ARD-alpha - Campus Magazin


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Geld für den Geist Wer bezahlt eigentlich den Uni-Betrieb?

Wie viel geben die Hochschulen in Deutschland für Forschung und Lehre aus? Und vor allem: Wer bezahlt was? Campus Magazin bringt Licht ins Dunkel der Hochschulfinanzierung.

Von: Anna Schleinzer

Stand: 19.11.2014

Was kostet ein Studium? | Bild: Bayerischer Rundfunk

Johannes studiert im fünften Semester Humanmedizin. Was sein Studium kostet? „Keine Ahnung“ meint er und schätzt dann: „30.000 Euro vielleicht oder 40.000?“ Knapp daneben: Mit fast 200.000 Euro pro Studium ist Medizin das teuerste Fach. Am günstigsten sind Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Schnitt kostet ein Studienplatz an der Uni bis zum Abschluss rund 40.000 Euro.

Kosten pro Studium nach Fächergruppen

Das meiste zahlen die Bundesländer

„Wer zahlt das eigentlich alles?“ will ein anderer Student wissen, den wir in der Mittagspause auf dem Campus ansprechen. Die Antwort ist nicht ganz unkompliziert. Ganz grob gesagt, sieht es momentan so aus: Den größten Teil der ca. 30 Milliarden Euro, die die Hochschulen in Deutschland für Forschung und Lehre ausgeben, zahlen die Bundesländer: rund 80 Prozent. Als Träger der Hochschulen sind sie für den Großteil der Uni-Finanzierung zuständig. Konkret: Für die Basisfinanzierung, die sogenannten Grundmittel. Ein Großteil der Grundmittel geht für Gehälter drauf: von Profs, Hiwis, Bibliothekspersonal. Ebenfalls aus den Grundmitteln bezahlt werden müssen Mieten, Gebäudeerhalt, Material, Heiz- und Stromkosten.

Der Bund beteiligt sich im Moment nur mit knapp zehn Prozent an der Uni-Finanzierung. Bald könnte sein Anteil höher ausfallen: Mitte November hat das Parlament eine Grundgesetzesänderung beschlossen, damit sich der Bund künftig stärker an der Hochschulfinanzierung beteiligen kann. Aktuell darf er wegen des sogenannten „Kooperationsverbots“ nur besondere Forschungsprojekte und Sonderprogramme mitfinanzieren – jeweils für eine befristete Dauer. Die Unis haben zum Auslaufen der Fristen immer gebangt, ob es weitergeht – etwa mit dem Hochschulpakt für mehr Studienplätze oder der Exzellenz-Initiative. Am 19. Dezember muss noch der Bundesrat der Grundgesetzänderung zustimmen – das ist aber wohl nur noch Formsache.

BAFöG-Reform

Auch beim BAföG wird der Bund die Länder entlasten. Ab dem neuen Jahr übernimmt der Bund die gesamten Kosten für die Ausbildungsförderung. Er entlastet damit die Länder um jährlich 1,17 Milliarden Euro. Bisher tragen die Länder 35 Prozent, der Bund 65 Prozent der BAföG-Kosten. Das frei werdende Geld können die Länder dazu verwenden, die Lücken in der Uni-Finanzierung zu schließen.

Drittmittelanteil stark gestiegen

Der dritte Topf in Sachen Uni-Finanzierung sind private Mittel. Sie machen im Schnitt ebenfalls rund zehn Prozent der Uni-Haushalte aus. Zu den privaten Mitteln zählt beispielsweise der Semesterbeitrag der Studenten, aber auch: Gelder aus der Wirtschaft, etwa für Hörsaal-Sponsorings. Für eine Unterstützung bei der Renovierung werden die Säle umbenannt, etwa in „Aldi-Süd-“ oder „Siemens-Hörsaal“. An weitere Bedingungen ist so ein Sponsoring meistens nicht geknüpft.

Eine weitere wichtige Säule in der Uni-Finanzierung sind sogenannte Drittmittel

"Drittmittel sind Mittel, die zur Förderung von Forschung und Entwicklung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre zusätzlich zum regulären Hochschulhaushalt (Grundausstattung) von öffentlichen oder privaten Stellen eingeworben werden. Drittmittel können der Hochschule selbst, einer ihrer Einrichtungen (z.B. Fakultäten, Fachbereiche, Institute) oder einzelnen Wissenschaftlern im Hauptamt zur Verfügung gestellt werden."

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Freie Forschung möglich?

Hubertus Heil

Dauerhaft brauchen sie mehr Planungssicherheit und mehr Grundmittel, fordern die Unis immer wieder. Nur so sei unabhängige Forschung und Lehre garantiert. Mit der Lockerung des Kooperationsverbotes ist ein wichtiger Schritt getan, die den Unis Möglichkeiten bieten, „die es historisch noch nie gab“, so SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka lobte die „Win-Win-Situation für Bund und Länder, Hochschulen und Studierende“. Die Opposition sieht noch immer Nachbesserungsbedarf: Auch weiterhin soll der Bund beispielsweise nur überregional bedeutende Vorhaben der Unis finanzieren dürfen.


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