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Alte Welt heute Babylon – Vielfalt als Erfolgsmodell?

Ist Babylon nur das „Sündenbabel“ der biblischen Überlieferung oder auch positives Beispiel für das Zusammenleben unterschiedlicher Völker und Kulturen? In der Oper „Babylon“ ist die antike Metropole eine Metapher für Zivilisation.

Stand: 07.11.2015

Im Stadtstaat Babylon, der über weite Teile des südlichen Zweistromlandes herrschte, erlebten Sprachen, Literatur, und Wissenschaften einen Aufschwung. Im Gegensatz dazu steht der biblische Mythos von Sprachverwirrung und Entfremdung der Kulturen als göttliche Bestrafung. Der Musikwissenschaftler Ulrich Konrad führt in die Oper „Babylon“ des Komponisten Jörg Widmann ein (Libretto: Peter Sloterdijk), die den Mythos Babylon musiktheatralisch umsetzt. Die Musikbeispiele stammen aus der Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper 2012.

Tammu, ein in Babylon im Exil lebender Jude, steht zwischen zwei Kulturen und zwei Frauen: Die eine, „Die Seele“, symbolisiert die platonische Liebe, die andere, Inanna, Priesterin der Liebesgöttin, heidnische Erotik. Tammu erlebt im Traum die babylonische Sintflut. Der Priesterkönig verspricht Ruhe und Ordnung durch ein Menschenopfer - Tammu wird dafür auserkoren - und die Babylonier begehen es in einem rauschhaften Fest. Die jüdische Religion hat das Menschenopfer jedoch schon hinter sich gelassen und der Prophet Ezechiel deutet Abrahams Menschen- in ein Tieropfer um. Inanna befreit Tammu aus der Unterwelt. Am Ende siegt die Liebe. Die Versöhnung zwischen Himmel und Menschen benötigt kein Opfer mehr und eine neue Zeitrechnung bricht an: die 7-Tage-Woche.

Auf dem Podium sprechen Wissenschaftler und der Komponist Jörg Widmann über den „Mythos Babylon“. Wie greift die Oper den Mythos auf und wie relevant ist er heute, z.B. für die Einordnung aktueller ethnischer Konflikte?

Prof. Dr. Ulrich Konrad
Der Musikwissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Dr. Stefan Maul
Der Assyriologe von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Leiter des dort angesiedelten Projekts „Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur“.

Prof. Dr. Herfried Münkler
Der Politikwissenschaftler lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Jörg Widmann
Der Musiker lehrt Klarinette und Komposition an der Musikhochschule Freiburg. Er hat die Oper „Babylon“ komponiert, die 2012 an der Bayerischen Staatsoper uraufgeführt wurde. Das Libretto stammt von Peter Sloterdijk.

Moderation: Prof. Dr. Christoph Markschies
Der Theologe lehrt Ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Leibniz-Preisträger und seit 2011 Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Sendereihe "Alte Welt"

Der “Akademientag“, die jährliche Gemeinschaftsveranstaltung der acht in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Einrichtungen, widmete sich 2015 dem Thema "Alte Welt heute". In Vorträgen und Diskussionen, aber auch mit Ausstellungen und interaktiven Angeboten präsentieren sich altertumswissenschaftliche Forschungsvorhaben der Akademien.


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