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Welches Praktikum? "Bestimmte Erfahrungen kann man nur im Ausland machen"

Dr. Meltem Göben leitet beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) das Referat für Auslandsschulen, Praktika und Hochschulsommerkurse. Sie ist Expertin, wenn es um Fragen zum Thema Praktikum im Ausland geht.

Stand: 24.11.2015

Dr. Maltem Göben | Bild: DAAD, colourbox.com; Montage: BR

Campus Magazin: Ich will mein theoretisches Wissen bei einem Praktikum anwenden. Warum sollte ich aber dazu ins Ausland gehen?

Als Praktikantin oder als Praktikant in einem Betrieb tätig zu sein bedeutet,  den betrieblichen Alltag kennenzulernen und Arbeitserfahrungen zu sammeln. Findet das Praktikum im Ausland statt, dann beinhaltet der Aufenthalt neben den fachlichen auch interkulturelle Lernprozesse:
Je nach Herkunft und Sozialisation existieren unterschiedliche Vorstellungen, wie man eine Besprechung zu leiten, ein Team zu führen, Kritik zu üben und miteinander umzugehen hat. Bestimmte Arbeitserfahrungen kann man nur im Ausland machen, da es entsprechende Organisationen nicht in Deutschland gibt, gerade im Bereich der internationalen Organisationen.

Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse, Kennenlernen der Lebens- und Arbeitsgewohnheiten anderer Länder sowie Gewinnung von Interkulturellen Kompetenzen sind ebenso Gründe, warum junge Menschen das Ausland bevorzugen. Geht man als Praktikantin oder als Praktikant ins Ausland, so hat man die Möglichkeit, Arbeitsprozesse im eigenen Land und im Ausland zu vergleichen, sich Fachkenntnisse in einem ausländischen Unternehmen anzueignen sowie erste Berufserfahrungen zu machen.

CM: Was muss ich beachten, wenn ich mein Auslandspraktikum selbstständig plane?

Das setzt eine gute Vorbereitung voraus. Bei der Suche eines Praktikumsplatzes ist die persönliche Zielsetzung entscheidend. Der Praktikant oder die Praktikantin muss zunächst entscheiden, welchen Schwerpunkt das Praktikum haben soll, bevor die Suche nach dem Praktikumsplatz anfängt. Institutionen u.a. wie die Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAP) und die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)informieren  im Rahmen eines Gemeinschaftsauftritts „Wege ins Ausland“ junge Menschen über Möglichkeiten, Auslandsaufenthalte zu organisieren. Selbstverständlich findet man auch Praktikumsplätze über eine der zahlreichen Praktikumsbörsen im Netz.

Es gibt Informationsstellen, die über Praktikumsplätze weltweit informieren. Auch die Erfahrungsberichte früherer PraktikantInnen geben einen guten Eindruck über das Land und den Praktikumsplatz.

CM: Welche Organisationen gibt es und wie finde ich einen guten Anbieter, wenn ich Unterstützung bei der Planung suche?

Es gibt Informations- und Vermittlungsstellen für Studierende und Graduierte, die über Praktikumsplätze informieren und wie der DAAD Praktikumsplätze ins Ausland vermitteln. Für einzelne Länder wie z.B. China, Neuseeland, Australien oder Regionen wie Afrika, Europa, Asien gibt es Informations- und Vermittlungsstellen mit länderspezifischen Kontakten.

Studentische Organisationen wie AIESEC, EL§A, bvmd bieten bei bestimmten Studienfächern oder Fachrichtungen ein spezielles Informations- bzw. Vermittlungsangebot für Praktika im Ausland an. Es lohnt sich ein Besuch beim Career Service, den Praktikantenämtern der jeweiligen Fakultäten oder beim Akademischen Auslandsamt.
Auch die Praktikumsbörsen bieten die Möglichkeit, entsprechende Stellen zu suchen. Teilweise sind die Börsen auf bestimmte Länder oder Erdteile spezialisiert.

Angesichts der Vielzahl der Organisationen, die Praktika vermitteln, ist es schwierig, den Überblick zu behalten und die richtige Informations- und Vermittlungsstelle zu finden. Der DAAD gibt zusammen mit anderen Organisationen (GIZ, IJAB und andere) den „Qualitätscheck Auslandspraktikum“ heraus. Hier finden sich Übersichten mit Qualitätskriterien sowohl für Vermittlungsorganisationen als auch in Bezug auf die Vermittlungsprozesse und natürlich auf die Praktika selbst. Der Kriterienkatalog bietet den Praktikumssuchenden eine Hilfe und gibt den Vermittlungsorganisationen Anregungen, um die eigenen Dienstleistungen zu optimieren.


Wichtige Kriterien für Praktikumsanbieter sind z.B. Transparenz beim Vermittlungs- und ggf. Auswahlprozess sowie Transparenz hinsichtlich der zu erwartenden Kosten. Ein Ansprechpartner in der Organisation während des gesamten Praktikumszeitraums sollte ebenso selbstverständlich sein.

