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Online-Uni Kiron Das iTunes der Lehre - Angriff aus dem Netz

Die deutsche Universität – eine altehrwürdige Institution. Seit fast 700 Jahren wird hier studiert, vorgelesen und geprüft. Aber das könnte sich bald ändern, denn die Unis bekommen Konkurrenz aus dem Internet.

Von: Fabian Mader

Stand: 20.04.2016

Markus Keßler will das alles nicht so gemeint haben. Das mit dem Angriff auf die Unis. Er selbst spricht eher davon, dass Kiron eine Ergänzung zum klassischen Studium sein könnte. Und dass sie die Unis ja schließlich auch weiterhin brauchen, um ihr Online-Studium überhaupt anzubieten.

"Wir möchten die Universitäten auch nicht angreifen, weil ich auch glaube, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis ein Online-Studium die kompletten Elemente von einem klassischen Studium ersetzen kann."

Markus Kreßler, Gründer von Kiron

Kiron – das ist eigentlich nur eine Online-Uni für Flüchtlinge. Dennoch hat sie ganz schön viel Wirbel ausgelöst. Denn nicht wenige sehen in Kiron bereits eine Art iTunes der Lehre. So steht es jedenfalls in diesem Blogeintrag eines Bayreuther Professors:

Zerreissen Online-Portale die Unilandschaft?

iTunes der Lehre - das bedeutet, dass Kiron genauso disruptiv auf die Unilandschaft wirken könnte, wie vor einigen Jahren iTunes auf die Musikbranche. Wie damals CD-Händler ihren Kunden verloren haben, könnten jetzt klassische Unis ihre Studenten verlieren.

Das Modell funktioniert nämlich so: Kiron sammelt Online-Vorlesungen von Elite-Universitäten und baut daraus neue Studiengänge. Die Studenten lernen also übers Internet. Nur im letzten Studienjahr gehen sie dann auf eine normale Hochschule. Dort werden ihre Online-Leistungen voll anerkannt.

Kurse per iTunes haben Vorteile.

Lernen im Park

Die Onlinekurse lassen sich bequem von unterwegs erledigen – über das Smartphone oder einen Laptop. Außerdem kommen die Vorlesungen von absoluten Spitzenleuten in ihren Gebieten. Bisher gibt es das Angebot nur für Flüchtlinge – für die ist es auch besonders interessant – weil sie an einer normalen Uni erstmal nur als Gast studieren dürfen, und erst später Deutschkenntnisse nachweisen müssen.

Irgendwann könnte Kiron – oder eine ähnliche Plattform – sich aber auch für alle Studenten öffnen. Und das wäre das für die klassischen Unis eine echte Herausforderung – sagt Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

"Sie halten die ganze Welt in der Hand - in ihrem Smartphone. Sie halten sogar, wenn diese Online-Vorlesungen von den besten Wissenschaftlern gemacht werden, die beste Universität in den Händen. Sie müssen nur jemand haben, der sie da durchführt, das macht Kiron im Prinzip."

Volker Meyer-Guckel, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Kiron hat in seinem ersten Jahr schon 3 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Ende des Jahres wollen sie bereits bei  5000 Studenten sein. Dem Team helfen mächtige Partner, wie die Google-Stiftung.

iTunes der Lehre wurden in den USA erfunden

Neben Kiron gibt es – vor allem in den USA – andere Plattformen, die sich bereits etabliert haben. Am bekanntesten ist Udacity. Gründer ist der frühere Stanford-Professor Sebastian Thrun. Er hat vor einigen Jahren auch die erste großangelegte Online-Vorlesung gehalten..

Udacity bietet für Softwareentwickler Ausbildungen mit eigenen Abschlüssen an, sogenannten Nanodegrees und einer Jobgarantie. 


Wenn die klassischen Unis auf solche Angebote keine Antwort finden – könnten tatsächlich nach und nach Studenten zu den flexiblen Online-Unis überlaufen.

Kooperation ZEIT-Chancen und Campus Magazin

Anant Agarwala (links) und Fabian Mader (mitte), im Gespräcj mit Volker Meyer-Guckel (rechts)

Für diesen Film haben ein Reporter der ZEIT und ein Reporter vom Campus Magazin zusammengearbeitet – das Gute daran: Einen Artikel zu Kiron lest ihr kommende Woche in der ZEIT.

Für beide Seiten gibt es dabei immer viel zu lernen. Mein Kollege von der ZEIT, Anant Agarwala dachte bisher immer, dass es bei Fernsehinterviews ganz leise sein muss. Deshalb hat er vor unserem Interview mit Volker Meyer-Guckel  im Pressebüro des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft angerufen und um einen ruhigen Raum gebeten. Das war sehr nett von ihm und im Büro von Volker Meyer-Guckel war es auch ganz schön. Allerdings machen wir Interviews eigentlich ganz gerne draußen – auch auf belebten Plätzen – da ist nämlich am meisten los.

So lernen wir beide bei jeder Recherche dazu und uns und unsere Arbeitsweise besser kennen. Vor allem hoffen wir, dass unsere Recherchen durch die Zusammenarbeit besser werden. Mein Eindruck ist:  Wir kommen gemeinsam einfach auf bessere Ideen – so war es auch bei diesem Film/diesem Artikel. Ich hatte die Idee, zu untersuchen, wie disruptiv Online-Unis sein könnten. Anant kannte die Jungs von Kiron – und so fügte sich das eine zum anderen. Wir wollen die Zusammenarbeit auf jeden Fall fortsetzen und freuen uns schon auf die nächste gemeinsame Recherche, die ihr hier dann auch lesen und sehen könnt.  


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