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Akademientag 2016 Warum verstehen wir die Sprache der Juristen nicht?

Gerichtsurteile werden „im Namen des Volkes“ verkündet. Doch die juristischen Formulierungen vor Gericht oder bei Gesetzestexten sind für Laien oft nicht zu verstehen.

Stand: 16.02.2017

Über biologische Gemeinsamkeiten von Sprache und Recht, über ihre konkrete Form in unserer Kultur und über die Grenzen der Verständlichkeit sprechen der Linguist Wolfgang Klein und der Jurist Reinhard Zimmermann. Die Moderation hat Wolfgang Löwer.

Gliederung der Vorträge


Prof. Dr. Wolfgang Klein:
Sprache und Recht

  • Sprache, Mythos und Sitte
  • Hüter des Wissens: Sprache und Recht
  • kurzgefasste Gesetze
  • Gesetze verstehen: Beispiele Asylgesetz, BGB, EU-Richtlinie, Riester-Rente
  • Diskussion zwischen Juristen und Linguisten

Prof. Dr. Reinhard Zimmermann:
(Berechtigte) Grenzen der Verständlichkeit

  • Textbeispiel: britische Gerichtsentscheidung zum Schockschaden
  • Textbeispiel: deutsche Leitentscheidung des BGH zum Schockschaden
  • Textbeispiel: französische Gerichtsentscheidung zum Schockschaden
  • Sprachvergleich der drei Beispiele
  • Gesetzestexte in Großbritannien, Deutschland und Frankreich
  • Exkurs: Preußisches Landrecht
  • Suche nach dem sprachlichen Kompromiss

Das Podium

Prof. Dr. Wolfgang Klein, Prof. Dr. Wolfgang Löwer und Prof. Dr. Reinhard Zimmermann

Als Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen war der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein bis 2015 Leiter des Bereichs “Spracherwerb” und baute „The Language Archive“ auf. Die Dokumentation bedrohter Sprachen wurde ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. An der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften leitet er seit 1994 das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache“. 1996 erhielt er den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Der Jurist Wolfgang Löwer ist Professor für Öffentliches Recht und Wissenschaftsrecht an der Universität Bonn und Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Reinhard Zimmermann ist Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg und Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes. Dem Juristen wurde 1996 der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen. Reinhard Zimmermann ist Mitglied zahlreicher Wissenschaftsakademien in Europa und u.a. Mitherausgeber der „Schriften zur Europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte“.

Die Sendereihe

Der “Akademientag“, die jährliche Gemeinschaftsveranstaltung der acht deutschen Akademien der Wissenschaften, fand 2016 in Hamburg statt. Er widmete sich dem Thema "Sprache und Sprachen". In Vorträgen und Diskussionen, aber auch mit Ausstellungen und interaktiven Angeboten präsentierten sich sprachwissenschaftliche Forschungsvorhaben der Akademien.


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