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Universität München Gute Lehre

Einige der klügsten Köpfe an bayerischen Universitäten erbringen in verschiedenen Fächern außergewöhnliche Forschungsleistungen. Die Wissenschaftler sind jedoch nicht nur mit der Forschung beschäftigt, sie lehren auch als Dozenten. Wie gut ist ihre Lehre?

Von: Sebastian Hanisch

Stand: 01.06.2013

15 Hochschuldozentinnen und dozenten wurden nun vom bayerischen Wissenschaftsministerium für ihre gute Lehre ausgezeichnet. Zwei der Preisträger hat das Campus MAGAZIN begleitet, um die Frage zu beantworten: Was ist eigentlich gute Lehre?

PD Dr. Jörg Schwarz

Im Bereich Mittelalterliche Geschichte an der Universität München treffen wir jemanden, der wissen muss, was wirklich gute Lehre bedeutet: PD Dr. Jörg Schwarz. Wir besuchen eine seiner Vorlesungen, die seine Studierenden regelmäßig mit Bestnoten bewerten. Es geht um das Thema „Florenz in der Zeit der Renaissance“. Rund 250 Zuhörer sind gekommen. Der Hörsaal ist damit bis auf den letzten Platz gefüllt. In den Minuten vor der Veranstaltung geht der Hochschullehrer noch einmal die Vorlesung in Gedanken durch. Dann nimmt er die Studierenden mit auf eine Reise - Jahrhunderte in die Vergangenheit. Nach wenigen Minuten seiner Ausführung wird uns klar, warum seine Lehreveranstaltungen so beliebt sind: Immer wieder schafft er es, die jahrhundertealten Ereignisse ins Heute zu übertragen. Die Studierenden können so neues Wissen immer wieder mit Bekanntem verknüpfen.

Wie uns Jörg Schwarz nach der Vorlesung verrät, ist es für ihn immer er ein besonderes Vergnügen, wenn er den Studierenden etwas aufzeigt und beibringt, was sie eigentlich längst wissen. „Ich versuche die Verbindung, die es zwischen dem Mittelalter und unserer Gegenwart gibt, immer sichtbar zu machen. Ich versuche die Studierenden im Grunde davon zu überzeigen, dass das Mittelalter bis in unsere Gegenwart fortdauert“, so Jörg Schwarz.

Dr. Jörg Schwarz

Auch mit der sorgfältig ausgearbeiteten Verbindung von Bild und Text in seiner Präsentation gelingt es ihm, sein Publikum in den Bann zu ziehen, vor allem aber durch seinen leidenschaftlichen Vortrag. „Man ist wirklich total begeistert, wenn da ein Mann steht, der so überzeugt ist von seinem Fach. Und dadurch schafft er es wirklich, einen zu motivieren“, erzählt uns eine Studentin in der Vorlesungspause.

Unsichtbares sichtbar machen

Prof. Dr. Ute Vothknecht

Eine weitere kürzlich für ihre Lehre ausgezeichnete Dozentin treffen wir an der Universität München im Fachbereich Biologie: die Zellbiologin Prof. Dr. Ute Vothknecht. Wie setzt sie exzellente Lehre um? Wir besuchen eine ihrer Vorlesungen, in der es heute um „Fettsäuren in Zellen“ geht. Eines fällt uns sofort auf: Unterrichtssprache ist hier Englisch; für die Master-Studierenden ist das allerdings Alltag. Die Herausforderung für Ute Vothknecht liegt aber nicht in dem englischsprachigen Unterricht, sondern vielmehr darin, dass sie den Studierenden etwas näherbringen muss, was man eigentlich nicht sehen kann.

„Die Zelle als solches ist ja nicht sichtbar. Ich muss trotzdem versuchen, die Vorgänge in der Zelle für die Studierenden sichtbar zu machen durch das, was ich erzähle. Das bringt natürlich die Schwierigkeit mit sich, dass ich das irgendwie darstellen muss, andererseits aber auch die Möglichkeit, die Studierenden mitzunehmen in diese fantastische Welt der Zelle“, erklärt uns die Biologin.

