ARD-alpha - Campus Magazin


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Augmented Reality Technik wie bei Terminator

Apps, die uns fremdsprachige Bücher in Echtzeit übersetzen, medizinische Fachliteratur, aus der sich 3-D-Modelle eines Skeletts entfalten oder Brillen, die uns in der Bib automatisch zum richtigen Regal lotsen. Fantasy? Nein, Augmented Reality könnte bald auch die Zukunft des Studierens verändern. Campus Magazin hat einige dieser neuen Apps ausprobiert.

Von: Christoph Wittmann

Stand: 04.05.2017

Augmented Reality Apps ­- Eintauchen in die erweiterte Realität

Augmented Reality - das bedeutet so viel wie „Erweiterte Wirklichkeit“. Dabei richtet der Nutzer die Kamera des Handys oder eine spezielle Brille auf ein bestimmtes Objekt oder eine Person und erhält umgehend Informationen dazu. AR-Apps bieten dem Benutzer ergänzende Informationen zu Produkten oder seinem Standort. Die erweiterte Realität reicht von einfachen Texteinblendungen über Video und Sound bis hin zu animierten Inhalten in 3D. Bringen die Augmented Reality-Apps auch Vorteile in der Vorlesung? Unsere Moderatorin Sabine Pusch macht den Selbstversuch an der Technischen Universität München.

Augmented Reality - Definition

Augmented Reality (AR), also erweiterte Realität, stellt eine Technologie zur intelligenten Erweiterung der menschlichen Realitätswahrnehmung durch die Überlagerung mit visuellen, auditiven und haptischen Informationen dar. Das bedeutet, über eine AR-Brille oder mobile Endgeräte (Smartphone, Tablet) erhalten die Nutzer zusätzliche Informationen zu ihrer unmittelbaren Umgebung. Im Gegensatz zur virtuellen Realität, in der man vollständig in eine „künstliche“ Welt eintaucht, spielt bei AR der reale Raum eine wichtige Rolle. Aktuelle Entwicklungen konzentrieren sich vor allem auf das Sehen (3D-Optik) und Hören (Dolby-Surround), etwas weniger auf den Tastsinn und so gut wie gar nicht auf Schmecken und Riechen.

Augmented Reality - Anwendungen

Technik, die bisher nur in Hollywood-Science-Fiction existierte und die man neidvoll nur bei Robocop, Iron Man oder Terminator bewundern konnte, wird Schritt für Schritt auch Einzug in unseren Alltag halten. Schon jetzt gibt es interessante Anwendungsbereiche:

  • Serious Games: Anwendungen sollen spielerisch motivieren oder Kompetenzen erweitern. Im Gameslab der TU München haben junge Informatiker z.B. einen japanischen Vokabeltrainer fürs Tablet entwickelt. Einem anderen Forschungsteam geht es mit einem Katzenfütter-Spiel darum, Pflegepersonal schon in der Ausbildung dafür zu sensibilisieren, wie die Übertragung von Keimen vermieden werden kann.
  • Information: AR liefert zusätzliche Informationen zu der unmittelbaren Umgebung, sei es die Übersetzung einer fremdsprachigen Speisekarte im Urlaub oder die Geschichte eines Gebäudes:
  • Unterhaltung: Spiele und Bücher erwachen zu dreidimensionalem Leben.
  • Simulation: Ob Flugsimulator, Architektur-Modell oder die neue Einrichtung des WG-Zimmers: AR-Apps bieten schon jetzt diverse Möglichkeiten, sich die Zukunft besser vorstellen zu können.

Augmented Reality - Technik

Entweder funktioniert die AR-Anwendung durch Formen- bzw. Mustererkennung. In diesem Fall reicht meist die Kamera eines Smartphones oder Tablet. In anderen Fällen wird ein konkreter Raum vollständig durch Kameras ausgemessen und virtuell nachgebaut. Augmented Reality kann dann nur im Rahmen dieser begrenzten Koordinaten genutzt werden. Oder es kommen direkt so genannte Trackingsystem zum Einsatz, die in Echtzeit den Raum und sich bewegende Objekte verfolgen und berechnen können. Mit dieser Technik arbeiten auch neuere AR-Brillen.

Augmented Reality - Folgen für den Menschen

Schon das Smartphone zeigt, wie sehr die Technik Einfluss auf unser psychisches und soziales Verhalten, aber auch auf unsere Physiognomie nimmt. Mittlerweile sind die Wartezimmer der Orthopäden voll, weil sich immer mehr Menschen wegen Smartphone-verursachten Nackenschmerzen und Fehlstellungen behandeln lassen. Bei der Einführung der AR-Brille Google Glass wurden Menschen mit eigenartigen Ticks beobachtet, weil die Brille durch ein kurzes Kopfzucken eingeschaltet  werden konnte. Und auch nach der Erfindung der Navigationssysteme hat eine Studie mit Londoner Taxifahrern gezeigt, dass der neue technische Support zu einer Veränderung des Hirnareals geführt hat, das für die Orientierung zuständig ist. Macht uns die erweiterte Technik vielleicht sogar dümmer, werden wir davon abhängig, unfähig, unsere Umgebung ohne virtuelle Hilfe zu erfassen? Oder wird gerade diese Technik unser Bewusstsein und unser Wissen über unsere Welt auf ein neues Level heben. Auch daran forschen Wissenschaftler. Ergebnisse wird allerdings vor allem die Praxis liefern.


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