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"Unter Nachbarn" von Katharina Bischof Beziehungen am Abgrund

HFF-Studentin Katharina Bischof hat ihr Publikum gut im Griff. Denn erst denkt man: Klar, in dem Kurzfilm "Unter Nachbarn" geht es um problematische Liebe und um Beziehungen und Nachbarschaftshilfe. Doch da nimmt die Handlung eine unerwartete Wendung.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 09.08.2017

Szene aus dem Kurzfilm "Unter Nachbarn" von Katharina Bischof | Bild: Katharina Bischof

Es ist mitten in der Nacht, als Miriam (Kristina Pauls) plötzlich aufwacht: Wenige Etagen über ihr eskaliert ein Ehestreit. Man hört Schreie, dann herrscht Stille. Als Miriam die übel zugerichtete Nachbarin (Nicole Marischka) weinend im Treppenhaus sitzend vorfindet, reagiert sie sofort. Sie bittet die Nachbarin in ihre Wohnung, will ihr helfen. Auch Miriams Freund (Robin Sondermann) gesellt sich zu den beiden Frauen. Er macht erst nichts, dann Tee und schließlich einen schlechten Witz. Mit diesen kleinen Gesten bewirkt er bei der verstockten Fremden mehr, als Miriams gut gemeinter Aktionismus. Denn die steigert sich immer mehr in ihre Retterfunktion hinein – und muss sich am Ende einer bitteren Erkenntnis stellen.

Intensive Momente dank reduzierter Herangehensweise

HFF-Studentin Katharina Bischof

Manchmal ist der reduzierte Blickwinkel der intensivste. Diese Lektion hat Katharina Bischof gelernt, als sie ihren ersten Kurzfilm an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film erstellt hat. Ihr Film "Unter Nachbarn" spielt auf engstem Raum in einer Wohnung irgendwo in München. Ein Großteil der Handlung findet in der Küche statt, in der die Handlung auch auf ihren Höhepunkt zusteuert. Doch am Ende sind es die Szenen, die ohne Worte und große Gesten auskommen, die den größten Eindruck hinterlassen.

Damit solche Szenen funktionieren, müssen mehrere Faktoren erfüllt sein: Die Charaktere müssen gut durchdacht sein, die Schauspieler müssen sich in ihre Rolle hineinfinden, Kamera und Licht müssen die Stimmung unterstreichen. All das hat Bischof gekonnt gelöst, indem sie schon im Vorfeld mit ihrer Co-Autorin Britta Schwem viel Arbeit in das Drehbuch gesteckt hat und mit ihrem Kameramann Jakob Wiessner eine zurückhaltende, aber effektive Bildsprache entwickelt hat.

Am Set wurde dann viel Zeit in die Zusammenarbeit mit den Darstellern investiert, wie uns die Regiestudentin im Interview erzählt hat. Vor Ort wurden ihr zudem die logistischen Herausforderungen eines eng bemessenen Sets noch einmal deutlich vor Augen geführt. Umso mehr freute es Bischof, dass ihr kleines Team über sich hinauswuchs und beispielsweise ihre Produzentinnen Jana Kreutzer und Maia Bäckmann bei allen möglichen Arbeiten während dem Dreh behilflich waren. Alles nicht so einfach also. Aber ihr Konzept ist aufgegangen. Das merkt man schon allein daran, dass "Unter Nachbarn" auch nach der Schlussszene im Kopfkino weiterläuft.

Über Katharina Bischof

Katharina Bischof wurde 1985 in München geboren. Nach ihrem Diplom in Kommunikationsdesign arbeitete sie als Artdirektorin in verschiedenen Werbeagenturen. Seit 2013 studiert sie Spielfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Im gleichen Jahr gewann sie einen von RTL ausgeschriebenen Serienpitch.

Als Regisseurin realisierte sie den experimentellen Tanzkurzfilm "Tanzarmee" sowie die szenischen Kurzfilme "Unter Nachbarn" und "Abschluss". "Unter Nachbarn" feierte seine Premiere auf dem Fünf-Seen-Filmfestival bei Starnberg und gewann den 2. Platz beim Rotary Club München-Hofgarten Regiepreis in der Kategorie Spielfilm. Seit 2014 schreibt sie für die Krimiserie SOKO 5113, die sie seit 2015 auch inszeniert. Außerdem belegte sie im Rahmen der Berlinale 2015 den zweiten Platz beim Serienwettbewerb "Antihelden". Ihr nächster Kurzfilm, die Tragikomödie "Runter", ist in Produktion.


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