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Direktorin Zentrum für Antisemitismusforschung Schüler-Springorum, Stefanie

Dr. Stefanie Schüler-Springorum leitete von 2001 bis 2011 das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, seit 2011 ist sie als Nachfolgerin von Wolfgang Benz Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin.

Stand: 14.01.2013

Stefanie Schüler-Springorum zu Gast im alpha-Forum | Bild: BR

"Zum einen muss man sagen, dass der Antisemitismus einfach immer schon Teil der christlich-abendländischen Kultur gewesen ist. Da kann man, wie seit Neuestem, noch so sehr das christlich-jüdische Abendland beschwören, aber das ist eine Fiktion und eine neue Erfindung in politischer Absicht. Die christlichen Wurzeln in diesem christlichen Abendland sind also die eine Wurzel. Im 19. Jahrhundert kam dann der Antisemitismus als Gedankengebäude auf, einschließlich dieser dahinterliegenden bekannten Weltverschwörungsfacette. Es wurde behauptet, dass die Juden mit einem geheimen Plan die Welt beherrschen. Später waren dann die Juden die Kommunisten und die Kapitalisten gleichzeitig. Heute heißt es, sie sitzen in den Medien und an der Wall Street und in den Anwaltsvereinen usw. Eine weitere Wurzel ist also dieser Weltverschwörungsantisemitismus. Und darüber hinaus gibt es nun nach 1945 als Neues so eine Art Opferneid. Dieser Opferneid wird oft in den populären Satz gekleidet: 'Es muss jetzt auch mal Schluss sein! Aber die kommen immer wieder an damit!' Das ist also ein antijüdisches Ressentiment, das sich direkt auf die deutsche Schuld bezieht. Das Neueste und ja auch tagespolitisch immer Aktuellste ist dann dieser anti-israelische Affekt. Das mischt sich natürlich alles, aber ich denke, dass man hier doch sauber differenzieren muss."

Stefanie Schüler-Springorum

Zur Person

  • Geboren
  • 1962 in Hamburg
  • Ausbildung
  • Studium Mittlere und Neuere Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaft an den Universitäten Göttingen, Barcelona und Puerto Rico
  • 1993 Promotion in Bochum
  • Beruf
  • Historikerin

Funktionen und Ämter

  • Aktuelle Funktion
  • Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin
  • Ämter/berufliche Stationen
  • 1994–1995 Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung "Topographie des Terrors" in Berlin
  • Seit 1999 Lehrbeauftragte an der Technischen Universität Berlin
  • 2001–2011 Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Vorsitzende der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland
  • Seit 2011 Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung

Veröffentlichungen

  • (Hrsg. zusammen mit Linde Apel und Klaus David) Aus Hamburg in alle Welt, München, Hamburg: Dölling und Galitz, 2011.
  • Krieg und Fliegen, Paderborn u.a.: Schöningh, 2010.
  • (Hrsg. zusammen mit Angelika Schaser) Liberalismus und Emanzipation, Stuttgart: Steiner, 2010.
  • Denkmalsfigur (zusammen mit Knut Bergbauer und Sabine Fröhlich), Göttingen: Wallstein, 2008.
  • (Hrsg. zusammen mit Kirsten Heinsohn) Deutsch-jüdische Geschichte als Geschlechtergeschichte, Göttingen: Wallstein, 2006.
  • "Wir sind jung, die Welt ist offen" (zusammen mit Knut Bergbauer), Berlin: Haus der Wannsee-Konferenz, 2002.
  • (Hrsg. zusammen mit Karen Hagemann) Heimat – Front, Frankfurt am Main / New York: Campus, 2001.
  • Die jüdische Minderheit in Königsberg, Preußen, 1871–1945, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1996.

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