ARD-alpha - Campus Magazin


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Studium in USA “Environmental Economics“ - Leben und studieren in San Francisco

Philippe Nguyen hat an der University of California, Berkeley studiert. Die "UC Berkeley" liegt am Ufer der San Francisco Bay, wo das innovative Silicon Valley auf die Multikulti-Metropole San Francisco trifft.

Von: Philippe Nguyen

Stand: 09.06.2016

Studium in Berkley, Kalifornien, USA | Bild: Philippe Nguyen

"Jeder von euch Absolventen hat seinen ganz eigenen und damit einzigartigen Werdegang hinter sich, der euch nun zum Studienabschluss geführt hat."

Nicholas B. Dirks, Direktor UC Berkeley

Das waren die Worte von Nicholas B. Dirks, dem Direktor der „UC Berkeley“ bei der feierlichen Übergabe der Bachelorzeugnisse. Seine Worte ließen mich innehalten und die letzten Jahre hier in Kalifornien vor meinem inneren Auge Revue passieren. Diese Zeit, in der ich in der Bucht von San Francisco gelebt, gearbeitet und studiert habe, werde ich nie vergessen.

Die kulturelle Vielfalt macht diesen Ort so besonders.

Der Campus der University of California, Berkeley. Die Uni wurde 1868 gegründet und gehört zu den renommiertesten Universitäten in der Welt.

Die "Bay Area“ ist eine ausgedehnte, geographisch wie gesellschaftlich vielfältige Metropolregion mit über sieben Millionen Einwohnern in Städten wie San Francisco, Berkeley und Palo Alto. Einst ein Anziehungspunkt für spanische Missionare und Goldsucher, ist die Bucht von San Francisco heute bekannt für ihren "hippen Lifestyle“, die liberale Politik und natürlich die High-Tech-Industrie im Silicon Valley. Es hat nicht lange gedauert, bis ich in diese tempogeladene, innovative und vielfältige Atmosphäre eingetaucht bin. Es ist die kulturelle Vielfalt, die diesen Ort so besonders macht. Die "Bay Area“ ist ein Melting-Pot von Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Erde. Hier lernt man schnell neue Bekannte aus El Salvador, Guatemala, Mexico, aus den Philippinen, China, Vietnam, Tonga, Iran, Türkei, Nigeria, Deutschland und aus vielen anderen Herrenländern kennen. Die Möglichkeiten sich mit den unterschiedlichsten Leuten auszutauschen und voneinander zu lernen sind schier unendlich. Das habe ich sowohl an meiner Universität als auch bei der Arbeit und im Alltag deutlich gespürt. Ich bin mir sicher, dass mich diese Atmosphäre vor Ort in meiner neugierigen und weltoffenen Lebenseinstellung geprägt hat.

Meine Zeit an der "UC Berkeley"

Neue Sportsfreunde im Ausland finden? Hier wird man fündig: Das Cal Bears Stadium der University of California, Berkeley.

An der "UC Berkeley“, einer der renommiertesten öffentlichen Universitäten Kaliforniens, habe ich während meines Bachelorprogramms "Environmental Economics“ viele Vorlesungen bekannter Koryphäen unterschiedlicher wissenschaftlicher Felder gehört. Sie haben mich auch neben dem Unialltag bereichert. Da war zum Beispiel der ehemalige Klimaberater der US-Regierung Daniel M. Kammen. Seine Veranstaltungen auf dem Campus haben mich dazu inspiriert, die revolutionäre klimafreundliche Energiewende zu studieren. Der Kurs von Daniel M. Kammen beschäftigte sich mit bereits existierenden und innovativen Energiesystemen, die wir auf interdisziplinäre Wiese genauestens untersuchten, um deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu analysieren und gegenüberzustellen.

Philippe mit einem Kommilitonen bei der “undergraduate commencement ceremony”, der feierlichen Übergabe der Zeugnisse in der „UC Berkeley“.

