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Historiker Herbert, Ulrich

Prof. Dr. Ulrich Herbert ist seit 1995 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg, von 2001 bis 2007 war er auch Mitglied des Wissenschaftsrats. 2014 erschien seine vielbeachtete "Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert".

Stand: 01.10.2014 | Archiv

"Die subjektive Zeiteinteilung dieses 20. Jahrhunderts läuft bei vielen Menschen – freilich nicht bei allen – aufgrund ihrer Erfahrungen quer zu den politischen Einschnitten. Da ist dann eben das Jahr 1933 nicht notwendigerweise ein großes Datum. Die Zeit des Endes der Arbeitslosigkeit hingegen ist bei den meisten damaligen Zeitgenossen ein großes und wichtiges Datum gewesen. Und als die Menschen dann nach dem Zweiten Weltkrieg so ungefähr ab dem Jahr 1952 das Gefühl hatten, dass es wieder aufwärtsgeht, läuft das nicht zwangsläufig parallel zur Währungsreform. Das heißt, da entsteht auf einmal eine andere Zeitstruktur bei den Menschen, die dann aber wiederum für die Historiker interessant ist. Denn wenn wir als Historiker zur Kenntnis nehmen, wie die Zeitgenossen die Zeit, in der sie gelebt haben, selbst einteilen, wird auch uns vieles klarer z. B. im Hinblick auf die politischen Optionen oder die Vorlieben, die zentralen Begehren in verschiedenen Phasen. Wenn man nicht weiß, dass es für viele Menschen in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus, also so ungefähr zwischen 1936 und dem Beginn des Kriegs bzw. den Jahren 1940/41, schon einmal eine Zeit gegeben hat, in der die Hoffnung aufgekommen ist, dass es stabil, normal, besser wird, dann wird man später die Erinnerung an den Nationalsozialismus in den 50er und 60er Jahren nicht richtig verstehen können, die nicht notwendigerweise nur politisch gefärbt war, sondernmit dem auch die Erinnerung an eine Zeit verbunden wird, in der man gehofft hatte, nach Jahrzehnten der Destabilisierung endlich wieder auf eine sichere Perspektive schauen zu können."

Ulrich Herbert

Zur Person

  • Geboren
  • 24. September 1951 in Düsseldorf
  • Ausbildung
  • 1971-1975 Studium der Geschichte, Volkskunde und Germanistik an der Universität Freiburg
  • 1985 Promotion
  • Beruf
  • Historiker

Funktionen und Ämter

  • Aktuelle Funktion
  • Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg
  • Ämter/berufliche Stationen
  • 1975-1980 Gymnasiallehrer
  • 1987-1988 Research Fellow am Institut für Deutsche Geschichte der Universität Tel Aviv
  • 1992 Habilitation an der Fernuniversität Hagen
  • 1992-1995 Direktor der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg
  • Seit 1995 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg
  • 2001-2007 Mitglied des Wissenschaftsrats

Veröffentlichungen

  • Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, München: Beck, 2014.
  • Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft, 1903-1989, 5. Auflage, Bonn: Dietz, 2011,
  • Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München: Beck, 2001.
  • Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländer-Einsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn: Dietz, 1999, Neuauflage.
  • Arbeit, Volkstum, Weltanschauung. Über Fremde und Deutsche im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch-Verlag, 1995.
  • Geschichte der Ausländerbeschäftigung in Deutschland 1880 bis 1980. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Berlin, Bonn: Dietz, 1986.

Erstsendung: 14.10.2014


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