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Nachgefragt Prof. Dr. Wolfgang Herrmann zum Boom ausländischer Studenten

Campus Magazin hat nachgefragt, was denn der Präsident der TU München, Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, zu den steigenden Studentenzahlen aus dem Ausland sagt. Wenn es nach ihm geht, sollen ausländische Studenten an der TUM Studiengebühren zahlen.

Von: Campus Magazin

Stand: 09.12.2015

Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, Präsident TU München | Bild: Astrid Eckert & Andreas Heddergott/ TU München

Campus Magazin: Wie sehen Sie die Entwicklung an "Ihrer" TU, was die steigende Zahl der ausländischen Studierenden betrifft?

"Insgesamt sehe ich das positiv. Wissenschaft ist international, deutsche Studierende profitieren von unterschiedlichen Sichtweisen. Der ungebrochene Zustrom an unsere Universität, der jetzt schon seit Jahren anhält und weiter wächst, ist natürlich zum einen Zeichen der Anerkennung unserer Ausbildung wie auch unserer Forschung, die wir in die universitäre Lehre integrieren. In allen maßgeblichen Rankings, die die Forschungsleistungen, aber auch die Berufsfähigkeit abbilden, belegt die TUM Spitzenplätze. Andererseits stellt uns das aber auch vor große Herausforderungen."

CM: Was sind dabei die Herausforderungen für eine Universität?

"Die Zahl der Studierenden hat sich an der TUM in 15 Jahren verdoppelt, auf heute knapp 40.000. Unser größtes Problem ist die Verfügbarkeit von Räumen. Bezogen auf ausländische Studierende müssen wir unsere Angebote verändern: nicht nur mehr Lehre, die Services, Veranstaltungen, Angebote für das soziale Leben, das zum Studium gehört, auf sie ausrichten und auch auf Englisch anbieten. Wir müssen auch viel mehr Angebote zum Deutschlernen machen. Wir haben dieses Jahr unser Sprachenzentrum personell verdoppelt  – denn wir wollen, dass die ausländischen Studierenden mit guten Deutschkenntnissen unsere Universität verlassen.

CM: Wie sehen Sie die Zukunft?

"Ein ungebremstes Wachstum können wir so nicht weiter bewältigen. Es wäre auch ungerecht gegenüber den leistungsfähigen Studierenden, deren Ausbildung unter der schieren Masse leiden müsste. Ein restriktiver Kurs bei den Eignungsfeststellungsverfahren ist unausweichlich. Seit längerer Zeit trete ich dafür ein, dass wir als Universität Studierenden aus nicht EU-Ländern ein umfassendes Leistungsangebot anbieten, aus Wohnraum, Sprachkursen, interkulturellem Training, universitärer Ausbildung, und dafür ein marktübliches Entgelt verlangen. Ich trete auch dafür ein, dass der Bund einen Teil, bis zur Hälfte, dieses Entgelts übernimmt und die Studierenden die andere Hälfte. Denn schließlich profitiert Deutschland später von den Absolventen, ob als "Botschafter" in ihren Heimatländern oder als Arbeitnehmer bei uns."


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