ARD-alpha - Campus Magazin


0

Deutsche in China Was brauchst Du für einen Studienaufenthalt in China?

Und plötzlich bist Du der Pünktlichste und der Ordentlichste. Und Du fragst Dich, wie lange Du noch ohne Käse leben kannst. Und ob das Taxi, in dem Du sitzt, in den letzten 20 Jahren einen TÜV gesehen hat. Selten fühlt man sich so deutsch wie als Deutscher in China.

Von: Ella Prienitz

Stand: 12.07.2017

Studentinnen am "Happy Spring Festival" in Shijiazhuang | Bild: picture-alliance/dpa

Dieses Phänomen, im Kontrast die eigene kulturelle Herkunft so stark zu spüren, begegnet einem häufig in fremden Ländern. China ist allerdings ein Extrembeispiel. Da hilft es, gut vorbereitet zu sein.

Studentin versucht sich in der Chinese Traditional Culture in Qinhuangdao, North China's Hebei Provinz

Das Leben in China ist in vielem ganz anders als das Leben in Deutschland. Die Esskultur, die Menschenmengen, der Verkehr, die Sprache, die Umgangsformen – gerade am Anfang ist man als Student in China einen Großteil des Tages damit beschäftigt, völlig neue Eindrücke aufzunehmen und zu verarbeiten. Hinzu kommt das hohe Lernpensum an der Uni, das durchaus eine Herausforderung darstellen kann. Als Sinologie-Student liegt ein Studienaufenthalt im Reich der Mitte auf der Hand. Aber auch für jeden anderen Studiengang können ein oder zwei Semester an einer chinesischen Universität oder Hochschule eine große Bereicherung sein.

Die organisatorischen Voraussetzungen

Blick auf die chinesische Mauer von Beijing aus

China rangierte 2014 auf Platz 6 der beliebtesten Auslandsziele deutscher Studierenden. Asien-Erfahrung ist für viele Jobs nach dem Studium enorm hilfreich. Und nicht zuletzt sind es die Mandarin-Kenntnisse, die Du zurück nach Deutschland bringst, die für viele Unternehmen als sehr attraktiv gelten. So gibt es auch viele Möglichkeiten, um während des Studiums einige Monate in China zu verbringen. Eine lange Tradition und gute Bedingungen bieten die Programme des DAAD. Aber auch Partnerschaften zwischen einzelnen Unis beinhalten viele Möglichkeiten – hier informiert meist die Auslandsstudienberatung. Mit etwas größerem Aufwand ist die private Organisation direkt über eine chinesische Universität verbunden. In allen Fällen empfiehlt es sich, frühzeitig mit der Suche nach einem geeigneten Programm zu beginnen, d.h. mindestens eineinhalb Jahre vor Beginn des Studienaufenthalts. Mit der Bestätigung der chinesischen Uni kann man das Visum beim Chinese Visa Application Service Center beantragen.

Die finanziellen Voraussetzungen

Studenten am Tian'anmen Square in Beijing, China

Das gilt auch für die Finanzierung. Neben dem Auslands-BaFög gibt es das bekannte DAAD-Stipendiatenprogramm. Aber auch viele andere Organisationen bieten Förderungsmöglichkeiten, z.B. das Konfuzius-Institut oder das Bayerische Hochschulzentrum für China. Über die Austauschprogramme der Universitäten und das China Scholarship Council werden oft zumindest die Studiengebühren erlassen. Weitere Informationen gibt es bei Sinonerds, einer gemeinnützigen Community für junge Menschen mit Interesse am Austausch mit China, Hong Kong und Taiwan. Grundsätzlich sind die Lebenshaltungskosten in China nach wie vor geringer als in Deutschland. Städte wie Peking oder Shanghai reichen inzwischen allerdings durchaus an europäische Standards. Ein Tipp: Viele Studenten in China nutzen längere Wochenenden oder die Woche des Neujahrsfests für Reisen im Land oder in angrenzende Länder, z.B. Japan, Korea, Taiwan oder Vietnam. Hierfür ein Budget einzuplanen, lohnt sich!

Die logistischen Voraussetzungen

Mensa der Nanjing Universität, Jiangsu Provinz im Osten Chinas

Die meisten Studenten leben auf dem Campus im Wohnheim, Chinesen und Ausländer meist getrennt. Das hat den Vorteil, dass man mit vielen anderen Nationen in Kontakt kommt, mit Leuten, die „im gleichen Boot“ sitzen wie man selbst. Dort spricht man dann allerdings meist Englisch und das Chinesisch kommt schnell zu kurz. Sollte es die Möglichkeit geben, in einem chinesischen Wohnheim zu wohnen, ist das eine Überlegung wert. Oft teilt man sich dort zu zweit ein Zimmer – eine außergewöhnliche, oftmals bereichernde Erfahrung. Die Auswahl einer Wohnheims-Unterkunft kann manchmal erst vor Ort geschehen, sich vorher zu informieren ist dennoch ratsam. Man kann sich auch eine WG oder Wohnung außerhalb des Campus suchen. Für ein bisschen mehr Geld hat man dort oft mehr Platz und eine eigene Küche.

Die sprachlichen Voraussetzungen

Studenten an der Tsinghua Universität in Beijing

Man muss in China nicht fließend chinesisch sprechen können, um zu überleben. Da der Großteil der Chinesen aber keine Fremdsprache spricht und es unzählige Alltagssituationen gibt, die der Kommunikation bedürfen, sind ein paar Brocken Mandarin Goldwert. Außerdem braucht man für manche Stipendien ein HSK-Level. Es gibt einige internationale Programme, die auf Englisch angeboten werden. Ob in den Vorlesungen und Kursen auf Englisch oder Chinesisch unterrichtet wird, ist generell jedoch von Uni zu Uni verschieden. Auch die Ansprüche und das Lerntempo hängen von der jeweiligen Hochschule und dem jeweiligen Studiengang ab. Insgesamt gilt jedoch für chinesische Unis: es wird sehr viel gelernt, d.h. die Systeme sind verschult, die akademische Selbstbestimmung ist gering und das Pensum hoch. Sprachlich kann man sich auf unterschiedlichste Weise vorbereiten, viele deutsche Unis bieten Kurse an, das Konfuzius-Institut ist auch empfehlenswert. Noch ein Tipp: Unter den chinesischen Studenten finden sich viele, die ihr Englisch oder auch ihr Deutsch gerne üben möchten. Mit einer Tandem-Freundschaft kannst Du Deine eigenen Sprachkenntnisse fördern und die chinesische Kultur auf einer individuellen Ebene kennenlernen.

Die persönlichen Voraussetzungen

Dänische Studentinnen praktizieren Tai Chi mit Schülern in Uniformen in Shijiazhuang

Kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren machen persönliche Freundschaften zwischen chinesischen und deutschen Studenten nicht immer einfach. Es bedarf grundsätzlich großer Offenheit und Neugierde, wenn man sich dem Kosmos China nähern will. Du musst Dich auf das Land, seine Menschen, das Essen, das Tempo, die Größenverhältnisse, die Geschichte, die klimatischen Verhältnisse – auf alles, was anders ist – einlassen können. Neben den organisatorischen und praktischen Voraussetzungen ist es die persönliche Einstellung, die das Studium in China zu einem Gewinn werden lässt. Sind diese Voraussetzungen gegeben, steht der Faszination China nichts mehr im Wege. Dann wirst Du tolle Menschen treffen, wunderschöne Landschaften sehen, Spannendes lernen und Außergewöhnliches erleben. Und Du wirst das beste Essen der Welt probieren. Und vielleicht kommst Du ein bisschen weniger deutsch zurück.


0