ARD-alpha - Campus Magazin


5

Abischerze Heute gehört die Schule uns!

In diesen Tagen erhalten viele Schüler in Deutschland ihr Abitur - damit verbunden ist an einigen Schulen der Abischerz. Aber wie weit dürfen die Schüler dabei gehen? Was ist erlaubt, was schon verboten? Wir haben uns umgehört.

Von: Gerhard Brack

Stand: 26.06.2015

Abischerz | Bild: -d-e-r-t-e-s-t-e-r- / CC BY-SA 3.0

Fast jeder Lehrer kann wunderbar von Abistreichen erzählen, so wie zum Beispiel Henning Gießen aus München. Inzwischen arbeitet er am bayerischen Kultusministerium.

"Ein sehr schöner Abischerz, von dem ich gehört habe, dreht sich darum, dass der Schulleiter offenbar mehrfach kritisiert hat, dass die Abiturienten leere Pizzakartons herumliegen lassen. Und deswegen wurde beim Abischerz das Büro des Schulleiters mit leeren Pizzakartons zugebaut. Der Schulleiter hat sich damit revanchiert, dass er den Schülern das Abitur in einem Pizzakarton überreicht hat."

Henning Gießen, bayerisches Kultusministerium

Oder dieser Streich: Da haben Schüler über Nacht das ganze Lehrerzimmer ausgeräumt, alle Möbel rausgetragen und Stück für Stück akkurat nach der Sitzordnung wieder in der Aula aufgebaut. An einer Schule haben die Abiturienten ein Singspiel wie beim Nockherberg organisiert. Einzelne imitierten Lehrer dabei, dazu noch eine intelligente Abschiedsrede, sowas bleibt in Erinnerung.

Wenn es allerdings Schäden gibt, dann muss irgendjemand dafür bezahlen und das kann unerfreulich werden, weiß Fritz Schäffer vom Christoph-Scheiner-Gymnasium in Ingolstadt.

"Ich habe schon gehört, dass Kautionen hinterlegt werden - im vierstelligen Bereich sogar, um mögliche Schäden daraus zu decken. Die Schüler sind dann selbst in der finanziellen Verantwortung."

Fritz Schäffer, Christoph-Scheiner-Gymnasium Ingolstadt

Immer stärker werden Abistreiche reglementiert. Damit kein Untericht unerwartet ausfällt, werden die Abischerze an fast allen Schulen inzwischen angemeldet. Denn rechtlich haben die Schüler keinen Anspruch auf einen Abischerz. Auf dem Schulgelände und während der Schulzeit gilt das Schulrecht.

"Da wäre zum Beispiel zu nennen, dass die Schüler alles zu unterlassen haben, was den Schulbetrieb und die Ordnung der Schule stören könnte."

Henning Gießen, bayerisches Kultusministerium

Andererseits ist der Abischerz an vielen Schulen quasi Gewohnheitsrecht. Wie im Fasching soll die bestehende Ordung auf den Kopf gestellt werden. Nicht alle Verbote lassen sich dabei einhalten, sagt der Lehrer Richard Berndt vom Münchner Ludwigsgymnasium.

"Alkohol ist auf dem Schulgelände natürlich verboten - das durchzusetzen ist quasi ein Ding der Unmöglichkeit."

Richard Berndt, Münchner Ludwigsgymnasium.

Klare Grenzen gibt es aber bei Beleidigung, Sachbeschädigung und Vandalismus. Oft  finden allerdings statt eines echten Abi-Streichs nur  laue Spielchen zwischen Lehrern und Schülern statt: Eier-Wettlauf, Spritzpistolen, Karaoke, Sackhüpfen. Die Folge: an vielen Schulen schauen von 1000 Schülern schauen nur noch 200 zu - meint Armin Vollert vom Anne-Frank-Gymnasium Erding:

"Ich denke mir immer, das ist wie auf einer Hochzeit: Da muss sich das Brautpaar auch zum Deppen machen. So müssen sich beim Abischerz die Lehrer zum Deppen machen, das gehört dann schon zum Job."

Armin Vollert, Anne-Frank-Gymnasium Erding

Allerdings sind viele Abiturienten sind nach den Prüfungen einfach ausgelaugt und haben keine Lust mehr, noch viel zu organisieren. Und so werden aufwändige Streiche, wie sie Armin Vollert erlebt hat, immer seltener.


5