ARD-alpha - Campus Magazin


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Anruf vom Headhunter Turbo für die Karriere?

Top Manager großer Unternehmen abwerben – das war einst das harte Geschäft von Headhuntern. Doch heutzutage werden kluge Köpfe bereits während oder am Ende des Studiums von Personaldienstleistern für Firmen gesucht. Campus Magazin zeigt, was zu beachten ist.

Von: Annekathrin Wetzel

Stand: 27.10.2016

Immer mehr Arbeitgeber beauftragen Personaldienstleister, geeignete Mitarbeiter und vor allem auch geeigneten Nachwuchs für sie zu finden. Aber da nicht alle Studiengang-Absolventen auf dem Markt heiß begehrt sind, bieten die Personaldienstleister auch umgekehrt Beratung und Unterstützung bei der Jobsuche für diejenigen an, die nicht so leicht vermittelbar sind. Egal zu welcher Sorte du gehörst, fest steht, dass die Chancen auf einen langfristig zufriedenstellenden Job mit der Hilfe eines kompetenten Personalberaters steigen.

Vermittlung statt Bewerbung

Bei begehrten Studiengängen, wie beispielsweise den Ingenieurwissenschaften oder der Informatik ist es mittlerweile üblich, noch als Student von Headhuntern kontaktiert zu werden. Deren Ziel ist es, junge Leute möglichst früh für ein Unternehmen zu gewinnen. Für Absolventen dieser Studiengänge ist es oft nicht mehr nötig, sich eigenständig bei einem Unternehmen zu bewerben.

So erging es auch dem Informatikstudent Adam Kosiorek. Er begann sein Studium in Polen und erhielt dort mehrmals von Headhuntern Angebote. Beim zweiten Mal wurde er von IBM zu Samsung abgeworben und konnte so in eine Stelle wechseln, die seinem Interessengebiet noch besser entsprach. Gleichzeitig hatte er damit bereits während des Studiums Arbeitserfahrung vorzuweisen.

"Samsung beschäftigt sich unter anderem mit künstlicher Intelligenz und das war meine Chance, in dieses Thema einzusteigen. Das war sehr spannend."

Adam Kosiorek

Während der Arbeit an Adams Masterabschluss an der TU München haben wir zwei „Headhunter“ begleitet, die attraktive Angebote für Adam haben. Ulrich Rob von BORROB, der dreißig Jahre Erfahrung in der Vermittlung von Absolventen mitbringt und Natalie Neuhof von Academic Work, einem jungen Unternehmen, das sich ganz auf die Vermittlung von Young Professionals spezialisiert.

Natalie Neuhof von Academic Work

Academic Work wurde Ende der 90er Jahre von drei Studenten in Schweden gegründet. Sie wollten Absolventen wie sie es selbst waren, helfen, einfacher und gezielter wirklich geeignete Stellen zu finden. Seit 2008 vermittelt Academic Work mit Hauptsitz in München insgesamt 14000 Jobs pro Jahr in sechs Ländern. 99% dieser Stellen werden übertariflich bezahlt. Ihr Fokus liegt dabei auf Young Professionals, die am Beginn ihrer Karriere stehen. Natalie Neuhof ist Consultant Manager für IT & Tech Positionen.

Ulrich Rob von BORROB

Seit den achtziger Jahren sucht und positioniert Ulrich Rob überwiegend junge Bewerber unter 40 Jahren für Bereiche wie Fach- und Abteilungsleitung, Top Administration Services und Führungskräfte im mittleren Management. Während dieser Zeit hat Ulrich Rob etwa 5000 Bewerber positioniert. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf der Beratung der Kandidaten. Er hilft bei der Optimierung des Bewerbungsprozesses und bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche.

Headhunting, nur was für Überflieger?

Nicht jeder hat das Glück, einen derart begehrten Studiengang wie Adam gewählt zu haben. Doch auch Studenten weniger gefragter Studienrichtungen können auf sich aufmerksam machen und sich dadurch den Berufseinstieg vereinfachen.

Ulrich Rob, BORROB

"Man muss sich ständig persönlich weiterentwickeln und selbst hinterfragen: Warum habe ich studiert, beziehungsweise diese Fachrichtung gewählt?
Und jeder sollte in sich hineinhören: Was hat mich fasziniert an diesem Studium und tut es das immer noch? Dann sollte man sich immer auch parallel für andere, neue Aufgaben interessieren, die im Studium nicht unbedingt eine Rolle spielen. Sich breiter, weiter, offener aufstellen. Das ist, meiner Meinung nach, ein wichtiger Punkt."

Ulrich Rob

Dabei zählen nicht immer nur gute Noten oder Qualifikationen, meint Natalie Neuhof:

Natalie Neuhof, Academic Work

"Wir sind keine Firma, die nur auf die Noten achtet. Wir schauen vor allem auf die Fähigkeiten: auf die technischen, legen aber auch großen Wert auf die Softskills. Jemand, der sich präsentieren und der gut und strukturiert antworten kann. Unternehmen suchen Kandidaten, die Persönlichkeit und Ambitionen mitbringen, die sich entwickeln und weiterkommen wollen."

Natalie Neuhof

Diese Auffassung teilt auch Ulrich Rob:

"Für mich ist die Persönlichkeit entscheidend. Je mehr sich der Kandidat empathisch für eine Aufgabe begeistert, desto besser. Wenn er seine gute Leistung und die Begeisterung für sein Aufgabenfeld aus einer inneren Ambition heraus schafft, ist das optimal."

Ulrich Rob

Abwarten oder Eigeninitiative?

Es muss nicht unbedingt der Headhunter sein, der den ersten Schritt macht, es gibt auch  die Möglichkeit, sich auf Stellenangebote vom Personaldienstleister auf dessen  Website, den Jobportalen oder Online-Netzwerken zu bewerben. Noch besser ist es eine Initiativbewerbung zu versenden oder sich beim jeweiligen Headhunter registrieren zu lassen und somit in die Kandidatendatenbank aufgenommen zu werden. Mitglieder dieser Datenbanken werden als Erste über neue Stellenangebote informiert.

Buchtipps:

Scholz, Christian: Grundzüge des Personalmanagements, München, 2. Aufl. 2014

Doris Brenner Karrierestart nach dem Studium - inkl. Arbeitshilfen online: Die ersten 100 Tage im neuen Job, Freiburg, 2015

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