Aber meine Zeit an der "UC Berkeley“ war nicht nur rein akademisch geprägt. Ich bin auch tief ins typisch amerikanische College-Leben eingetaucht, das viel mehr zu bieten hat, als Vorlesungen büffeln und hin und wieder mit den anderen Kommilitonen feiern gehen. Mit über 37.000 Studierenden ist die Vielfalt auf dem Campus riesengroß. Das macht sich in Hunderten von Studentenorganisationen und Uninetzwerken bemerkbar. Man kann buchstäblich für jedes Hobby einen eigenen Verein oder irgendeine Interessengruppe auf dem Campus finden. Das geht von karriere-orientierten Clubs, wie studentische Unternehmensberatungen, über brasilianische Samba-Gruppen und japanische Taiko-Trommelvereine bis hin zur "League of Legends“, in der sich passionierte "Computer-Nerds“ und Spieleenthusiasten am PC austoben und auch an nationalen Tournieren teilnehmen. Unter all diesen bunten Möglichkeiten, die das studentische Leben hier so zu bieten hat, habe ich das Segeln im Cal Sailing Club am Hafen von Berkeley für mich entdeckt.

Ein unvergessliches Erlebnis: Segeln mit Aussicht auf San Franciso

Volle Fahrt voraus! Philippe auf seinem Segelboot mit der Skyline von San Francisco und der Golden Gate Bridge im Hintergrund.

Der Cal Sailing Club ist eine Non-Profit-Organisation, die größtenteils von jungen Freiwilligen am Leben gehalten wird. Den Mitgliedern der Gemeinde bietet sich hier die Möglichkeit, im Vergleich zu den großen Yacht-Clubs zu sehr niedrigen Preisen an Segelkursen teilzunehmen. Den Cal Sailing Club  mit seiner gemeinnützigen Mission kann ich nur allen Auslandsstudierenden in Berkeley empfehlen, weil man hier auch schnell viele neue Freunde finden kann. De facto ist die amerikanische Gesellschaft im Allgemeinen stark an Gemeinnützigkeit orientiert. Das habe ich auch hier im Segelclub am eigenen Leib erfahren: Nachdem ich das Segeln in professionellen Kursen selbst gelernt und meinen Segellehrschein gemacht hatte, habe ich mich freiwillig gemeldet, um den Neuankömmlingen im Club Anfängerkurse zu geben. Jeden Samstag bin ich also raus auf´s Wasser mit meinen Schützlingen und habe Unterrichtsstunden gegeben – das war eine tolle Erfahrung.

Der Blick von Berkeley auf die Golden Gate Bridge. Von hier aus konnte Philippe sicher gut seine Segeltörns für den nächsten Tag planen…

Es ist einfach ein unglaublich schöner Moment, wenn du live dabei bist, wenn dein eigener Segelschüler Fortschritte macht und ein Teil der Crew wird. Das starke Gemeinschaftsgefühl auf See ist dabei spürbar: Für eine sichere Fahrt durch Wind und Wellen ist eine effektive Kommunikation und Teamwork sehr wichtig. Für mich gab es kein schöneres Gefühl, als das Boot während unruhiger See und unvorhersehbarem Wellengang in Teamwork aufrecht zu halten und das gute Zusammenspiel der Crew-Mitglieder mitzuerleben. Mit einem tollen Team auf einem Boot zu sein und dann auch noch mit einer beeindruckenden Aussicht auf San Francisco die Bucht entlang zu segeln – das ist einfach eine Erfahrung, die ich niemals missen möchte.

Mein besondere Freundschaft mit Ricardo aus El Salvador

Neben dem Segeln war Philippe auch im Meer, um „Abalones“ zu tauchen, eine Art Seeschnecken. Vor allem in der Van-Damme-Bucht sind sie zu finden.

Als ein junger Abiturient aus Deutschland, der ich damals war, habe ich die Dinge in meinem Leben oft als selbstverständlich wahrgenommen: Zur Schule gehen, den Führerschein machen und so weiter… Ich habe mich oft wegen Kleinigkeiten in meinem Alltag beschwert, sei es das regnerische Schmuddelwetter im winterlichen Deutschland oder die verspätete Straßenbahn. Während meiner Zeit in der „Bay Area“ in der Nähe von San Francisco habe ich begonnen, die Welt anders zu sehen und zu merken, dass nicht jeder mit solch kleinen Problemchen konfrontiert ist. Vor allem nicht in den USA, wo ungefähr elf Millionen illegale Immigranten einen täglichen Überlebenskampf austragen müssen und versuchen ihre Lebenssituation zu verbessern. Ich habe endlich verstanden, wie glücklich ich mich eigentlich schätzen muss, als deutscher Student mit US-amerikanischen Papieren. Zum Beispiel hatte ich so viel mehr Chancen und Möglichkeiten als mein Freund Ricardo aus El Salvador, der sich lange ohne gültige Papiere in den USA aufhielt.

