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Gefahr durch Salafismus Die radikalisierten Studenten

Islamistische Ideologen beeinflussen nicht nur sozial benachteiligte und bildungsschwache Jugendliche mit radikalen Parolen. Unter den Rückkehrern aus Syrien sind auch Studenten, zum Teil aus der deutschen Mittelschicht.

Von: Campus Magazin

Stand: 23.11.2015

In den letzten Jahren haben Bundesländer ermittelt. Studenten stehen im Verdacht, Attentate geplant zu haben. Ein hoher Bildungsstand alleine ist also kein automatischer Schutz gegen extremistische Ideologien.

Radikalisierung geschieht in gesellschaftlichen Milieus

Radikalisierungsfaktoren

Nicht jeder Salafist, der von Deutschland nach Syrien zum IS ausgereist ist, ist auch in Deutschland geboren, aber die große Mehrheit. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind in Deutschland aufgewachsen, oder haben zumindest eine längere Zeit hier gelebt.

Geburtsland der Ausgereisten

Die überwältigende Mehrheit der muslimischen Studierenden lehnt den IS Terror ab

Gerade von muslimischen Studenten der dritten Generation, die gut Deutsch sprechen und in Deutschland aufgewachsen sind, werden Erklärungen für die Gewalt im Namen des Islam verlangt und eine öffentliche Distanzierung. Die überwältigende Mehrheit der muslimischen Studierenden in Deutschland lehnt den IS Terror und die Attentate genauso ab wie nichtmuslimische Studenten.

Immer mehr Muslime beziehen Stellung gegen den Salafismus

Ali und Hassan beziehen mit Videos von "12th Memorise" auf Youtube und in Facebook gegen Salafisten Stellung.

Lange sahen die großen muslimischen Verbände keine Notwendigkeit, sich überhaupt öffentlich von Extremismus zu distanzieren. Aus ihrer Sicht hat der IS-Terror nichts mit ihrem Glauben zu tun und ist auch durch ihn nicht gerechtfertigt. Die Folge: Radikale und ihre Agenda bestimmten das Bild des Islam in den Medien. Eine Gegenbewegung mobilisiert sich aus der Mitte der großen Mehrheit, der hier lebenden Muslime. Sie wendet sich öffentlich gegen den IS Terror, gegen Anschläge, und tritt für demokratische Werte ein. So versuchen diese Muslime auch der wachsenden Islamphobie in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

12th Memorise bezieht Stellung

Die muslimische Studentengruppe 12th Memorise bezieht mit öffentlichen Inszenierungen gegen den islamistischen Terror Stellung. Ihr Name „12th Memorise“ erinnert an die Wiederkehr des 12. Imam mit Jesus und die  Erneuerung des Glaubens.

Eine andere Gruppe rief 2015 die Initiative „Nicht in meinem Namen“ ins Leben und distanziert sich auf Twitter von radikalen Positionen der Salafisten.

Muslimische Hochschulgemeinden arbeiten gemeinsam mit dem Rat muslimischer Studierender und Akademiker e.V. daran, etwa durch die Schaffung von Gebetsräumen an den Unis ihren Studierenden einen angemessenen Platz im Hochschulalltag zu ermöglichen. Sie versuchen gegen pauschale Vorurteile gegen den Islam und gegen Diskriminierung anzugehen. So wollen sie mit ihrer Initiative einer möglichen Radikalisierung enttäuschter muslimischer Studierender vorbeugen.

Verfassungsschützer setzten auf Aufklärung

Dem Verfassungsschutz ist wichtig, dass die Gesellschaft mehr über den Islam als Religion und als Kulturerbe erfährt und damit überhaupt unterscheiden lernt: Wer ist frommer Muslim? Wer ein strenggläubiger Salafist und wer ist tatsächlich ein möglicher islamistischer Terrorist?

"Hochschulen sind keine Hochburgen des Extremismus, es werden weder generell Muslime beobachtet, noch speziell Studierende, aber es können durchaus Gefährder an Unis aktiv sein.“"

 Markus Schäfert, Bayerischer Verfassungsschutz

Informationsschrift des Bayerischen Innenministeriums

Islamwissenschaftler diskutieren wie Islam in Deutschland aussehen kann

In den vergangenen Jahren haben neben Islamwissenschaftlern auch muslimische Buchautoren wie Eren Güvercin die öffentliche Debatte angeregt. Der Journalist hat selbst in Bonn studiert und erlebt, wie salafistische Mitstudenten ihren muslimischen Kommilitonen an der Uni den Glauben absprachen. Er kennt die Diskriminierung, die gläubige junge Muslime im Alltag erleben. In seinem Buch Neomoslems klärt er über die Möglichkeit seiner Generation auf und zeigt, wie aktive Glaubenspraxis mit einer überzeugten deutschen Staatbürgerschaft vereinbar ist. Eren Güvercin fordert, wie zahlreiche muslimische Intellektuelle und Wissenschaftler, eine tiefgreifende Diskussion unter den deutschen Muslimen darüber, wie hierzulande ein selbstbewusster Islam aussehen kann und wie er die demokratischen Werte mitträgt.

Die evangelische Kirche von Niedersachsen hat eine Webseite ins Leben gerufen, die das Salafismus-Problem unter der Perspektive der Religion beleuchtet.

Für Aussteigewillige gibt es Hilfs- und Beratungsstellen

Wenn Mitstudenten tatsächlich in eine gefährliche Spirale der Radikalisierung geraten sind, gibt es Hilfsprogramme: Am wichtigsten sind in allen Bundesländern spezielle Hotlines, die Freunde, Familienangehörige und Ausstiegswillige beraten. Zudem wird versucht, bereits im Vorfeld durch Prävention die Radikalisierung zu verhindern. Hier eine Liste der wichtigsten Kontakte

Kontakte und Beratung:

Beratungsstelle Radikalisierung, des Bundesministeriums des Inneren

Bundesweites Netzwerk zur Gewaltprävention

Wegweiser - Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus

In Nordrhein-Westfalen gibt es die Helpline NRW: Tel.: 0211-8371926


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