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Eine Reise durch Bayern Flossenbürg: ein europäischer Erinnerungsort

"Flossenbürg? – Nie gehört." Das Konzentrationslager Flossenbürg gehörte, obwohl es früher als andere nach der Befreiung zur Gedenkstätte gewidmet wurde, bald zu den vergessenen Lagern. Die Erinnerung verharrte lange Zeit in einer Art Friedhofsruhe.

Von: Elke Hardegger

Stand: 02.05.2013

Gedenkstätte Flossenbürg | Bild: picture-alliance/dpa

Der heutige Bekanntheitsgrad der ehemaligen Konzentrationslager leitet sich nicht automatisch von ihrer der historischen Bedeutung ab. Die Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen wird ganz entscheidend durch die Darstellung, Vergegenwärtigung, Symbolisierung und Inszenierung des Vergangenen geprägt.

Der Leiter der KZ Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit, analysiert in seinem Vortrag die Wahrnehmungs- und Rezeptionsgeschichte des Erinnerungsortes Flossenbürg. Er befasst sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive mit der Frage, auf welche Weise historische Ereignisse, die mit den nationalsozialistischen Massenverbrechen verbunden sind, Eingang in das kulturelle Gedächtnis finden – oder eben nicht. Der Referent skizziert nicht nur die Diskurse über das Lager. Er beleuchtet gleichzeitig den Umgang mit dem historischen Ort, seine Umwidmung zum Siedlungsgelände, Industriereal und zur Parkanlage. Einen Schwerpunkt legt der Referent auf die Darstellung der an der Geschichtsbildprägung beteiligten Akteure. Besondere Beachtung findet hierbei die Kommune Flossenbürg, deren Haltung zum früheren Konzentrationslager sich allmählich vom Stigma zum Standortfaktor wandelte.

Dr. Jörg Skriebeleit

Jörg Skriebeleit, geboren 1968, studierte Empirische Kulturwissenschaft/Europäische Ethnologie an der Universität Tübingen und der Humboldt Universität zu Berlin. Seine Schwerpunkte waren dabei neben zeitgeschichtlichen Themen Museumstheorie und –praxis. Promotion am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin über den Erinnerungsort Flossenbürg. Seit 1999 Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Dr. Jörg Skriebeleit war/ist verantwortlich für die grundlegende Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (2000 bis voraussichtlich 2015), außerdem ist er Projektleiter und Kurator mehrerer großer zeithistorischer Ausstellungen, z.B.:

  • "was bleibt – Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg", ausgezeichnet mit dem Bayerischen Museumspreis 2011/2012
  • KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Bundesministerium des Inneren Wien (zusammen mit PD Dr. Bertrand Perz)
  • Gedenkort für das Olympiaattentat 1972, München (zusammen mit Bernhard Purin)


Wissenschaftlicher Berater bei diversen Memorial- und Ausstellungsprojekten z.B.:

  • Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
  • Österreichisches Bundesdenkmalamt, Wien
  • Denkort U-Boot Bunker Valentin, Bremen (Sprecher des Beirates)
  • Neugestaltung des Richard Wagner-Museums, Bayreuth


Sprecher der "Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten in Deutschland" (= Direktoren und Leiter der KZ-Gedenkstätten Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mittelbau-Dora, Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen)

Literatur

  • KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Hrsg.), was bleibt – Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg, Katalog zur Dauerausstellung (nach 1945), Göttingen 2011
  • KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Hrsg.), Das Konzentrationslagers Flossenbürg 1938-1945, Katalog zur Dauerausstellung (vor 1945), Göttingen 2008
  • Jörg Skriebeleit, Erinnerungsort Flossenbürg. Akteure, Zäsuren, Geschichtsbilder, Göttingen 2009
  • Thomas Muggenthaler, "Ich lege mich hin und sterbe!" Ehemalige Häftlinge des KZ Flossenbürg berichten (mit zwei CDs von Hörfunksendungen des BR), Stamsried 2005

Die Sendereihe

"Eine Reise durch Bayern" wurde im Sommersemester 2012 und im Wintersemester 2012/2013 an der Ludwig-Maximilians-Universtiät München aufgezeichnet. Die Bavaristische Ringvorlesung wurde vom Bavaristischen Arbeitskreis an der LMU München, in Verbindung mit dem Historischen Seminar der LMU veranstaltet. Die Organisation und Leitung übernahm im 2. Teil Frau Dr. Katharina Weigand.


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