Und so sieht der Fang aus: Eine ausgewachsene Seeschnecke.

Die Begegnung mit ihm hat mich stark verändert: Als er mir von den Umständen in seiner Heimat erzählte, von der alltäglichen Gewalt der Straßengangs und der Armut, da wurde mir so einiges klar und ich danke für alles, was mir im Leben geschenkt wurde. Zum Beispiel die Möglichkeit, mit einem gültigen Visa legal in die USA einreisen zu können. Bis heute hat mich die Begegnung mit Ricardo sehr geprägt und ich habe großen Respekt vor ihm. Ricardo hat Guatemala und die mexikanische Wüste mit einer Galone Wasser und ein paar Tüten Chips durchquert, um die US-Grenze zu erreichen und ein neues und hoffentlich besseres Leben zu beginnen. Immer mit der Angst im Nacken, von der "La Migra“, also der US-Grenzpolizei festgenommen zu werden.

Philippe mit seinem Kumpel Ricardo aus El Salvador. Ihre Freundschaft hat Philippe die Augen geöffnet…

Mit Blick auf unsere Freundschaft fühle ich mich umso mehr darin bestärkt, dass der Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft wichtig ist, um ein Gefühl für gesellschaftliche Verantwortung zu entwickeln. Von Ricardos Mentalität, seinem unglaublichen Überlebenswillen und seinem Fleiß als Anlagenmechaniker, als der er heute tätig ist, wurde ich inspiriert und ich bin mir heute sicherer denn je, dass kein Mensch illegal sein kann.

Ich weiß, dass meine Auslandserfahrungen auf der anderen Seite des Atlantiks vieles in meinem Leben stark geprägt haben: Meine Werte, meine Anschauungen, meine ganze Person. Ohne jeden Zweifel, ich möchte jeden da draußen dazu motivieren ins Ausland zu gehen und nach der Schulzeit in einem anderen Land zu leben. Die Erfahrungen, die ihr im Ausland sammelt, das Lernen einer neuen Sprache und das Eintauchen in eine fremde Kultur, das alles kann einen jungen Menschen nur positiv beim Erwachsenwerden beeinflussen. Von zuhause auszuziehen und aus der Blase der Sicherheit auszubrechen, an die ich mich so sehr gewöhnt hatte, hat meinen Charakter stark geprägt und mir geholfen zu mir selbst zu finden. Wenn ich allen da draußen Anfang Zwanzig einen Rat geben darf: Kommt raus aus eurer „Komfortzone“, seid neugierig und offen für alles Neue was da kommen mag. Und erforscht alles, was euch auf den ersten Blick seltsam und unbekannt vorkommt. Geht ins Ausland und entdeckt die Welt! “Don’t worry be happy” – Bobby McFerrin.

Länderinfo: USA

  • Das Quartalsystem ist in den USA zwar weniger verbreitet, sorgt dafür aber umso mehr bei ausländischen Studenten für Verwirrung:  Das Studienjahr wird hier in 3 Terms (Fall, Winter und Spring) unterteilt. Es gibt die Option ein 4. Summer-Quarter zu nutzen. Jedes Quarter ist 10 Wochen lang.
  • Wenn ihr ein Wintersemester in den USA verbringen wollt, ist für euch das Semestersystem (Mitte August bis Mitte Dezember) besser geeignet als das Quartalsystem.
  • Einen Überblick über das US-Bildungssystem findest ihr hier: http://www.educationusa.de/de/studium/
  • Achtung: Wenn man in den USA studieren möchte, muss man ein Studentenvisum beantragen.

Nützliche Links:

Was ist beim Studieren in den USA zu beachten? Die Kampagne "Studieren weltweit – ERLEBE ES“ des DAAD klärt auf:


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