ARD-alpha - Campus Magazin


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Elterntag an der Uni Wenn Mama und Papa im Hörsaal sitzen

Die Unis haben eine neue Zielgruppe entdeckt: Eltern. Viele Mütter und Väter wollen ganz genau wissen, was und wo ihr Kind studiert. Praktisch, dass es jetzt an immer mehr Unis Elterntage gibt. Aber Vorsicht vor Helikoptereltern.

Von: Christine Memminger

Stand: 08.12.2015

Auf der Bustour durch Würzburg

Erstes Semester, neue Stadt, neue Wege. Würzburg bietet eine Bustour an, auf der die Teilnehmer die Unistandorte kennenlernen können – aber nicht für Studierende, sondern für deren Eltern. An diesem Tag dürfen die Eltern selbst mal im Hörsaal sitzen, die Fakultäten besichtigen und das Mensaessen kosten. Die kostenlose Tour führt im Bus an den verschiedenen Gebäuden der Uni vorbei und ein Doktorand erklärt, was sich wo befindet. Außerdem können die Eltern generelle Fragen zur Universität und zur Stadt stellen. Dieses Jahr fand der Elterntag an der Uni Würzburg mit so vielen Teilnehmern und Veranstaltungen wie noch nie statt. Immer mehr Eltern wollen wissen, wie das Studienumfeld ihres Kindes aussieht und einige mischen sich ganz aktiv ins Studium ein. Die Unis reagieren und bieten extra Veranstaltungen für Eltern an. Nicht nur in Würzburg, auch in Münster, Hildesheim und anderen Unistädten gibt es Elterntage. Manche Städte bieten auch extra Studienberatung an, bei der sich Eltern über verschiedene Studiengänge informieren und ihr Kind bei der Wahl beraten können.

Von Fürsorge zu Helikopter

Definition: Helikoptereltern

Der Begriff wurde in den 1990er-Jahren durch US-amerikanische Soziologen geprägt. Helikoptereltern kreisen ständig über ihren Kindern, um jederzeit eingreifen zu können - wie Hütehunde, die rastlos ihre Herde umrunden und immer in Alarmbereitschaft sind.

Durch verkürzte Schulzeiten, wie beispielsweise das G8 in Bayern, kommen immer mehr Studierende noch bevor sie volljährig sind an die Uni. Dokumente und Mietvertrag müssen also die Eltern unterschreiben und sind damit automatisch mehr involviert, als früher. Die Grenze verläuft allerdings fließend: Schnell werden fürsorgliche Eltern zu Helikoptereltern. Dann mischen sie sich auch aktiv in die Studienfachwahl ein oder rufen beim Professor an, wenn die Note nicht stimmt. Das baut zusätzlichen Druck auf. Denn eigentlich sollten sich Studierende um so etwas selbst kümmern.

"Das ist ein Phänomen, was es so früher nicht gab und was wir eigentlich an der Uni auch bedauern. Denn Sinn und Zweck eines Studiums ist es nicht zuletzt auch, einen eigenständigen Weg einzuschlagen. Also, dass die jungen Leute selbstständig werden, selbstständig ihr Studium in die Hand nehmen."

Prof. Dr. Barbara Sponholz, Vizepräsidentin Uni Würzburg

Helikoptereltern 2.0

Am Studienfach interessierte Eltern

"Wie kannst du denn jetzt online sein, du solltest doch in der Vorlesung sitzen!" – Solche SMS solltet ihr nicht einfach ignorieren, sondern offen ansprechen, wenn sie ein Problem für euch sind. Gerade durch Internet und Handy bekommen Helikoptereltern inzwischen noch mehr Möglichkeiten, am Leben ihrer Kinder teilzuhaben. Aber auch, sie zu kontrollieren. Was in der Schulzeit mit besorgten WhatsApp-Nachrichten angefangen hat, läuft im Studium einfach weiter. Auch wenn ihre Kinder in eine andere Stadt ziehen, versuchen Helikoptereltern weiterhin, sich einzumischen. Sie schreiben viele Nachrichten und beobachten genau, wann ihr Kind sich auf Facebook anmeldet. Inzwischen gibt es einige Apps für Eltern, die ihnen per GPS den Standort ihres Kindes übermitteln oder es ermöglichen, ihre SMS mitzulesen. In den USA gibt es bereits eine Überwachungsapp für Eltern von Studierenden. Sie meldet mit Hilfe von GPS in Echtzeit, wenn sich das Kind nicht zu Vorlesungsbeginn in der Nähe des Hörsaals befindet.

Verhältnis zwischen Studis und ihren Eltern entscheidend

Die Eltern dürfen auch das Mensa-Esssen probieren.

In Würzburg gibt es den Elterntag bereits seit fünf Jahren. Inzwischen nehmen jährlich über 300 Mütter und Väter teil. Die Stadt sieht das Event als Image-Kampagne für Würzburg als Hochschulstandort. Obwohl die Zahl der Studierenden in Deutschland im Moment so hoch ist wie noch nie, sei Werbung wichtig. „Die Hochschulen stehen trotzdem in einer gewissen Konkurrenz zueinander“, sagt Klaus Walther vom Standortmarketing der Stadt Würzburg. Einen direkten Zusammenhang mit verkürzten Schulzeiten und Absolventen des G8 sehen die Organisatoren vom Stadtmarketing allerdings nicht. Eher beobachten sie, dass sich das Verhältnis zwischen Studierenden und ihren Eltern verbessert hat. Denn die Einladungen wurden zunächst nur an die Studierenden verschickt – diese konnten sie dann an ihre Eltern weiterleiten oder nicht. Außerdem gab es dieses Jahr erstmals einen Tag für Eltern an einigen Fakultäten, den die Studierenden selbst gestalten durften.


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