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Bayreuth und Erlangen-Nürnberg Islamwissenschaft und Islamische Theologie

Wer sich für den Islam interessiert, hat in Bayern wenige, aber durchaus spannende Studienmöglichkeiten. Wir stellen zwei der Studiengänge vor.

Von: Saskya Kamphuis

Stand: 19.12.2011

Islam | Bild: BR

Längst hat der Orient Einzug im Okzident gehalten. Moscheen sind mittlerweile selbstverständlich hierzulande. Muslime suchen ihren Platz in der westlichen Gesellschaft. Mit ihrer Kultur und Religion sind sie präsent im Alltag vieler Menschen.

Universität Bayreuth

Professor Christoph Bochinger

An der Universität Bayreuth wird der Studiengang Religionswissenschaft angeboten, der sich einerseits mit europäischer Religionsgeschichte, andererseits mit religiöser Gegenwartskultur befasst. Professor Christoph Bochinger ist Lehrstuhlinhaber der Religionswissenschaft. Innerhalb seines Schwerpunkts der religiösen Gegenwartskultur berücksichtigt er als Studiengebiet religiöse Minderheiten, insbesondere muslimische Gemeinschaften.

Serkan Ince

Serkan Ince möchte sich unbedingt an den Islam-Diskurs beteiligen. Als seine Hauptintention sieht er als Muslime, die Aufklärung der Muslime in Deutschland. Serkan ist einer von sechs deutschen Studenten türkischer Abstammung im Masterstudiengang Religionswissenschaft, die bereits in Ankara einen Bachelor in islamische Theologie gemacht haben und in Bayreuth mit einem Master abschließen möchten. Mit den Imam-Antworten auf aktuelle religiöse Fragen geben sie sich nicht zufrieden. Die Studenten haben ein großes Forschungsinteresse und gelten als zukünftige Multiplikatoren für das Islamverständnis in Bayern.

Für den Bachelorstudiengang Religionswissenschaft brauchst du sechs Semester, für den Masterabschluss noch mal vier. Das Departement für Religionswissenschaft in Bayreuth kooperiert eng mit dem "Islam-Zentrum“ der Universität Erlangen-Nürnberg.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kannst du nicht nur katholische und evangelische, sondern seit 2003 auch islamische Religionslehre studieren. Die fränkischen Wissenschaftler erhalten jetzt allerdings drei weitere Lehrstühle (islamische Methodenlehre, Normenlehre und Ideengeschichte), um eines von vier deutschen "Islamzentren“ zu gründen. Ab dem Sommersemester 2012 kannst du dich in Erlangen für den Bachelor- oder Masterstudiengang  Islamisch-religiöse Studien einschreiben.

Fahimah Ulfat

Fahimah Ulfat (36), geboren in Kabul, promoviert derzeit am "Interdisziplinären Zentrum für islamische Religionslehre“ (IZIR) der Universität Erlangen-Nürnberg. Vorher studierte sie in Essen Lehramt und arbeitete als Grundschullehrerin. Die Doktorandin untersucht in ihrer Dissertation das "Gottesvorstellungen bei muslimischen Kindern im Grundschulalter“ und wird von Professor Harry Harun Behr betreut. Mit sechs weiteren Stipendiaten - verteilt über ganz Deutschland - gehört sie dem Graduiertenkolleg der Stiftung "Mercator“ an und bildet sich in islamischer Theologie fort. An der Universität hat sie eine Forschungsstelle, ist neben ihrer Forschungsarbeit auch für Anfragen am Institut zuständig und hält Vorträge.

Zuhause warten auch noch ganz andere Herausforderungen auf sie: Die alleinerziehende Mutter möchte, dass ihre Söhne im Geist des Islam aufwachsen und die muslimische Tradition und Religion im Alltag genauso leben, wie sie selbst, aber als Religionspädagogin weiß sie nur zu gut, wie schwer das  ist. Sie selbst ist gebürtige Afghanin. Zusammen mit den Kindern betet sie jeden Tag die Suren aus dem Koran auf Arabisch. Im Alltag spricht die Familie auch viel Deutsch. Mit ihrer Doktorarbeit "das Gottesbild bei muslimischen Kindern“ will Fahimah eine wissenschaftliche Basis für fundierten Religionsunterricht schaffen.

Hintergrund für den Ausbau der Islamwissenschaften an den Universitäten:

Nur in Deutschland gibt es die Tradition, die Religionsthematik generell an Unis anzusiedeln. Vertraglich ist deshalb geregelt, dass der Staat die Ausbildung von Pfarrern und Religionslehrer bezahlt und dazu Professoren anstellt, die Theologie lehren. Daneben gibt es Religionswissenschaftler, die unabhängig von solchen konfessionellen Beschränkungen, wissenschaftlich arbeiten.

In der Islamkonferenz wurde 2010 festgehalten, dass sie auch für die Ausbildung muslimischer Theologen (Imame, Religionslehrer) eigene Einheiten aufbauen will. In Deutschland werden derzeit fünf Zentren für islamische Studien aufgebaut,  an denen dezidiert islamische Theologen ausgebildet werden. Eines davon wird zurzeit in Bayern an der Universität Erlangen-Nürnberg errichtet. Die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen und kontroversen Diskussionen, ob man islamische Theologie an einer Uni braucht, beziehungsweise, ob man eher die Religionswissenschaft ausbauen soll, sind noch lange nicht beendet. Experten für islamische Theologie werden aber dringend gebraucht, um das Verständnis für Muslime in der Gesellschaft zu vertiefen.

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