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"Wedding Cake" von Viola Baier Ein Paar aus Marzipan und die Liebe

Viola Baier kommt aus der Zeichentrickbranche. Mit ihrem Abschlussfilm "Wedding Cake" an der Filmakademie Baden-Württemberg wagt sie sich an ein neues, unbekanntes Ufer. Sie erschafft in 3-D eine ganz eigene Welt aus Marzipan, die nicht weit vom echten Leben entfernt ist: Ein Animationsfilm über die Ups and Downs der Liebe.

Stand: 23.03.2016

"Wedding Cake" erzählt die Geschichte eines Pärchens aus Marzipan, das auf der Spitze einer Hochzeitstorte lebt und sich dort ein Zuhause erschafft. Der Film beginnt mit der Hochzeit und begleitet das frisch verheiratete Paar auf seinem Weg ins gemeinsame Leben: Sie beginnen, sich ihr perfektes Eheleben aus dem Kuchenteig aufzubauen. Als jedoch Meinungsverschiedenheiten auftreten, bekommt ihr zuckersüßes Leben einen bitteren Beigeschmack. Und als die Verliebtheit vergeht, kommen alltägliche Streitigkeiten auf: Der Ehemann sitzt nur noch vor dem Fernseher und schaut Fußball, die Ehefrau nörgelt ständig rum und ist eigentlich nie zufrieden. Die rosarote Brille ist weg und der Alltag kommt mit all seinen Tücken. Zunächst finden sie noch Kompromisse, doch je bedeutungsloser ihre Auseinandersetzungen werden, desto weniger kommen sie einander entgegen, bis am Ende keiner der beiden mehr nachgeben will.

"Wedding Cake" ist ein Animationsfilm, der mit einem zwinkernden Auge zeigt, wie sich Alltagsroutine, mangelnde Bemühung und schwindendes Interesse am Partner auf eine Beziehung auswirken können. Der Diplomfilm von Viola Baier wurde mehrfach ausgezeichnet u.a. 2014 bei der Preisverleihung der Annie Awards in Los Angeles. Der Annie Award ist ein Filmpreis, der seit 1992 jährlich von der Association internationale du film d'animation (ASIFA) für besondere Leistungen im Bereich des Animationsfilms vergeben wird. Bekannte Animationsfilme wie "König der Löwen", "Toy Story" und "Ratatouille" konnten die begehrte Trophäe bereits erringen. Es existieren verschiedene Kategorien – unter anderem die Rubrik "Bester Nachwuchsfilm", den Viola Baier 2014 mit ihrer Abschlussarbeit "Wedding Cake" an der Filmakademie Baden-Württemberg gewonnen hat. Der am Institut für Animation, Visual Effects und digitale Postproduction der Filmakademie Baden-Württemberg entstandene Film setzte sich in der Studentenkategorie gegen sieben weitere internationale Produktionen auf der Shortlist durch.

Wie aus Marzipan und einer Skizze ein Animationsfilm wird

Viola Baier hat für den Film viel recherchiert und ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema Liebe einfließen lassen. Sie wollte wissen, wie aus Liebe irgendwann Gleichgültigkeit oder sogar Hass werden kann. Ihre Ergebnisse – die drei Phasen einer scheiternden Beziehung – hat sie in "Wedding Cake" verarbeitet. Die erste Phase ist die Verliebtheit: nichts ist einem wichtiger, als den Partner glücklich zu machen. Dann folgt die Erkenntnis, dass der andere durchaus mal anderer Meinung ist und Kompromisse müssen gefunden werden. Irgendwann gibt es keine Lösung mehr, Spannung staut sich auf, Kleinigkeiten eskalieren. Viola's Marzipanfiguren durchleben diese Phasen und am Ende ihrer Beziehung bleibt nur noch ein Trümmerfeld. Viola erzählt die Geschichte mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dabei ist ihr der ernste Hintergrund besonders wichtig. Und sie hat eine Botschaft: dass man in einer Beziehung nie aufhören sollte, einander wertzuschätzen.

Für Viola stellte der Film vor allem technisch eine Herausforderung dar. "Wedding Cake" ist ihr erster Animationsfilm, davor hatte sie nur mit Zeichentrick und zweidimensional gearbeitet. Sie hat die Figuren selbst auf Papier entworfen und erst nach etlichen Fehlversuchen konnte Viola ihre Charaktere dann zum Leben erwecken. Vor allem das Zusammenspiel von Augen und Augenbrauen sollte echt wirken, denn dadurch kann ein Charakter am klarsten seine Gefühle ausdrücken. Deswegen sollte ein guter Animateur auch immer ein guter Beobachter sein, um genau dieses Zusammenspiel umsetzen zu können. Für ihr Marzipanpärchen hat Viola zwei Schauspieler die einzelnen Szenen vorspielen lassen und sich an deren Mimik und Gestik orientiert. Nach zweieinhalb Jahren Arbeit und mit der Hilfe  von einem 50-köpfigem Team stand ihr achteinhalb Minuten langer Abschlussfilm.

