ARD-alpha - Campus Magazin


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Wo studieren? "Der DAAD hilft bei der Entscheidung"

Alexander Haridi ist Leiter des Referats „Informationen zum Studium im Ausland“ beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Außerdem koordiniert er die Kampagne "Studieren weltweit -ERLEBE ES".

Stand: 24.11.2015

Alexander Haridi | Bild: DAAD, colourbox.com; Montage: BR

Campus Magazin: Wie finde ich heraus, welches Land zu mir und meinem Studium passt?

Die Entscheidung darüber, in welches Land man gehen sollte, ist sehr individuell und hängt von diversen Faktoren ab, wie zum Beispiel Vorgaben im Studiengang, der Fachrichtung, den Sprachkenntnissen, aber sicherlich auch von der eigenen Persönlichkeit. Während die einen in ein für sie „exotisches“ Land gehen wollen, bevorzugen andere eher ein ihnen „vertrautes“ Land. Der DAAD kann einem diese Entscheidung nicht abnehmen, jedoch bietet er Informationen zu den verschiedenen Ländern und ihren Hochschulsystemen, unter anderem auch zu Studiengebühren und Zulassungsvoraussetzungen, die einem bei der Entscheidung behilflich sein können. Zudem wird darauf verwiesen, möglichst auch die Beratung an der eigenen Hochschule (beim Akademischen Auslandsamt oder im eigenen Fachbereich) wahrzunehmen, da hier weitere Entscheidungskriterien mit hinzugezogen werden können (Wo gibt es Partnerhochschulen? Welche Zielländer sind für den eigenen Bereich fachlich relevant etc.).  

CM: Ob jemand für ein Stipendium beim DAAD ausgewählt wird, hängt auch von der "persönlichen Eignung" ab – was heißt das konkret?

Alexander Haridi | Bild: DAAD-Deutscher Akademischer Austauschdienst

Viel unterwegs: Herr Haridi beim Gespräch in Bagdad. Hier geht es um den deutsch-irakischen Austausch der Hochschulen © Deutsche Botschaft Bagdad

Über die Stipendienvergabe entscheidet im DAAD eine Auswahlkommission, die sich aus unabhängigen Hochschullehrern zusammensetzt, die nach fachlichen und regionalen Gesichtspunkten ausgewählt werden. In den meisten Stipendienprogrammen für Bewerber aus Deutschland findet die Auswahl mit persönlicher Vorstellung statt. Die Auswahlkommission legt Wert auf die fachliche Qualifikation der Bewerber (Studienleistungen, Studienverlauf und Bewertung durch Gutachten). Zudem sollte die Wahl des Ziellandes und der Gasthochschule, aber auch das Studienvorhaben gut begründet und plausibel sein. Der Auslandsaufenthalt sollte sich in den Studienverlauf des Bewerbers einbetten und perspektivisch von Vorteil für dessen berufliche Laufbahn sein. Doch auch die außerfachliche Qualifikation spielt eine Rolle: Engagiert sich der Bewerber ehrenamtlich? Sind Sprach- und Landeskenntnisse des gewählten Ziellandes vorhanden? Ist der Bewerber qualifiziert und verfügt über interkulturelle Kompetenzen, um auch Deutschland im Ausland angemessen repräsentieren zu können? Anhand all dieser Kriterien entscheidet die Fachkommission über die Förderungswürdigkeit der Bewerber.              

CM: Stipendium – heißt das, ich bekomme alles bezahlt und muss mich um nichts mehr kümmern?

Es gibt unterschiedliche Förderarten: Der DAAD vergibt in den meisten Stipendienprogrammen Vollstipendien. Diese setzen sich aus einem monatlichen Grundbetrag und einem länderspezifischen Auslandszuschlag zusammen. Hinzu kommt ein Reisekostenzuschuss in Form einer Pauschale. In der Regel umfassen die Stipendienleistungen zudem eine Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung für den Auslandsaufenthalt. Ist die Versicherungsleistung in einem der Programme nicht integriert, kann diese über den DAAD abgeschlossen werden. Auch Studiengebühren können bis zu einer für die einzelnen Länder festgesetzten Höchstgrenze übernommen werden.   

In einigen Programmen, zum Beispiel „Kurzstipendien für Praktika im Ausland“, werden Teilstipendien vergeben. Hierbei handelt es sich um Zuschüsse, die dazu dienen, auslandsbedingte Mehrkosten zu decken. Auch im Rahmen von Erasmus+ und PROMOS (Stipendien, die direkt über die deutschen Hochschulen vergeben, aber vom DAAD zur Verfügung gestellt werden), erfolgt eine Vergabe von Teilstipendien. Hier ist eine Eigenbeteiligung der Studierenden (oder von dritter Seite) erforderlich, um alle Kosten während des Auslandsaufenthaltes decken zu können.

CM: Studieren will ich eigentlich gar nicht mehr – kann ich mit einem Stipendium auch Praxis- oder Joberfahrung im Ausland sammeln?

Die DAAD-Programme richten sich grundsätzlich an Studierende und Doktoranden, die ja immer an eine Hochschule angebunden sind.

Über den Tellerrand schauen: Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert den internationalen Austausch

Einige Programme richten sich aber auch an bereits graduierte Bewerber, die nicht mehr an einer Hochschule eingeschrieben sind. So zum Beispiel „Sprache und Praxis in Japan“ und „Sprache und Praxis in China“. Diese Förderlinien eröffnen Graduierten auch nach Verlassen der Hochschule die Möglichkeit zu einem sprach- und praxisorientierten Auslandsaufenthalt. Im „Carlo-Schmid-Programm“ beispielsweise kann man sich bis zu zwei Jahre nach der Examensprüfung bewerben. Im Stipendienprogramm „Russland in der Praxis“ ist eine Bewerbung bis fünf Jahre nach der Graduierung möglich. Mit Erasmus+ kann man sich auf ein Stipendium für ein Praktikum bewerben, das im Falle einer Zusage bis 12 Monate nach Beendigung des Studiums durchgeführt werden kann. 

Die konkreten Bedingungen unterscheiden sich je nach Programm. Deshalb empfehle ich, die genauen Informationen in der Stipendiendatenbank des DAAD nachzulesen. 

Akademische Auslandsämter und Career Center bieten umfangreiche kostenlose Beratung zum Thema Ausland an und können somit bei der Planung eines Auslandsaufenthaltes sowohl im Hinblick auf Finanzierung als auch Organisation behilflich sein. 

CM: Das Stipendium in der Tasche und das Traum-Gastland gefunden – An welche To-Do's muss ich vor der Abreise denken?

Zur persönlichen Vorbereitung sollte, wenn möglich und nötig, eine sprachliche Vertiefung (z.B. ein vorbereitender Sprachkurs an der Hochschule) gehören. Vor allem sollte man sich mit der Kultur des Gastlandes durch Literatur oder entsprechende Seminare vertraut machen und sich ggf. mit anderen auslandserfahrenen Kommilitonen austauschen. Weiterhin gibt es eine Vielzahl von administrativen Vorbereitungen (wie. z.B. Visum, Unterkunft, Versicherung etc.), die man am besten mit einer Checkliste zum Abhaken erledigt.


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