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Trotz BAföG Muss ich mich fürs Studium verschulden?

Nach der aktuellen BAföG-Reform sollen Studenten mehr in der Tasche haben, wenn sie ein Recht auf die Ausbildungsförderung haben. Ab dem Wintersemester 2016/2017 steigen die Fördersätze um sieben Prozent. Reicht das zum Leben?

Von: Christian Wurzer

Stand: 18.11.2014

Der Förderhöchsatz wird von derzeit 670 auf 735 Euro monatlich angehoben. Das Studentenwerk München geht allerdings davon aus, dass Studierende in München etwa 1000 Euro pro Monat brauchen, um Lebensunterhalt und Studienausgaben zu bestreiten. Das bedeutet, dass trotz BAföG-Förderhöchstsatz die Eltern weiter in die Pflicht genommen werden oder die BAföG-Empfänger nebenher jobben müssen. Künftig dürfen sie bis zu 450 Euro im Monat dazuverdienen.

Bilanz: Das nimmst du ein, das gibst du aus

Laut neuem BAföG-Änderungsgesetz sollen aber auch die Einkommensfreibeträge für Eltern, Studenten und Schüler um sieben Prozent angehoben werden. Damit könnten künftig 110.000 Schüler und Studenten mehr einen Anspruch auf die staatliche Ausbildungsförderung anmelden. Diesen Erfolg verbucht Bundesbildungsministerin Johanna Wanka für sich. Derzeit profitieren rund 300.000 Schüler und 630.000 Studenten von der staatlichen Ausbildungsförderung.

Studentenverbände wie der überparteiliche „freie zusammenschluss von studentInnenschaften“ (fzs) kritisieren den Bundestagsbeschluss. Der Verband fordert den Anspruch auf BAföG-Leistungen vom Einkommen der Eltern, von Alter und Herkunft der Studierenden zu entkoppeln.

Die Säulen der Studienfinanzierung

Neben der Unterstützung durch die Eltern ist BAföG eine der wichtigsten Quellen der Studienfinanzierung. Zwei Drittel aller Studierenden verdienen durch einen Nebenjob dazu. Eine geringere Rolle spielen Studienkredite und Stipendien.

Finanzierung

Grundsätzliches zum BAföG

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz(BAföG) regelt seit 1971 die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten in Deutschland. Ob man Anspruch auf Förderung hat und wie viel, ist individuell verschieden und hängt von mehreren Faktoren ab. Über den Daumen gepeilt, können Studierende mit einer BAföG-Teilförderung rechnen, wenn ihre Eltern vor Steuerabzug und Sozialversicherungskosten etwa 40.000 Euro im Jahr zur Verfügung haben. Liegt der Betrag bei etwa 20.000 Euro im Jahr kann eine BAföG-Vollförderung in Betracht kommen. Allerdings: Wer BAföG bekommt, muss es später wieder zurückzahlen – aber nur die Hälfte des erhaltenen Fördersatzes. Und die Schulden sind gedeckelt: Alles über 10.000 Euro ist geschenkt!

Oliver Leitner, BAföG-Berater beim Studentenwerk München

Weitere Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten auf einen Blick

  • Studienabschlussdarlehen: Bedürftige Studierende, die die Höchstförderdauer für BAföG-Leistungen überschritten haben, können in der Abschlussphase des Studiums beim zuständigen Studentenwerk ein Darlehen beantragen. Sie wenden sich an das zuständige Studentenwerk und die dortige Darlehenskasse.
  • Studienkredite: sind eine Alternative für diejenigen, die weder BAföG bekommen noch von den Eltern ausreichend unterstützt werden oder arbeiten können. Banken bieten unterschiedliche Arten von Studienkrediten an, je nachdem in welcher Phase des Studiums man sich befindet.
  • Private Bildungsfonds: Anders als bei Studienkrediten kann die Höhe der Rückzahlungen flexibel gestaltet werden. Die Höhe der Rückzahlungen richtet sich nach dem Einkommen nach dem Studium.
  • Förderung und Stipendien: Stipendien gibt es viele. Entgegen der verbreiteten Meinung, muss man nicht nur Bestnoten haben. Viele Stipendiengeber legen Wert darauf, dass sich "ihre" Stipendiaten neben dem Studium auch aktiv in die Gesellschaft einbringen. Sie legen Wert auf ehrenamtliches Engagement und Persönlichkeit.

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