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Alte Welt heute Bewahren vor Zerstörung

Aktuell berichten Medien immer wieder von den Zerstörungen antiker Stätten durch den Islamischen Staat im syrischen Palmyra. Aber nicht nur Terror, Krieg oder Raubgrabungen gefährden antike Kulturgüter, sondern auch Verwahrlosung. Findet die Altertumswissenschaft Lösungen?

Stand: 10.10.2015

Angesichts ständig neuer Zerstörungsmeldungen - gerade in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens – stellt der Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies die Frage, ob den Wissenschaftlern nur noch die Aufgabe bleibt, die Verluste an Kulturgütern und die Vertreibung von Minderheiten zu dokumentieren.

Die Orient-Expertin Margarete van Ess gibt zu bedenken, dass auch Raubgrabungen enormen Schaden anrichten. Gerade in Krisengebieten und wirtschaftlich schwachen Regionen droht der Handel mit geplünderten Kunstschätzen Kulturstätten zu vernichten. Das Problem existiert aber auch in Deutschland.

Eine ganze antike Stadt auszugraben, stellt Archäologen und Konservatoren vor große Probleme – besonders in Pompeji, das 79 n.Chr. beim Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde und seit dem 18. Jahrhundert freigelegt wird. In den letzten Jahren wurde die Kulturstätte oft als verwahrlost und als vom Verfall bedroht dargestellt. Massimo Osanna, oberster Denkmalpfleger der Ruinenstadt, möchte dieses Bild korrigieren und spricht über ein noch bis Ende 2015 laufendes EU-Projekt und weitere Maßnahmen, die das UNESCO-Welterbe Pompeji langfristig sichern und nachhaltigen Tourismus fördern soll – denn auch die jährlich über zwei Millionen Besucher setzen der antiken Stadt zu.

Warum ist es notwendig, kulturelles Erbe zu schützen? Können altertumswissenschaftliche Forschungsvorhaben dazu beitragen, diese Frage zu beantworten? Darüber sprechen die Experten in der abschließenden Diskussion.

Prof. Massimo Osanna – Dr. Margarete van Ess – Prof. Christoph Markschies Moderation: Prof. Friederike Fless

Dr. Margarete van Ess
ist wissenschaftliche Direktorin der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts. Seit 1989 arbeitet sie für die Außenstelle Bagdad der Orient-Abteilung, deren kommissarische Leiterin sie ist.

Prof. Dr. Christoph Markschies
lehrt Ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Der Leibniz-Preisträger ist seit 2011 Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Dr. Massimo Osanna
ist klassischer Archäologe an der Università della Basilicata (Potenza/Matera, Italien) und seit 2014 oberster Denkmalpfleger fur die antiken Stätten von Pompeji, Herculaneum und Stabiae, die beim Ausbruch des Vesuvs 79 n.Chr. zerstört wurden und heute teilweise zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

Moderation: Prof. Dr. Friederike Fless
Die klassische Archäologin Friederike Fless ist seit 2011 Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin.

Sendereihe "Alte Welt"

Der “Akademientag“, die jährliche Gemeinschaftsveranstaltung der acht in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Einrichtungen, widmete sich 2015 dem Thema "Alte Welt heute". In Vorträgen und Diskussionen, aber auch mit Ausstellungen und interaktiven Angeboten präsentieren sich altertumswissenschaftliche Forschungsvorhaben der Akademien.


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