ARD-alpha - Campus Magazin


2

Mehr Geld für Orchideenfächer Kommt der Aufschwung für Finnougristik oder Papyrologie?

Sie heißen auch Orchideenfächer, weil sie so schön und selten sind: Die kleinen Fächer. Jetzt sollen sie aufgewertet werden – durch eine Finanzspritze des Bundesforschungsministeriums. Campus Magazin fragt nach: Was bringt das den Studenten und Doktoranden?

Von: Barbara Fuß

Stand: 13.07.2016

An die 120 kleine Fächer zählt man an deutschen Universitäten.

Oft sind nur ein paar Dutzend Studenten eingeschrieben, und es lehrt nur ein einziger Professor. Daniel Kunzelmann zum Beispiel promoviert an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität am Institut für "Europäische Ethnologie“. Mit seiner Doktorarbeit ist er fast fertig – aber wie geht es danach weiter für ihn?

"Gerade die kleinen Fächer haben wenige Stellen und da muss man sich ernsthaft die Frage stellen, will man sich darauf einlassen, weiter unter teilweise prekären Verhältnissen zu arbeiten und nicht zu wissen, was in ein paar Jahren passiert."

Daniel Kunzelmann, Doktorand in Europäischer Ethnologie

Mit seinem Forschungsschwerpunkt "Soziale Medien und politische Bewusstseinsbildung“ würde Prof. Dr. Johannes Moser Doktorand Daniel gerne am Institut behalten. Doch die Mittel des Lehrstuhls sind begrenzt. Die zusätzlichen Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) machen den beiden jetzt ein wenig Hoffnung.

Exzellente Nachwuchsforscher der kleinen Fächer sollen drei Jahre lang mit 100.000 Euro jährlich unterstützt werden. Ein Programm für Postdocs wie demnächst Daniel.

Seine Forschungsfrage nach den "Auswirkungen der digitalen Welt auf die politische Teilnahme der Bürger“ ist innovativ, selbstgewählt und interdisziplinär. Die Arbeit zeigt, dass Forschungen der sogenannten  Orchideen-Fächer nicht nur schön, sondern auch nützlich sein können.

"Wenn man zeigen kann, dass die eigene Arbeit Politik und Gesellschaft betrifft, dann zeigt das, wie wichtig das Fach ist. Damit gibt es auch eine Berechtigung, dass es finanziell gefördert wird."

Daniel Kunzelmann

Der Haken: Maximal zehn Nachwuchsforscher werden in den Genuss der BMBF-Förderung kommen. Das Ministerium stellt insgesamt nur drei Millionen Euro bereit.

"Das ist im Prinzip ein tolles Programm. Kleine Fächer werden gefördert und damit sieht man auch, welche Potenziale diese Fächer haben. Aber auf  die gesamte Bundesrepublik Deutschland betrachtet, werden nur Nachwuchswissenschaftlerinnen  und Nachwuchswissenschaftler gefördert. Da spielt sich die Bewilligung dann im Promillebereich ab."

Prof. Dr. Johannes Moser

Minimale Chancen also für Nachwuchsforscher in den kleinen Fächern. Und was ist mit den anderen Absolventen? Die meisten Studierenden streben keine wissenschaftliche Karriere an. Wie sehen ihre Jobchancen aus? Alexander Wenzl ist bei der Arbeitsagentur auf die kleinen Fächer spezialisiert. Die Berufschancen sind von Fach zu Fach sehr unterschiedlich, sagt er.

"Aufgrund der politischen Situation ist es sicherlich so, dass das Thema der Islamwissenschaften oder auch Religionswissenschaften im Kommen ist. Bei Buchwissenschaften oder Finnougristik ist es natürlich schwieriger, weil der Arbeitsmarkt sehr diffus ist. Aber letztendlich entscheidend ist die individuelle Situation. Wichtig ist, die Karriere rechtzeitig zu planen."

Alexander Wenzl, Arbeitsagentur

Die meisten kleinen Fächer sind Geisteswissenschaften. Gute Tipps für Jobaussichten finden Studenten der Nischenfächer in dem Blog "Geisteswirtschaft“. Bloggerin Gianna Reich hat einiges zusammengetragen, was Absolventen wissen sollten, um sich für den Start in den Beruf fit zu machen.

"Man muss so früh wie möglich anfangen, sich mit Wirtschaft auseinanderzusetzen. Außerdem sollte man selbstbewusst sein und seine Fähigkeiten kennen und die auch vortragen können, etwa in einem Bewerbungsgespräch."

Gianna Reich, Bloggerin


2