ARD-alpha - Campus Cinema


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Film 01 Praktische Prüfung für Filmstudierende

In Kooperation mit der Hochschule für Fernsehen und Film in München zeigt Campus Cinema sogenannte Filme 01. Das sind, wie der Name vermuten lässt, Filme von Studierenden der HFF München nach dem ersten Studienjahr.

Von: Christian Wurzer

Stand: 05.04.2017

Hochschule für Fernsehen und Film München innen | Bild: Robert Pupeter / HFF München

Film 01 - der erste Film eines Filmstrudenten an der Filmhochschule

Diese Filme wurden bis 2016 im 16-mm-Format gedreht. Wer damit arbeitete, muste, wenn kein natürliches Licht vorhanden war, damit rechnen, viele Lichtscheinwerfer aufzustellen, um eine Szene auszuleuchten. Das kostete wiederum viel Zeit. Jetzt werden die Filme 01 mit Digital-Kameras gedreht.

Für die Filme 01 entwicklen die Studierenden die Drehbücher in Teams. Fast alle Regie-Studenten arbeiten von vornherein mit Drehbuch-Studenten zusammen. Beide werden von einem Regie-Betreuer und einem Buch-Betreuer im Vorfeld begleitet.

Andreas Günther, Student der HFF zum Film 01

Andreas Günther ist Student an der HFF. Mit der Gamut Film GbR produziert er Sendungen für Campus CINEMA.

"Ich glaube, der Film01 ist für uns Studierende so wichtig, weil man das erste Mal mit einer filmischen Arbeit in Erscheinung tritt. Vor allem bei den Regisseuren spürt man das sehr deutlich – sie können zum ersten Mal zeigen, welche Themen sie bewegen, wie sie inszenatorisch an sie herangehen. Als Produzent will ich den Regisseur dabei unterstützen – auch kreativ. Für mich war der erste Film an der Hochschule direkt ein recht großes Projekt mit einer Regisseurin aus dem höheren Semester. Ihr war wichtig, in Cottbus zu drehen. In dem damaligen Drehbuch fungierte der Ort als Antagonist und war quasi nicht austauschbar. Da ist man direkt bei Themen wie 'Welche Kosten sieht man im Bild und welche nicht?'.  Hotel- und Fahrtkosten sieht man nicht im Bild. Allerdings schien die Kulisse einer halb abgerissenen Plattenbausiedlung einmalig. Somit war für uns klar: Wir müssen reisen. An diesem Beispiel kann man den Zusammenhang von scheinbar rein rationalen Zahlen und dem emotionalen Bild gut erkennen."

Andreas Günther / Student der HFF München

Die Vorgaben - für den FILM 01:

Dreharbeiten zu "Martha" von Sophie Avercamp

1) Keine Kinder, keine Tiere, keine Waffen, keine Stunts, keine Autofahrten, keine Kamera im, auf oder unter Wasser. 2) Im Film dürfen höchstens vier Figuren vorkommen. 3) Im Film dürfen höchstens drei Motive vorkommen; und zwar Originalmotive und keine virtuellen. 4) Die Dreharbeiten dürfen vier Tage nicht überschreiten und maximal zehn Arbeitsstunden betragen. 5) Vier Filmrollen mit je elf Minuten Länge stehen zur Verfügung. 6) Die Hochschule stellt eine Handkasse mit 1.650 Euro Budget zur Verfügung. Sie ist die Produzentin der Erstjahres Filme, der sogenannten Filme 01. Wem das Geld nicht reicht, dem steht es frei weitere Sponsoren zu gewinnen.

"Als damals der Regisseur auf mich zukam, war ich sofort von seinen Ideen überzeugt. Es gibt für mich vor allem drei Auswahlkriterien, wenn mir ein Projekt vorgestellt wird: 1) Ist der Stoff spannend? Denn das Projekt ist - momentan noch - die einzige Bezahlung. Gibt es Herausforderungen, die mich reizen  2) Wie viel Platz gibt es für mich, den Stoff mitzuentwickeln? Ich freue mich immer, wenn ich mich als 'Creative Producer' schon früh in die Stoffentwicklung einbringen kann. 3) Gibt es einen guten Team-Spirit? Man muss sich bewusst machen 'Filme machen ist auch Lebenszeit' hat Steffi Kühnert, meine ich, mal gesagt. Dem stimme ich vollkommen zu."

Andreas Günther / Student der HFF München

Woher Kamera, Scheinwerfer, Kostüme usw. ... ?

Der Tonmeister bei den Dreharbeiten zu "Martha" von Sophie Averkamp

Die Technik für die Filmproduktion stellt die Hochschule zur Verfügung. Sie tritt auch als alleinige Produzentin der Filme auf. Die Film- und Theaterausstattung München unterstützt die Studierenden mit Kostümen und Requisiten. Die Bavaria Filmstudios helfen mit Kulissen.

"Den Goodwill der unbezahlten Team-Mitglieder einberechnet, entstehen Filme für 1.650 Euro auf dem Papier, aber der eigentliche Wert liegt wahrscheinlich zwanzig oder mehr mal höher. Wir leben halt vom Glauben an einen guten Film und Idealen."

Andreas Günther / Student der HFF München

Manchmal hat auch schon ein Film 01 Erfolg und wird mit Preisen ausgezeichnet: "Martha" von Sophie Averkamp. 2014 erhielt er den Max-Preis des International Short Film Festival 2014 in Ingolstadt.

"Mein Tipp ist, sich voller Überzeugung in ein Projekt rein zu begeben, immer einen kühlen Kopf zu behalten und die Kommunikation zwischen allen Departments aufrecht zu halten. Manchmal habe ich in der Vergangenheit dazu tendiert, eventuelle Problempunkte aufzuschieben. Das würde ich jetzt nicht mehr machen. Es muss immer alles direkt angesprochen werden. Bei unserer Produktionsfirma Gamut Film GbR sehen wir das Filmteam als Familie an. Auch in einer Familie gibt es mal Zoff, aber am Ende sind wir verbündet und konnten über alles sprechen und einen zufriedenstellenden Konsens finden. Offenheit ist das A & O."

Andreas Günther / Student der HFF München

Hilfreiche Partner für Filmstudenten der HFF


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