ARD-alpha - Campus Magazin


13

Frühstudium Schüler an die Uni?

Immer mehr Schüler besuchen neben der Schule Vorlesungen als sogenannte Frühstudenten. Das Frühstudium ist ein Angebot, das für Hochschulen viel Organisationsaufwand bedeutet, aber den Frühstudenten das spätere Studium verkürzt.

Von: Beate Brehm

Stand: 24.05.2015

Frühstudium, das ist für Julius Schönkopf ganz normal, er selbst ist ein bisschen etwas Besonderes. Denn wenn seine Mitschüler nach der Schule zum Sport gehen oder einfach nur chillen, packt Julius regelmäßig seine Sachen und fährt ins 30 Minuten von seiner Heimatstadt entfernte Stuttgart an die Uni ins Frühstudium. Dort beschäftigt er sich in Astrophysik-Vorlesungen mit Satelliten und Sonden. Julius ist Frühstudent, einer von rund 1.700 bundesweit.

Immer mehr Universitäten bieten spezielle Programme für hochbegabte oder extrem leistungsbereite Schüler an. Aktuell sind es über 50 Hochschulen mit jeweils durchschnittlich 43 Schülern, Tendenz steigend.

Frühstudium heißt das und es bedeutet: Ausgewählte Schüler besuchen neben dem Schulunterricht ausgewählte Seminare und Vorlesungen an der Uni. Einige machen sogar schon Scheine, die sie sich dann nach dem Abi auf das Studium anrechnen lassen können.

Wege ins Frühstudium gibt es viele

Julius Schönkopf, Schüler und Student der Astrophysik

Oft schlagen die Schulen besonders begabte Schüler vor. Manchmal kommt ein Kontakt auch über Schüler-Programme oder Schnupper-Uni zustande. Und nicht selten kommt es vor, dass sich Schüler selbst informieren und bewerben.

Kriterien für das Frühstudium

Nach welchen Kriterien die Schüler für das Frühstudium ausgewählt werden, ist von Uni zu Uni verschieden: An der Universität in Würzburg müssen die Anwärter ein Bewerbungsgespräch durchlaufen und eine von der Uni entwickelte testpsychologische Untersuchung durchlaufen. Dabei werden der mathematische und der sprachliche Intelligenzquotient ermittelt.

"Langfristig ist der fachspezifische Intelligenzquotient der Jugendlichen entscheidend für den Erfolg im Frühstudium."

Prof. Dr. Eva Stumpf, Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie Universität Rostock

Auch an den meisten anderen Unis müssen Schulzeugnisse eingereicht werden, oft noch ein Empfehlungsschreiben der Schule, in dem auch bestätigt wird, dass und in welchem Umfang ein Schüler vom Unterricht befreit wird. Auch Julius hat mit seiner Schule eine solche Vereinbarung geschlossen: Mindestens die Note vier müsse er in Fächern schreiben, die er regelmäßig verpasst. Was - wenig verwunderlich - kein großes Problem für Julius war.

Frühstudium – Betreuungsangebote für Frühstudenten

Tutorenprogramm für Frühstudenten

Wie das Aufnahmeverfahren unterscheidet sich auch die Betreuung im Frühstudium von Uni zu Uni. Die Hochschulen stellen etwa Tutorien, Einsteigerkurse, Online-Netzwerke oder ähnliches für ihre Schülerstudenten zur Verfügung. Die ersten Frühstudenten starteten 2001 an der Uni Köln. Damals nur in den sogenannten MINT-Fächern (Mathe, Ingenieur- und Naturwissenschaften und Technik), später auch in Geisteswissenschaften. Bis heute gibt es die meisten Früh-Studenten im MINT-Bereich. Das kommt daher, weil es in diesen Fächern besonders auffällig ist, wenn sich ein Schüler im regulären Unterricht langweilt.

Und noch eine Tendenz gibt es unter den Junior-Studenten: Die meisten von ihnen stammen aus Akademiker-Familien. Das ergab die Studie "Vom Klassenzimmer in den Hörsaal - Frühstudium" im Auftrag der Deutschen-Telekom-Stiftung.

Die Schüler und Schülerinnen können sich an der Uni orientieren und werden geistig gefordert. Denn sie gehören zu den drei bis fünf Prozent aller Schüler, die sich im Unterricht unterfordert fühlen, also entweder hochbegabt oder einfach eine ganze Ecke cleverer als ihre Mitschüler sind. Wenn sie schon im Frühstudium Scheine machen, verkürzt sich später auch ihre Studienzeit.

Vorteile des Frühstudiums für die Hochschulen

Für die Hochschulen hat das Frühstudium auch einen handfesten Vorteil: Sie ziehen sich junge Talente heran und binden sie an die eigene Uni. Auch Julius kann sich gut vorstellen, später einmal an der Uni Stuttgart zu studieren. Schließlich hat er dort sehr gute Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig hoffen die Universitäten, die Abbrecherquote, die gerade in den MINT-Fächern besonders hoch ist, durch das Frühstudium entscheidend zu verbessern.


13