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Alte Welt heute Neue Zugänge zur Alten Welt

Bruchstücke von Keilschrifttafeln zusammensetzen, Wandlungen des ägyptischen Wortschatzes erschließen oder Textanalyse betreiben: Die Digitalisierung von Forschungsergebnissen soll zukunftsweisende Wege zur Vergangenheit eröffnen.

Stand: 28.10.2015

Der Assyriologe Stefan Maul zeigt, wie die digitale Datenverarbeitung es ermöglicht, mehr als 11.000 Tontafeln mit Keilschrifttexten aus der Zeit von ca. 1500 v. Chr. – 614 v. Chr. zu edieren, die in den Ruinen von Assur im heutigen Nordirak gefunden wurden: Sie werden digital erfasst, zueinander gehörende Bruchstücke lassen sich so leichter identifizieren und werden zusammengefügt. Mit 2D- und 3D-Scans gelingt es oft sogar, individuelle Handschriften zu erkennen.

Das Ägyptische ist die am längsten schriftlich bezeugte Sprache. Sie hat sich in mehr als vier Jahrtausenden oft gewandelt: in Schriftform, Grammatik und Wortschatz. Stephan Seidlmayer erläutert, wie eine digitale Sammlung ägyptischer Texte aller Epochen und die Methoden der Linguistik gemeinsam die Chance bieten, Strukturen und Transformationen der Sprache aufzuklären - und damit auch das darin formulierte kulturelle Wissen.

Das Portal „eAQua“ wurde innerhalb des BMBF-Programms „Wechselwirkungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften“ gefördert. Es stellt so genannte Text Mining Werkzeuge für Griechisch und Latein zur Verfügung, mit denen sich digitalisierte Textsammlungen analysieren lassen. Basierend auf Algorithmen erschließt die Text-Mining-Software statistische und linguistische Strukturen, an denen sich Kerninformationen ablesen lassen – oder auch Informationen, die Leser sonst vielleicht nicht erkennen würden. Charlotte Schubert präsentiert als Beispiele griechische Suchwörter: Nutzer von eAqua können sich deren Vorkommen in Texten zusammen mit anderen Begriffen auch graphisch visualisieren lassen.

In der Gesprächsrunde diskutieren die Wissenschaftler gemeinsam mit Ministerialdirigent Dr. Dietrich Nelle vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die Bedeutung der Digitalisierung, vor allem für die Geisteswissenschaften.

Prof. Dr. Stefan Maul
Der Assyriologe von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Leiter des dort angesiedelten Projekts „Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur“.

Prof. Dr. Stephan Seidlmayer
Der Direktor der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Dr. Charlotte Schubert
Die Alt-Historikerin ist an der Universität Leipzig Koordinatorin des dort angesiedelten „eAQUA-Portals“ (Extraktion von strukturiertem Wissen aus antiken Quellen für die Altertumswissenschaft).

Dr. Dietrich Nelle
Als Ministerialdirigent im Bundesministerium für Bildung und Forschung betreut er Forschungsorganisationen.

Moderation: Prof. Dr. Reinhard Förtsch
Der Wissenschaftliche Direktor am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin ist zuständig für Informationstechnologien.

Sendereihe "Alte Welt"

Der “Akademientag“, die jährliche Gemeinschaftsveranstaltung der acht in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Einrichtungen, widmete sich 2015 dem Thema "Alte Welt heute". In Vorträgen und Diskussionen, aber auch mit Ausstellungen und interaktiven Angeboten präsentieren sich altertumswissenschaftliche Forschungsvorhaben der Akademien.


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