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Abitur Streit um prüfungsrelevante Abi-Fächer

Fünf Abifächer, davon auch noch Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache Pflicht. Muss das sein? Nein sagt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband und beginnt eine neue Diskussion um die verpflichtende Abiturprüfung.

Von: Jonathan Schulenburg

Stand: 06.05.2015

Nur noch vier statt fünf Prüfungsfächer im Abi?

In Bayern muss jeder Schüler sein schriftliches Abitur in Mathe und Deutsch machen. Und dazu noch in drei weiteren Fächern. Jetzt fordert der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) eine Änderung: weniger Prüfungen, mehr Zeit zum Lernen. Er schlägt vor, die Hauptfachpflicht beim Abitur zu kippen.

"Es wird zu viel auswendig gelernt, viel geprüft, viel benotet und viel vergessen. Wir hätten gerne, dass wir uns aus dieser Kette befreien, Die Schüler verlassen dann die Schule mit einer Vielzahl an hohen Kompetenzen, dazu bräuchten wir kein fünftes Abiturfach, wohl aber sehr intensive Fördermöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler in den ersten Schuljahren"

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV)

Seine Vorschläge für die Zukunft: Vier statt fünf Prüfungen und die Schüler sollen aus Deutsch, Mathe und einer Fremdsprache zwei Fächer wählen, in denen sie schriftlich geprüft werden wollen.

Gegenwind vom Bayerischen Philologenverband

Der Bayerische Philologenverband sieht die Gefahr, dass das Abitur dann keine allgemeine Hochschulreife mehr ist. Sein Vorsitzender Max Schmidt hat Bedenken, er möchte, dass eine allgemeine Hochschulreife ein breites Allgemeinwissen darstellt. Seiner Meinung nach braucht es dazu die Fächer Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache als verbindliche Abiturfächer.

Die Pflicht gibt es seit 2011. Hat sie überhaupt etwas gebracht?

"Die fünf Abifächer haben auf der einen Seite eine breitere Allgemeinbildung gebracht, aber wir bezahlen dafür, dass die Spezialisierung entlang der Schwerpunkte, die man selber machen möchte, nicht mehr so möglich ist"

Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands (bpv)

Umfrage an der TU München unter Studienanfängern

Das war das Ergebnis: Heutige Studienanfänger haben deutlich mehr Schwierigkeiten als vorher. An der TU München hat der Dekan der Mathe-Fakultät, Professor Gero Friesecke, reagiert. Die ersten beiden Semester des Bachelorstudiengangs Mathematik wurden entrümpelt.

"Wir haben dann nach und nach gemerkt, dass die G8-Schüler Schwierigkeiten haben mitzukommen. Der Einstieg war zu schwer. Dann haben wir gesagt, das geht nicht, wir müssen jetzt was machen. Bei der Abiturprüfungspflicht gäbe es für beide Seiten Argumente, aber wir können gut damit leben, wenn Mathe nicht mehr Pflichtprüfung ist oder wenn es im letzten Schuljahr abgewählt werden kann."

Professor Gero Friesecke, Dekan der Fakultät für Mathematik an der TU München

Die TU München setzt in Mathe nur noch G8-Lernstoff voraus. Die Dozenten haben alles auf den Prüfstand gestellt. Damit wollen sie den Studierenden den Übergang erleichtern. Der Stoff der ersten zwei Semester konzentriert sich noch einmal auf die mathematischen Grundlagen. Die Erstsemester lernen in kleinen Lerngruppen. Von den Studentinnen und Studenten wird das gut angenommen.

Neues Konzept für Gymnasien in Planung

Im Bayerischen Kultusministerium wird derzeit an einem neuen Konzept fürs Gymnasium gearbeitet. Die Kernfrage lautet: Wie soll das Gymnasium der Zukunft aussehen? Die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen.


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