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Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg Leibnizpreisträger Prof. Dr. Peter Wasserscheid

Vom Bundessieger bei Jugend forscht! zum Leibnizpreisträger. Als Professor für chemische Reaktionstechnik entwickelt er ein neues Speicherverfahren für Wasserstoff und revolutioniert die Energiebranche.

Von: Matthias Rex

Stand: 26.09.2014

Ich möchte Dinge tun, die Auswirkungen haben!“, das ist die Kernaussage eines Interviews, das der damals 20-jährige Peter Wasserscheid 1990 dem Greenpeace Magazin gab. Damals hatte Peter Wasserscheid zusammen mit Moritz von Voß einen verrottbaren Kunststoff entwickelt. Das brachten den beiden Schülern den Bundessieg bei Jugend forscht! Damals beschloss Wasserscheid, Chemiker zu werden. Seit dem tut er Dinge, die Auswirkungen haben.

Wissenschaft braucht Klarheit!

Peter Wasserscheid hat sich den Nachmittag Zeit genommen für Dreharbeiten und Interviews mit dem Campus-Team. Morgens war er noch auf einer Sitzung in London, jetzt sitzt der Professor an seinem Schreibtisch in seinem Erlanger Büro in der Egerlandstraße. Vor ihm türmen sich Berge aus Büchern, Doktorarbeiten und Untersuchungen. Der Professor lächelt: „Der Schein trügt. Das sieht nur chaotisch aus. Wissenschaft braucht Klarheit. Ich weiß genau, wo was liegt.“ Und so ist es. Zielsicher greift er in den Haufen und zieht die vorbereiteten Unterlagen für das Interview mit Campus aus dem Stapel. Die wichtigsten Etappen seines Lebens hat er schnell erzählt: Geboren am 23.10.1970 in Würzburg. Verheiratet. Drei Töchter. 1990 Bundessieger Jugend forscht!. 1991 Chemiestudium in Aachen. 1998 Promotion. 2006 Leibnitz Preisträger. Professor für chemische Reaktionstechnik an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. Dr. Peter Wasserscheid

Einer der Forschungsschwerpunkte des Erlanger Wissenschaftlers: Er versucht hochexplosiven Wasserstoff in Flüssigkeiten zu speichern. Das Besondere: Der Wasserstoff kann der Trägerflüssigkeit bei Bedarf einfach wieder abgerufen werden. Etwa um Energie bereit zu stellen für ein Auto, für eine Heizung eines Hauses oder für Fabriken. Das neue Speicherverfahren könnte bald schon den Umgang mit Energie revolutionieren.

Viele meiner Idee fliegen mir einfach zu. Bei Joggen oder wenn ich den Orangensaft aus dem Kühlschrank hole. Wichtig ist, den Gedanken gleich aufzuschreiben. Sonst ist er weg!“ Der charismatische Wissenschaftler arbeitet viel. Sein Arbeitstag beginnt um fünf Uhr früh. Aber ab 19 Uhr versucht er Feierabend zu machen und sich Zeit für seine Familie zu nehmen. „Die ist mich wichtig! Meine Familie gibt mir Kraft.“, erklärt Wasserscheid. Seit seinem Studium fiebert der begeisterte Fußballfan Peter Wasserscheid immer mit, wenn Borussia Dortmund spielt. Drei-, viermal im Jahr feuert der Professor mit gelb schwarzen Schal seine Mannschaft im Stadion an. Auch das Tischkickerspiel mit seinen Kollegen im Institut gehört für ihn zum täglichen Ritual. Das macht den Kopf frei und schafft Platz für neue Ideen und revolutionäre Erfindungen.


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