Vorlesung Prof. Ute Vothknecht

Ute Vothknecht nutzt auch technische Hilfsmittel. Mit dem „Smart-Board“ kann sie den Studierenden mithilfe einer Computerpräsentation Sachverhalte sehr anschaulich darstellen und erklären, wobei sie auch die Möglichkeit nutzt, einzelne Darstellungen handschriftlich zu kommentieren. So verbindet das Gerät im Grunde die Möglichkeiten einer Power-Point-Präsentation mit denen der klassischen Tafelanschrift.

Lehre auch außerhalb des Vorlesungssaals

Zurück zu Jörg Schwarz: Nach seiner Vorlesung steht eine andere Form der Lehre an - in seiner Sprechstunde. Auch die individuelle Betreuung der Studierenden gehört natürlich zur Wissensvermittlung an der Universität. Studierende im ersten Semester, die allgemeine Orientierung suchen, oder Studenten kurz vor dem Examen, die Hilfe bei der konkreten Ausgestaltung des Themas ihrer Abschlussarbeit benötigen: Jörg Schwarz muss eine Vielzahl verschiedener fachlicher und studienorganisatorischer Fragen auch nach dem Unterricht beantworten.

Auch in der Zellbiologie lernen die Studierenden nicht nur im Vorlesungssaal. Biologiestudent Volker Kittke z.B. absolviert gerade sein Forschungspraktikum: Gerade untersucht er im Labor ein bestimmtes Pflanzenprotein. Um den Lernerfolg zu maximieren, hat er bei diesen praktischen Forschungen eine direkte Betreuerin. Wertvolle Tipps bekommt er aber auch von Ute Vothknecht. Ihr liegt besonders am Herzen, dass die Studierenden nicht nur ein vorgefertigtes Experiment nachstellen. Stattdessen lässt sie sie an aktuellen Forschungsfragen mitarbeiten. „Wenn ich mir selber vorstelle, Studierender zu sein, dann möchte ich nicht einfach nur ein fertiges Experiment bekommen, was vielleicht schon seit Jahren so gemacht wird, sondern erleben können, was es heißt, einen neuen Aspekt in der Forschung zu erarbeiten. Ich glaube, dass das eine ganz wichtige Erfahrung ist“, erklärt uns die Professorin.

Lohnt sich für Dozenten der Aufwand für exzellente Lehre?

Besprechung Professorin mit Studentin

Immer ein offenes Ohr für die fachlichen Fragen der Studierenden zu haben und Lehrveranstaltungen intensiv vorzubereiten. Das zeichnet exzellente Lehre aus. Aber sie erfordert auch viel Herzblut und Zeit. Doch: Lohnt sich dieser Aufwand für die Biologin eigentlich? „Es ist natürlich so, dass wenn man sehr viel Zeit in die Lehre investiert, die dann eventuell woanders fehlt. Andererseits kann ich aber auch gute Studierende für mich gewinnen, die, wenn sie sehen, dass ich gute Lehre mache, auch bereit sind, zu mir zu kommen, Forschungspraktika in meiner Arbeitsgruppe zu machen, so dass ich dann auch wieder einen Gewinn habe“, so Ute Vothknecht.

Besonderes Engagement ist Voraussetzung für gute Lehre

Jörg Schwarz ist längt schon in der nächsten Lehrveranstaltung: ein Seminar, in dem er vor allem die wissenschaftliche Seite zwischen den Studierenden moderiert. Sein Lehrpensum mit Vor- und Nachbereitung zusätzlich zur Forschung, das ergibt unterm Strich mehr als einen Fulltime-Job. Trotzt des Einsatzes, der ihm abverlangt wird, gute Lehre gehört für ihn einfach zur Wissenschaft: „Gute Lehre muss eigentlich ständig neu erfunden werden. Sie muss ständig neu an die jeweilige Situation angepasst werden. Sie hat sicherlich wesentlich etwas mit Engagement zu tun und mit der Leidenschaft für das Fach“, so Jörg Schwarz.

Die vor kurzem vom bayerischen Wissenschaftsministerium ausgezeichneten 15 Dozentinnen und Dozenten stehen dabei natürlich nur stellvertretend für viele engagierte Hochschuldozenten in Bayern, die hervorragende Lehre anbieten. Davon profitieren besonders die Studierenden. Denn die Qualität der Lehre entscheidet mit über den Erfolg und die Motivation junger Menschen im Studium.

Einen Überblick über die 15 für ihre exzellente Lehre ausgezeichneten Dozenten und Dozentinnen finden Sie auf den Seiten des bayerischen Wissenschaftsministeriums:


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