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Überall ist Mittelalter Von alten Reisewegen zum Straßennetz

Die Infrastruktur des Mittelalters prägt unsere Kulturlandschaften bis heute.

Von: Christian Wurzer

Stand: 13.03.2015

Die Reisewege des Mittelalters und die „Orte der Herrscher“ sind, so die These von Professor Caspar Ehlers, kulturübergreifende Phänomene. Sie bestimmen die moderne Infrastruktur, haben sogar Einfluss auf die Bevölkerungsdichte und auf die Vielfalt unserer Kulturlandschaften.

Gliederung des Vortrags

Die Genese der Königslandschaft im ostfränkisch-deutschen Mittelalter
Die materiellen Grundlagen des Reisekönigtums

  • Die Raumerfassung durch Itinerare 1 - Karl der Große und Ludwig ‚der Deutsche‘
  • Die Raumerfassung durch Itinerare 2 - Otto I. und Heinrich IV.
  • Die Raumerfassung durch Itinerare 3 - Friedrich I. [bis 1174] und Heinrich (VII.)
  • Die Raumerfassung durch Itinerare 4 - Rudolf von Habsburg und Ludwig von Bayern

Der diachrone Zusammenhang

  • Königsitinerare und moderne Infrastruktur: Verkehrswege
  • Königsitinerare und moderne Infrastruktur: Bevölkerungsdichte
  • Die „Nordgrenze“ - Eine geheimnisvolle Linie sogar für die UNESCO?
  • Die „Nordgrenze“ - Eine Grenze königlichen Ausgreifens?
  • Die „Nordgrenze“ - Eine naturgegebene Grenze?
  • Die „Nordgrenze“ … einmal ‚andersherum‘

Zusammenfassung

"In gewisser Weise werden Magistralen, die wir schon für die ottonischen, salischen und staufischen Könige erkannt haben, auch anhand der modernen Infrastruktur, anhand der modernen Verkehrsnetze sichtbar. Das heißt, irgendwo gibt es Zusammenhänge mit den Reisewegen der Könige, ohne dass man diese jetzt als Gründer der A3 oder so ....  ausweisen will, aber wir haben gewisse Kontinuitäten."

Prof. Dr. Caspar Ehlers, Universität Würzburg

Wo im Mittelalter bedeutende Klöster oder Kaiserpfalzen lagen, sind heute große Städte – die bevölkerungsreichen Ballungsräume der Gegenwart. Die mittelalterlichen Wege, auf denen die Kaiser und Könige reisten, sind zu Fernstraßen, Autobahnen und Eisenbahntrassen geworden.

"Der Mensch also nutzt und verbessert die von der Natur vorgegebene Landschaft. Er baut sie aus, wir haben es an der Hanse gesehen und an deutschen Autobahnen und den Eisenbahnnetzen. Und dadurch entstehen auf den ersten Blick überraschende, aber dann doch einsichtige Kontinuitäten, die das mittelalterliche Reisekönigtum und unsere Zeit miteinander verbinden. Es gibt Zentrallandschaften, Zentren, die bis heute ihre  Wirkung nicht verloren haben: das Rhein-Main-Gebiet, die ganze Strecke entlang des Rheins, das Gebiet um Regensburg, der thüringische, ostsächsische Raum."

Prof. Dr. Caspar Ehlers, Universität Würzburg

Forschung und Lehre

Prof. Dr. Caspar Ehlers, Jahrgang 1964, studierte Geschichte an den Universitäten Frankfurt am Main und Bonn. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen arbeitete er am Repertorium der deutschen Königspfalzen. 1999 war er Visiting Scholar am Medieval Institute der University of Notre Dame, Indiana (USA). Lehraufträge führten ihn über Hannover und Göttingen an die Universität Würzburg, wo er 2005 in Mittelalterlicher Geschichte und vergleichender Landesgeschichte habilitierte. Anschließend war er Privatdozent und seit 2007 wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main. Es folgten Lehraufträge an den Universitäten Düsseldorf und München. Seit 2012 ist Caspar Ehlers apl. Professor an der Universität Würzburg. Er forscht über das mittelalterliche Königtum zwischen Karolinger- und Stauferzeit im europäischen und vor allem interdisziplinären Vergleich. Hier hat er sich spezialisiert  auf „Orte der Herrschaft“ als kulturübergreifendes Phänomen, Integrationsprozesse im früheren Mittelalter und das Entstehen von praeurbanen Zentren außerhalb des antik geprägten Europas.

Buchtipps

Hrsg.: Zentren herrschaftlicher Repräsentation im Hochmittelalter. Geschichte, Architektur und Zeremoniell. Göttingen 2007
Hrsg.: Orte der Herrschaft. Mittelalterliche Königspfalzen. Göttingen 2002
Hrsg.: Geistliche Zentralorte zwischen Liturgie, Architektur, Gottes- und Herrscherlob. Limburg und Speyer. Göttingen 2006

Sendereihe "Überall ist Mittelalter"

Dome, Burgen und alte Stadtmauern gehören zu den sichtbaren Zeugnissen des Mittelalters. Doch das Erbe dieser Epoche ist viel größer. Es beeinflusst den Alltag der heute lebenden Menschen auf vielfältige Weise: Institutionen und Strukturen des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens, Wortschatz und Sprachmuster, Typen von Kunst und Literatur sowie Ordnungsformen des Wissens – all das hat mittelalterliche Wurzeln. Mittelalterforscher, Kunst- und Philosophiehistoriker sowie Philologen gehen bei der Ringvorlesung „Überall ist Mittelalter“ auf Zeitreise. Sie nehmen ihr Auditorium mit in die Zeit des Minnesangs, der Ritter und des schwarzen Todes. Veranstaltet wurde die Vortragsreihe an der Universität Würzburg. Campus Auditorium hat sechs ausgewählte Vorträge mitgeschnitten.

Als besonderen Online-Service bietet alpha-Campus die vollständige Langfassung des Vortrags, der im Fernsehen in einer gekürzten 30-min-Fassung zu sehen ist.


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