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Ariel Yaniv Ein israelischer Student in München

Ariel Yaniv aus Israel studiert an der TU München Maschinenbau. Bis vor 15 Jahren war in Israel ein Studium in Deutschland wegen dessen Nazi-Vergangenheit ein absolutes Tabu. „Made in Germany“ ist in Israel heute hipp. Warum?

Von: Andrea Roth

Stand: 03.11.2015

Ariel Yaniv kommt aus der Nähe von Tel Aviv in Israel. Doch seit sechs Jahren studiert er hier in München, an der Technischen Universität, Maschinenbau. Der Grund: Das Studium in Israel ist mit rund 2.500 Dollar Studiengebühren pro Semester teuer, dazu kommen Aufnahmeprüfungen, die man in Deutschland nicht machen muss.

Ariel Yaniv, Student aus Israel

Aber es ist nicht nur das: War in Israel vor 15 Jahren ein Studium in Deutschland wegen der Holocaust-Vergangenheit ein No-Go, so ist „Made in Germany“ heute hipp – auch in Israel. Rund 12.000 Israelis leben heute in Deutschland, viele davon in Berlin, wo sich längst sogar Communitys mit eigenen Zeitungen und Online-Adressen gebildet haben.

Israelische Studenten in München sind selten, doch die, die hier leben, lieben die Stadt. Ariel Yaniv schätzt die Mentalität der Menschen. „Hier ist alles nicht so stressig wie in Israel, die Menschen sind höflicher und alles ist etwas langsamer“, sagt der 30-Jährige, der kurz vor seinem Master-Abschluss steht.

Ariel Yaniv während seines Dienstes bei der Armee

Warum er so spät mit seinem Studium begonnen hat? „Israelische Studenten fangen später als deutsche an zu studieren, sie machen erst drei Jahre Wehrdienst (Frauen zwei Jahre), dann müssen sie sich auf die Aufnahmeprüfungen vorbereiten und sind dann 24, 25 Jahre alt zu Studienbeginn.“ Ja, er habe sich anfangs schon sehr alt gefühlt an der Uni.

Und weil man älter ist als israelischer Student, arbeiten die meisten auch schon neben dem Studium. So wie Ariel, der nebenbei für eine kleine Firma Dampfmotoren zeichnet.

Communities sind wichtig für ausländische Studenten, um sich in der „neuen Heimat“ Deutschland einzuleben. Ariel ist sogar im Vorstand des „Verbandes der jüdischen Studenten Bayern“ und organisiert für jüdische Studenten Partys, zum Beispiel die Party zum kommenden Chanukka, dem jüdischen Lichterfest.

FAKTEN

  • 12.000 Israelis lebten 2014 in Deutschland
  • Jeder zehnte Israeli, der im Ausland studieren will, geht nach Deutschland
  • 169 deutsche und israelische Universitäten kooperieren über alle wissenschaftlichen Disziplinen hinweg miteinander

Organisationen jüdischer Studierender in Deutschland

Informationen zu Israel:


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