personal

Absolventen einer Privathochschule haben einen Job sicher? Das wäre zu einfach, erklärt uns Helena Zellner. Sie gehört zu den Geschäftsführern von "Office-Personal". Mit 24 Standorten in ganz Deutschland gehört das Unternehmen zu den großen deutschen Zeitarbeit-Vermittlungen. Unter ihren mehr als 2.000 Mitarbeitern befinden sich auch viele Akademiker. Wer zu Helena Zellner mit dem Abschluss einer privaten Hochschule kommt, hat nicht zwangsläufig einen Fuß in der Tür. An hochspezialisierten Privathochschulen - hinter denen etwa ein Unternehmen steckt, das sich die passenden Mitarbeiter ausbilden lässt, die Wilhelm Löhe Hochschule etwa - kann man tatsächlich von einer Art Jobgarantie sprechen. Daneben gibt es aber Hochschulen in Massenfächern - etwa in dem Bereich Wirtschaft -, die in direkter Konkurrenz zu vielen sehr guten staatlichen Universitäten stehen. Diese Privathochschulen erreichten aber längst nicht immer die hohe Qualität ihrer staatlichen Konkurrenz, erklärt Helena Zellner.

Lohnt sich die private Hochschule?

Lohnt sich der Besuch einer privaten Hochschule also eher nicht? Fakt ist, wer Geld hat, hat einen Studienplatz sicher. Und oft tritt jemand, der eine private Uni besucht hat, sehr selbstbewusst auf. Das Auftreten und ein gutes Netzwerk allein reichen aber nicht immer, um einen guten Job zu bekommen. Fachkenntnis, Teamfähigkeit und Flexibilität – das zählt! Kurzum: Es lassen sich nicht alle Privatuniversitäten und -hochschulen über einen Kamm scheren. Manuel Schmidt und seine Kommilitonen allerdings verfolgen diese Diskussion entspannt. Denn für sie gilt tatsächlich: Privathochschule gleich Jobgarantie.


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