Die Mühe hat sich gelohnt, Viola hat zahlreiche wichtige Preise gewonnen, wie beispielsweise den Annie Award für den besten Studentenfilm.

Making Of "Wedding Cake"

Über Viola Baier

Viola Baier wurde am 23. März 1985 in Radolfzell geboren. Sie hatte schon immer eine Leidenschaft für Animationsfilme und beschloss früh, später einmal in diesem Bereich zu arbeiten. Nach der Schule hat sie dann angefangen, als freiberufliche Grafikerin zu arbeiten. Im Jahr 2006 entschloss sie sich, an der Filmakadamie Baden-Württemberg in Ludwigsburg zu studieren. Ein Jahr ihres Studiums hat sie an der Gobelins L’école de l’image in Paris verbracht. Danach zog es sie für ein Praktikum nach London. 2013 schloss sie ihre Ausbildung an der Filmakademie Baden-Württemberg ab. Sie arbeitet zurzeit in London an einem neuen Animationsfilm – nach dem sie schon bei den "Minions" beteiligt war.

Kooperation der Filmakademie Baden-Württemberg mit GOBELINS L’ecole de l’image in Paris

Die Filmakademie Baden-Württemberg steht in Austausch mit einigen der bedeutendsten internationalen Filmakademien und ermöglicht es so ihren Studenten, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Dazu gehört auch die Gobelins l’école de l’image in Paris. Im Bereich Animation ist die Gobelins weltweit die Nummer eins. Die Filmschule bietet einen Studiengang im Bereich Animation an sowie einen in 3D-Animation. Als Weiterführung dazu gibt es die Möglichkeit, einen Master in Animation oder in Charakter Animation zu machen. Außerdem bietet die Gobelins eine internationale Sommerschule an, die sich rund um das Thema Animation dreht. Besonders an der Gobelins ist die technische Ausstattung auf sehr hohem Niveau und die enge Zusammenarbeit mit wichtigen Animationsstudios in der ganzen Welt.

Wedding Cake – Auszeichnungen und Preise

  • Rio de Janeiro, Anim!Arte International Student Animation Festival of Brazil, 2015: First Place Category International Students - Maxi
  • Panama City, Hayah Festival Inervacional de Cortometrajes, 2015: Best Animated Short Film
  • Ballston Spa, Ballston Spa Film Festival, 2015: Best Screenplay
  • Madrid, Festival Alhama Ciudad de Cine, 2015: Best Animated Short Film
  • Köln , .mov Kurzfilmfest für SchülerInnen Museum Ludwig, 2015: Bester Kurzfilm
  • Johnson City, Blue Plum Animation Festival, 2015: Best of Independent Award
  • Rio de Janeiro, Anim!Arte-International Student Animation Festival of Brazil, 2014: 1st Place Official Jury & Best Film Europe
  • Cusco, Festival Internacional de Cortometrajes FENACO, 2014: Winner Film
  • Garbisdorf, Quellinale Das Kurzfilmfest, 2014: Gewinnerfilm
  • Bergamo, Food Film Fest, 2014: Winner Film
  • Bukarest, ANONIMUL International Independent Film Festival, 2014: Best Animation Award
  • Sao Paolo, Anima Mundi, 2014: Audience Award Best Student Film:
  • Ariano Irpino, Ariano International Film Festival, 2014: First Prize
  • Rio de Janeiro, Anima Mundi, 2014: Audience Awards Best Student Film & Best Short Film
  • Lenzing, Festival der Nationen, 2014: Award in Gold
  • Tallinn, The Unprecedented Cinema International Festival of Short Films, 2014: Best Computer Animation
  • Ilmenau, Film Leben Festival, 2014: Publikumspreis
  • Las Palmas de Gran Canaria, Animayo, 2014: Best 3D/CGI Short Film
  • Cergy-Pontoise, Festival International du Court-métrage Étudiant de Cergy-Pontoise, 2014: Prix d'Animation Image par Image
  • Los Angeles, Annie Awards, 2014: Best Student Film
  • Ilmenau, Ilmenauer Medienpreis, 2014: Best Short Film
  • Hongkong, SIGGRAPH ASIA, 2013: Best Student Project
  • Palma de Mallorca, Premi Ciutat de Palma d'Animació Independent, 2013: Best Independent Animation Short


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