ARD-alpha - Campus Magazin


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Mathe-Rap Yeah, eine binomische Formel!

Formeln als Punchlines - so eine Idee kann nur von einem echten Mathe-Nerd kommen. Aber Mathestudent Johann Beurich alias "DorFuchs" ist ziemlich erfolgreich mit seinem Mathe-Rap.

Stand: 15.05.2015

Johann studiert Mathe, Johann findet Mathe richtig "schön" und – er rappt Mathe. Die Titel seiner Songs lassen Mathe-Muffel an die dunkelsten Stunden ihrer Schulzeit denken: "Polynomdivision", "p-q-Formel" oder "Partielle Integration". Aber Johann alias "DorFuchs" ist überzeugt: Nicht die Mathematik ist schuld an ihrem schlechten Ruf, sondern die Art und Weise wie sie vermittelt wird: Spaß im Mathe-Unterricht? Gleich null. Und deshalb rappt er, bekommt dafür Millionen Klicks und hat den Grimme-Online-Award gewonnen.

Jeder dritte Abiturient ist in Mathe zu schlecht

Ein bisschen Image-Pflege kann der Mathematik nicht schaden: Nach einer Studie des Kieler Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik IPN erreichen zwei Drittel der deutschen Abiturienten nicht die "angestrebte voruniversitäre Bildung" in Mathe. Im weltweiten Vergleich sind den deutschen vor allem asiatische Studierende (Südkorea, Singapur, Hongkong, China) in ihren Mathekenntnissen um Nummern voraus.

Mathe ist ein Problem? Das ist nicht wirklich neu, wird aber immer wieder neu festgestellt, beklagt und diskutiert: von Pädagogen, Politikern und Bildungsforschern. Und natürlich von Schülern und Studierenden, die sich lustlos durch ein Fach quälen, das sie bei der erstbesten Gelegenheit abwählen. Wenn´s geht gleich für den Rest des Lebens.

Schlechtes Image

Bis heute hält sich die Ansicht, Mathe sei einfach nicht cool. Wer gut in Sport ist, ok, der tut was Gutes für sein Image. Aber gut sein in Mathe? – puh! Ist das nicht bloß was für E-Technik-Schrauber oder Informatik-Nerds? Auch Johann weiß um das schlechte Image seines Studienfachs, das seit Mitte der 1990-er Jahre immer weniger studieren wollen. Seit damals fällt die Anzahl der Absolventen von MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), also der Fachbereiche, in denen ohne Mathe nichts geht.

Andererseits: Unsere Welt wird immer mehr durch Technik geprägt. Absolventen der MINT-Fächer werden händeringend gebraucht, damit sie die technologische Entwicklung voranbringen. Letztlich geht es also um Wirtschaft, um Wettbewerbsfähigkeit. Und Mathematik steckt in den Mint-Fächern, wie sie überall drinsteckt in unserer Lebenswelt. Mathe ist also ziemlich wichtig für unsere Zukunft. Aber auch die Aussicht auf ein super Ingenieursgehalt scheint nicht ausreichend, um als Mathemuffel motiviert zu werden. Und Mathe ist tatsächlich nicht leicht. Selbst Mathestudenten werfen oft hin. 80 Prozent der Mathematikstudenten kommen nicht bis zum Abschluss, die meisten lassen es nach dem ersten Semester bleiben.

Motivation ist alles

Doch wieso läuft das bei den Chinesen anders, warum sind da so viele so gut in Mathe? Aus Sicht eines deutschen Schülers oder Studenten dürfte die Antwort eher ernüchternd sein: Mathe nimmt schon in der Schule einen viel höheren Stellenwert ein, sprich, es gibt mehr Mathestunden pro Woche. Die Unis sind verschulter und ja, es gibt auch mehr Druck. – Keine Sorge, die Bildungsforscher haben schon festgestellt, dass es nicht besonders erfolgversprechend wäre, Prinzipien der asiatischen Lernkultur auf unser Bildungssystem zu übertragen. 

Was also ließe sich unternehmen? Den Druck erhöhen auf Schüler und Studierende? – Hierzulande kontraproduktiv! Da sind sich Bildungsforscher wie Psychologen weitgehend einig. Denn Angst verursacht Blockaden statt sie abzubauen. Und das will keiner. Mathe sollte also möglichst nervenschonend vermittelt werden? Tatsächlich kreist die Diskussion am Ende um die Frage, wie Mathe besser vermittelt werden kann als bisher oft üblich. Und da steht zum Beispiel die Lehrerausbildung zur Debatte. Das Zauberwort hießt: Motivation. Die funktioniert nur dann, meint Johann Beurich, Mathematikstudent an der Uni Dresden, wenn der Lehrer selbst davon begeistert ist. Mathe lässt sich lehren, abarbeiten, runterbeten oder rappen! – Johann Beurich alias DorFuchs beweist, dass es geht.


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