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Uni Erlangen-Nürnberg Wie finanziert sich Bayerns zweitgrößte Uni?

Geld ist an der Uni Erlangen-Nürnberg knapp. An einigen Gebäuden bröckelt der Putz von den Wänden, viele Hörsäle versprühen den Charme der 70er Jahre. Campus-Reporter Max Beier will wissen: Wo gibt es hier Geld für den Geist?

Von: Matthias Rex

Stand: 19.11.2014

So eine Uni am Laufen zu halten, kostet einfach viel Geld. Max klopft an die Tür des Präsidenten. Professor Doktor Karl-Dieter Grüske gehört zu den dienstältesten Chefs deutscher Universitäten. Er ist selbst Wirtschaftswissenschaftler und hat in Nürnberg studiert. Campus will von ihm wissen, was es neben der normalen Hochschulfinanzierung denn so für Möglichkeiten gibt, Geld für den Geist zu bekommen. Was hat es mit den so genannten „Drittmitteln“ auf sich?

Was sind Drittmittel?

Als Drittmittel bezeichnet man bei Forschung und Lehre jene Anteile an der Finanzierung von Forschungsvorhaben, die nicht aus dem Etat der Hochschule (Erstmittel) oder vom zuständigen Ministerium (Zweitmittel) stammen. Drittmittel kommen etwa aus der Privatwirtschaft, aber auch aus öffentlichen Forschungsförderungen und Stiftungen.

Drittmittel in der Diskussion


In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Drittmittel an der Hochschulfinanzierung gewachsen. 2010 waren es insgesamt 6 Milliarden Euro. Hochschulen nehmen private Gelder für die Finanzierung von Forschungsprojekten aber auch für die Ausbildung ihrer Nachwuchsakademiker an. Das wirft die Frage auf, wie viel Einfluss sich die Geldgeber damit auf die Inhalte der Forschung und Lehre sichern? Studentenvertreter etwa sehen das mit Sorge: So hat der "Freie Zusammenschluss der StudentInnnenschaften" (fzs) zusammen mit der taz das Online-Portal "hochschulwatch.de" veröffentlicht. Auf der Internetseite sollen möglichst alle Kooperationspartner der fast 400 deutschen Hochschulen mit Unternehmen öffentlich gemacht werden, damit man sehen kann, wer die Geldgeber sind. Warum Drittmittel überhaupt so bedeutend werden konnten, liegt einigen Hochschulakteuren zufolge daran, dass die Grundmittelausstattung der Hochschulen nicht mit den stetig steigenden Studierendenzahlen Schritt gehalten hat.

Drittmittel scheint für Wirtschafts- und Materialwissenschaftler ein guter Weg zu sein, Geld für Forschung und Lehre zu kassieren. Aber Drittmittel für Geisteswissenschaftler? Da sind die Fördertöpfe wohl deutlich kleiner. Geld jenseits der üblichen Hochschulfinanzierung fließt wohl nur dann, wenn die Industrie und die Wirtschaft ein Interesse haben, dass für sie geforscht wird und die Mitarbeiter der Zukunft ausgebildet werden. Adidas ist so ein Beispiel.

Stiftungsprofessur

Max besucht Björn Eskofier. Der Juniorprofessor gehört zu den führenden Experten für Mustererkennnung im Bereich Sportinformatik. Das Forschungsgebiet ist wichtig, um zum Beispiel Turnschuhe zu entwickeln, die per Chip erkennen, wie sich ein Sportler bewegt. Technologie für die Turnschuhe der übernächsten Generation, bei denen Computer das Training optimieren. Max wundert sich nicht, dass Adidas die Professur von Björn Eskofier bezahlt. Adidas sitzt nur einige Autobahnkilometer vom Lehrstuhl entfernt. Max fühlt dem Juniorprofessor auf den Zahn: Forscht er nur für Adidas? Und warum nicht gleich im Unternehmen, sondern an der Uni? Wie läuft das mit einer Stiftungsprofessur? Was hat die Uni davon? Geld für Geisteswissenschaftler jedenfalls nicht.

Stiftungsprofessuren

Auch eine Stiftungsprofessor gehört zu den Drittmitteln. Sie wird nicht oder nicht ausschließlich aus dem Grundhaushalt der Hochschule bezahlt, sondern ganz oder teilweise von Drittmittelgebern finanziert. Stiftungsprofessuren werden beispielsweise von Stiftungen, von Unternehmen oder Vereinen gestiftet. Oft sind diese Professuren zeitlich begrenzt. Laut Stifterverband für die deutsche Wissenschaft gibt es derzeit rund 1000 Stiftungsprofessuren in Deutschland.

Stiftungsprofessuren kennt Max aus Amerika. Professor Eskofier erzählt, dass in den USA die Lehre völlig anders finanziert wird. Die Industrie kauft Forschung ein. Das macht mittlerweile auch in Deutschland Schule. Google finanziert an der Berliner Humboldt-Uni ein Forschungsinstitut. Die Wissenschaftler sollen dort erforschen, wie das Internet und die Gesellschaft einander beeinflussen. Doch in Deutschland gibt es noch mehr Gönner, erzählt Prof. Eskofier und schickt Max zur Staedtler Stiftung.