CM: Wie sieht es mit den Voraussetzungen aus? Was muss ich mitbringen, wenn ich im Ausland ein Praktikum machen will?

Die genauen Voraussetzungen für ein Praktikum im Ausland sind länderspezifisch festgelegt. In der Regel gilt, dass man volljährig sein muss, um im Ausland ein Praktikum absolvieren zu können. In manchen Ländern werden gute Englischkenntnisse oder Sprachkenntnisse in der Landessprache vorausgesetzt. EU-Institutionen verlangen meistens auch eine weitere EU-Sprache.

Auch der Zeitpunkt und die Dauer können für ein Praktikum (etwa für ein Pflichtpraktikum) relevant sein. Praktische Vorkenntnisse werden in der Regel nicht nachgefragt.

Bevor es ins Ausland geht, sollten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen überprüft werden. Nicht in jedem Land hat der Wunsch, das Studium durch Praxisbezug zu ergänzen, die gleiche Bedeutung. In den meisten europäischen Ländern z.B.  ist ein Praktikum im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung an einer beruflichen Schule möglich. Fragen insbesondere zum Thema „Visa und Arbeitserlaubnis“ gehören zu denjenigen, die vorab geklärt werden müssen.  Oft sind Impfungen erforderlich, was teilweise mit hohen Kosten verbunden ist.

Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung ist unerlässlich und muss für den gesamten Praktikumszeitraum gelten. Auch bei Praktika innerhalb der EU ist zu prüfen, ob die gesetzliche Krankenkasse ausreichende Leistungen im Ausland bietet. Oft wird nur der im Zielland übliche Leistungsumfang gewährt, der nicht dem deutschen Standard entspricht.

Ebenso muss die Finanzierungsfrage vor dem Antritt des Praktikums geklärt sein, denn das Praktikum im Ausland ist mit einigen Kosten verbunden: Zu den Kosten gehören u.a. Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung, Taschengeld und Visum.
Eine gute Möglichkeit, diese Kosten aufzufangen, sind zum Bespiel vergütete Praktika. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten für ein Auslandspraktikum können Stipendien sein.

CM: Welche Möglichkeiten bietet der DAAD Interessierten, die im Ausland ein Praktikum machen wollen?

Der DAAD hält ein vielfältiges Informations- und Förderangebote für Studierende und HochschulabsolventInnen bereit. In verschiedenen Programmen fördert der DAAD Auslandspraktika und vermittelt teilweise auch Praktikumsplätze. Detaillierte Informationen sind auf der Webseite des DAAD zu finden. Einige davon können wie folgt zusammengefasst werden:

Im Programm „Carlo-Schmid, Praktika in Internationalen Organisationen und EU-Institutionen“ werden zwei Programmlinien angeboten, um den unterschiedlichen Vorstellungen und Ansprüchen der Studierenden und Graduierten und der Internationalen Organisationen Rechnung zu tragen.
Einen Praktikumsplatz findet man entweder in Programmlinie B oder über Kontakte in der Hochschule oder durch frühere Praktika bzw. über die Praktikantenprogramme, die die einzelnen Organisationen anbieten. Praktikumsstellen in Programmlinie B sind online veröffentlicht. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

Der DAAD vermittelt im IAESTE-Programm Praktika für Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Land- und Forstwirtschaft.
IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience): die weltgrößte Austauschorganisation für Studierende aus naturwissenschaftlich-technischen Bereichen existiert seit 1948 und hat seitdem mehr als 350.000 Praktika weltweit vermittelt. IAESTE-Praktika werden so vergütet, dass die Lebenshaltungskosten während des Praktikums gedeckt sind. Zum IAESTE-Programm gehört neben der Vermittlung der bezahlten Praktikumsstelle auch ein Betreuungsprogramm. Ehrenamtlich arbeitende studentische IAESTE-Mitglieder organisieren geeigneten Wohnraum, holen Neuankömmlinge am Bahnhof oder Flughafen ab, helfen bei Behördengängen und stellen ein Freizeitprogramm, oft mit Exkursionen durchs Land, zusammen. Die IAESTE verfügt über ein Netzwerk in über 80 Ländern auf allen Kontinenten. Das IAESTE–Programm wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert.

Im Kurzstipendienprogramm für selbstbeschaffte Praktika im Ausland fördert der DAAD praxisbezogene Praktika in bestimmten Institutionen wie z.B. in deutschen Außenvertretungen, Goethe-Instituten, in deutsche Auslandsschulen u.a.

Auch Fahrtkostenzuschüsse für Auslandspraktika können beim DAAD beantragt werden, wenn der Praktikumsplatz  über die Austauschorganisationen wie z.B. über IAESTE, AIESEC vermittelt wurden.

Im Rahmen des Stipendienprogramms RISE (Research Internships in Science and Engineering) weltweit vermittelt der DAAD Forschungspraktika in den Fachbereichen Biologie, Chemie, Physik, Geo- und Ingenieurwissenschaften sowie in angrenzenden Disziplinen.


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