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Famulatur Haken halten im OP

Ärzte tragen Verantwortung, Famulanten ihnen die Akten hinterher, lautet das Klischee. Aber Medizinstudenten lernen während der Famulatur nicht nur Fachliches. Sie üben auch, wie man sich als Arzt richtig verhält.

Von: Beate Brehm

Stand: 04.10.2017

Angehende Ärztinnen und Ärzte kommen schon sehr früh im Studium mit der Praxis in Berührung. In den ersten Semestern müssen sie ein 90-tägiges Pflegepraktikum absolvieren. Da kämpfen sie an forderster Front: Urinschalen austauschen, Bettlaken wechseln, Essen und Medikamente verteilen. Die Medizinstudenten sollen schließlich den gesamten Krankenhausbetrieb kennen lernen.

Nach dem Physikum heißt es dann: „dienen“. Denn der Famulant, so die Bezeichnung für Medizinpraktikanten, ist laut der lateinischen Übersetzung eben erst einmal ein Diener. Je nach Station kann das eine antiquierte Metapher sein, oder es ist wörtlich zu verstehen. Deshalb gibt es im Internet spezielle Bewertungsforen für Medizin-Famulaturen.

Praktikum im Krankenhaus: Das kann ein Knochenjob sein.

Vier mal müssen Medizinstudenten so eine Famulatur absolvieren, davon zwei mal im Krankenhaus, ein mal beim Hausarzt und ein mal in einer anderen stationären Einrichtung, etwa einem anderen niedergelassenen Arzt. Während der Famulaturen können die Studierenden sich einerseits spezialisieren, aber auch neue Gebiete ausprobieren. Und natürlich das lernen, was Studenten im Hörsaal nicht üben können: Den Umgang mit Patienten und Pflegepersonal, Visite machen, Blut abnehmen, Verwaltungsvorgänge kennen Lernen. Damit auch fachlich was hängen bleibt, empfiehlt es sich, nach dem Dienst schon noch einmal ein Medizin-Buch in die Hand zu nehmen.

Zur Not in den OP quengeln

Doch gerade im hektischen Krankenhaus-Betrieb droht der Famulant schnell unterzugehen. Da heißt es dann: auf sich aufmerksam machen, Fragen stellen, sich zur Not auch mal ganz dreist in den OP quengeln. Aber Vorsicht: gerade am Anfang lauern überall kleine Fallen. Die Abläufe, Regeln und Hierarchien sind in jeder Praxis und in jedem Krankenhaus ein bisschen anders. Deshalb empfiehlt es sich, am Anfang erst einmal zuzuschauen, und sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

"Am sterilsten ist immer der Chefarzt"

Friederike Röhrdanz, Medizinstudentin

Und gerade im Operationsbereich gelten besonders strenge Regeln. Thomas, der in Frankfurt studiert, wurde während seiner ersten Famulatur gleich einmal hochkant aus dem OP geworfen. "Weil ich mir die schweißnasse Stirn mit dem Arm abgewischt habe." Und damit war der Student nicht mehr steril. Steril werden, sagt auch Studentin, ist als Famulant manchmal auch eine Frage der Hierarchie: „Als Famulant bist du prinzipiell nicht steril. Der Oberarzt ist sehr steril, und am sterilsten ist immer der Chefarzt."

Organschau während der OP

Was Famulanten nicht dürfen: Diagnosen stellen, selbst operieren, Medikamente verabreichen. Was aber in einer Chirurgie-Famulatur immer geht, ist die Assistenz im OP, sprich: mit Haken Körperöffnungen aufhalten. Das kann einerseits wahnsinnig spannend sein, weil man viel sieht: Organe, Operationstechniken, Krankheiten. Andererseits geht es aber oft an die Grenzen der körperlichen und auch psychischen Belastbarkeit, denn es kann auch mal heißen, fünf Stunden lang in einer Position zu verharren.


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