Gemeinnützige Stiftungen

Gemeinnützige Stiftungen sind eine feste Größe in Forschung und Lehre. Die Staedtler Stiftung etwa unterstützt großzügig Doktoranden und Forschungsprojekte. Max fragt nach: Wer entscheidet, wer das Geld bekommt und wie viel? Warum macht die Staedtler Stiftung das? Spart sich die Stiftung nur Steuern? Was steckt sonst hinter dem großzügigen Engagement?

"Der STAEDTLER Stiftung liegt die Förderung neuer Ideen und die Bewahrung von Wissen am Herzen. Denn Bildung, Wissen und Innovationskraft sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 unterstützt die STAEDTLER Stiftung, die der Gemeinnützigkeit verpflichtet ist, wissenschaftliche Forschung an inländischen Universitäten. Dabei stehen insbesondere die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg) im Fokus ihres Engagements."

(Quelle: www.staedtler.de)

Preisgelder

Prof. Dr. Peter Wasserscheid

Dann lernt Max einen Wissenschaftler kennen, der sich seine Forschungsgelder selber verdient hat. Professor Peter Wasserscheid vom Lehrstuhl für chemische Reaktionstechnik hat den Leibnizpreis bekommen. Die höchste Auszeichnung für Wissenschaftler in Deutschland! Höher dotiert als der Nobelpreis. Mit dem Geld hat Wasserscheid Stellen an der Uni Erlangen-Nürnberg geschaffen und Labore ausgestattet. Max will wissen, ob der Professor eine Dividende dafür bekommt. Und was passiert mit dem Geld, wenn er die Uni wechselt? Und werden die Leute entlassen, wenn das Geld zur Neige geht? Fragen über Fragen. Professor Wasserscheid gibt bereitwillig Antwort und auch einen Tipp: Max solle doch mal gucken, wo es "Spin-offs" gibt und wie die funktionieren.

Leibniz-Preis

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ist der höchstdotierte deutsche Forschungsförderpreis. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Der Preis ist „für experimentell und mit apparativem Aufwand“ arbeitende Wissenschaftler mit 1,55 Millionen Euro dotiert. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt. Die Entscheidung über die Preisträger trifft der Bewilligungsausschuss für die Allgemeine Forschungsförderung aufgrund einer Empfehlung des Nominierungsausschusses für das Leibniz-Programm.

Ausgründungen

Um die wohl bekannteste Ausgründung der FAU zu besuchen fährt Max nach Nürnberg. Er steht vor der GfK. Der Gesellschaft für Konsumforschung. Die GfK ist das größte Marktforschungsinstitut Deutschlands. Die fast 13.000 Mitarbeiter messen beispielsweise die Einschaltquoten. Hinter der GfK steht der GfK-Verein. Viele große Unternehmen sind in diesem Verein Mitglieder.

Gegründet haben die GfK Nürnberger Wirtschaftsprofessoren, darunter Ludwig Erhard. Das war 1935. Und jetzt, gute 80 Jahre später? Fließt da Geld zurück in die Kassen der fränkischen Hochschullandschaft? Immerhin setzt die GfK rund anderthalb Milliarden Euro pro Jahr um. Max fragt nach. Ein bisschen Geld fließt. Die GfK ist z.B. die Namenspatronin für einen Hörsaal an der WISO, der Fakultät für Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Erlangen-Nürnberg.

Gesellschaft für Konsumforschung

Der GfK-Verein ist eine 1934 gegründete Non-Profit-Organisation zur Förderung der Marktforschung. Er setzt sich aus rund 600 Unternehmen und Einzelpersonen zusammen. Zweck des Vereins ist es, innovative Forschungsmethoden in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen zu entwickeln und die Aus- und Weiterbildung von Marktforschern zu fördern. Die für den privaten Konsum grundlegenden Strukturen und Entwicklungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik werden verfolgt und deren Auswirkungen auf die Verbraucher erforscht. Die Studienergebnisse werden den Mitgliedern des Vereins kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hörsaal-Sponsoring

Auch an der Hochschule Würzburg gibt es Hörsaalsponsoring

Die WiSo in Nürnberg. Hier an der Wirtschaft-Fakultät der FAU hat einst Ludwig Erhard studiert. Während Max in Erlangen noch vor baufälligen Gebäuden stand, ist die WiSo neu und schick. Glasfassade. Offene Bauweise. Ein moderner Hörsaal. Und dieser Hörsaal trägt den Namen „Easy Credit“, daneben liegt der Hörsaal „GfK – Gesellschaft für Konsumforschung“. Die beiden Unternehmen haben ihren Hauptsitz nur wenige Kilometer entfernt. Glück für die Wirtschaftsstudenten. Gibt es Hörsaal-Sponsering auch an geisteswissenchaftlichen Fakultäten? Bei den Theaterwissenschaftlern haben die Hörsäle Nummern und heißen 117 Gr.HS. und A.401. Geisteswissenschaftler sind wohl für Marktforscher und Geldinstitute weniger interessant als die angehenden Wirtschaftsexperten, mutmaßt Campus-Reporter Max.


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