ARD-alpha - Campus Magazin


36

Funktional wohnen 6 Quadratmeter Studentenbude

Alltag im sogenannten i-Home: Lipgloss steht neben Salzstreuer, das Schuhregal in der Dusche – ein Wohnprojekt für Studenten auf nur 6,4 Quadratmetern. Aber brauchen Studenten tatsächlich nicht mehr Platz zum Wohnen?

Von: Christine Memminger, Nicole Schwertner

Stand: 27.05.2015

Wenn Amelie morgens aufsteht, muss sie erstmal umbauen. Denn die Dusche ist gleichzeitig der Eingangsbereich zu ihrer Wohnung. Also lagern dort Jacken und Schuhe. Erst wenn sie die weggeräumt hat, kann sie duschen. Die Kunst- und Germanistikstudentin wohnt in einem sogenannten i-Home in der Münchner Studentenstadt, auf gerade mal 6,4 Quadratmetern. Dessen Erfinder meinen: Mehr Platz braucht ein Student nicht zum Wohnen. Und Amelie fühlt sich wohl: "Man muss schon ordentlich sein. Aber dafür habe ich mein eigenes kleines Haus."

Funktionalität pur

Möglichst viele Funktionen auf möglichst wenig Platz. Darum geht es auch bei anderen innovativen Wohnkonzepten für Studenten. Zum Beispiel wurden in Berlin alte Frachtcontainer zu einem Wohnheim umfunktioniert. In Ulm haben Studenten ein neues Wohnheimkonzept mit entworfen und sich für ein Stecksystem an den Wänden entschieden. Andere Entwürfe gehen sogar so weit, dass ganze Wände verschoben werden können.

Funktionales Wohnen könnte ein Mittel gegen die wachsende Wohnungsnot sein. Fast drei Viertel der Studenten berichten von Problemen bei der Zimmersuche. Wenn jeder Student nur noch rund sechs Quadratmeter bräuchte, würde das natürlich Platz sparen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade in Städten wie München oder Berlin Projekte zum funktionalen Wohnen Anklang finden und auch im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 zum Thema "Zukunftsstadt" diskutiert werden. Allerdings wurden bisher nur wenige Projekte konkret umgesetzt.

Gemeinschaftsräume fehlen

Einige Stadtplaner warnen davor, dass viele Konzepte zwar funktional, aber nicht unbedingt sozial sind.

"Das ist pure Funktion. Das hat aber noch nicht unbedingt was damit zu tun was Mensch sein heißt, was studieren heißt und was von und miteinander lernen heißt."

Oliver Heiss, Architekt und Stadtplaner

In einer Studenten-WG sind die einzelnen Zimmer manchmal auch nicht recht viel größer als das i-Home. Allerdings gibt es dort zusätzlich noch Gemeinschaftsräume, in denen man sich immer wieder trifft. Man sollte sich also vorher genau überlegen, wie man wohnen möchte und wie viel Gemeinschaft einem wichtig ist.

Wie WG-tauglich bist du?

Soziale Wohnkonzepte für Studenten

Statt nur einzelne Räume multifunktional zu verwenden, verfolgen andere innovative Wohnkonzepte einen sozialen Ansatz: So wird zum Beispiel in Wien ein gesamtes Wohnheim von Studenten gemeinsam mit Obdachlosen genutzt. In München soll ein Wohnheim entstehen, in dem Flüchtlinge mit Studenten zusammen leben. Beim Projekt "Wohnen für Hilfe" unterstützen Studenten Senioren im Haushalt. Dafür bekommen sie ein günstiges Zimmer. Wohnraum wird dadurch effektiver genutzt als zuvor – und genau das wird in Universitätsstädten mit Wohnungsnot immer wichtiger.


36