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Privatstudium in der Türkei Der Istanbuler Uni-Dschungel

Was in Deutschland eher exotisch ist, ist in der Türkei völlig normal: Privatuniversitäten. Vor allem in Istanbul geht der Trend zur privaten Hochschule. Da heißt es: Augen auf im Üniversitesi-Dschungel.

Von: Katharina Willinger

Stand: 30.06.2015

Lila Plakatwände überall: in der U-Bahn, an Hochhäusern, Haltestellen, am Bus, im Bus. Mal wieder hat in Istanbul eine neue Privatuni ihre Campuspforten geöffnet und macht kräftig Werbung für sich. Mittlerweile kennt wohl jeder in der Stadt ihren Namen, denn ihre Werbeplakate verfolgen einen wirklich überallhin.

Aber was steckt dahinter? Was kann man dort studieren? Und: Wo ist die Uni überhaupt? Das weiß in Istanbul kaum jemand. Kein Wunder bei 44 privaten Universitäten - wer soll da bitte noch den Überblick behalten?

Unterricht an der Koç Üniversitesi

Vor über 20 Jahren wurde die erste private Hochschule in der Stadt gegründet. In den 1990er-Jahren kam noch ein gutes Dutzend dazu. In den vergangenen zehn Jahren kam es dann zu einem echten Boom. Auch was die Studierendenzahlen angeht: 320.000 sind an einer privaten Uni eingeschrieben, genauso viele studieren an einer der neun staatlichen Unis der Stadt.

Die Popularität der Privatunis hat mehrere Gründe. Zum einen können die staatlichen Universitäten die Nachfrage nach Studienplätzen nicht decken, sie haben schlicht nicht genug Platz. Im letzten Schuljahr müssen türkische Schüler einen Uni-Test machen: Nur die Besten können an eine staatliche Uni gehen.

Private Busshuttles zur Uni

Wer jetzt denkt, dass die privaten Hochschulen nur den Rest abgreifen, der irrt. Mit Stipendien machen sie sich auch für diejenigen attraktiv, die eigentlich genug Punkte für die staatliche Uni mitbringen. Und das funktioniert immer besser.

Denn durch Zusatzangebote wie Fitnesscenter, Cafés und private Busshuttles steigern die Privaten ihre Attraktivität. Außerdem werben sie damit, ihre Kurse und Vorlesungen auf Englisch abzuhalten - und viele Dozenten aus dem Ausland zu beschäftigen.

Geld, Geld, Geld - regiert die Uniwelt. Und das haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmer entdeckt. Die Privatuni als Geschäftsmodell sozusagen. Laut Gesetz müssen die zwar als Stiftungsuniversitäten organisiert sein und dürfen kein Geld erwirtschaften, aber das stellt für viele kein Hindernis dar. Der Stifter hat in seinem Portfolio zufällig auch eine Baufirma, und wer erhält wohl den Zuschlag für den Bau der Unigebäude?

Und es geht noch weiter, sagt Prof. Dr. Dr. Arndt Künnecke, der selbst an einer privaten Uni in Istanbul lehrt:

"Die privaten Unis arbeiten in der Regel mit diesen Universitätskarten, die dann mit Geld aufgeladen werden. An der Uni kann man nur mit dieser Karte bezahlen. Und die Frage, wer dann hinter den Kinos, Friseuren, Restaurants und Vergnügungseinrichtungen an der Uni steckt, die lässt sich klar beantworten. Das Geld fließt dann auf diesem Weg wieder in das Gesamtvermögen des edlen Spenders und Besitzers der Universität."

Prof. Dr. Dr. Arndt Künnecke, Dozent

Arbeitgeber sind skeptisch

Auch die Qualität der privaten Universitäten ist aus Sicht von Prof. Dr. Dr. Arndt Künnecke sehr unterschiedlich. Wenn beispielsweise Englisch als Unterrichtssprache angegeben ist, muss das noch lange keine Garantie sein, dass der Unterricht auch tatsächlich auf Englisch gehalten wird.

"In den meisten Fällen ist es ein türkischer Dozent, der vor der Klasse steht und fragt: Wollt ihr wirklich, dass ich euch jetzt was auf Englisch erzähle? Nein, nein, wir sprechen Türkisch. Das macht es auch schwierig für die internationalen Studenten. Auch der deutsche Arbeitgeber schaut: Ist das tatsächlich eine seriöse Uni? Hat die irgendeinen Namen und was hat die angeboten?"

Prof. Dr. Dr. Arndt Künnecke, Dozent

Damit ihr euch nicht im Istanbuler Privatuni-Dschungel verirrt, hier eine kleine Orientierungshilfe vom Campus Magazin, unsere persönlichen Top 3 sozusagen.


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