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DDR-Geschichte(n) Was wurde aus der NVA?

MG21 der Nationalen Volksarmee (NVA). | Bild: BR/rbb/Milan Bardo Bergheim

Samstag, 11.11.2017
20:15 bis 21:00 Uhr

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2015

Am Ende der DDR waren ungefähr 8.000 Kinder und Jugendliche sogenannte "inoffizielle Mitarbeiter" der Staatssicherheit. Sie wurden in Jugendclubs, in Kirchen und an den Schulen angesprochen. Sie sollten ihre Freunde aushorchen oder über ihre Eltern berichten. Es waren Jugendliche, die nicht in das gängige Bild vom Stasimitarbeiter passten. Marko ist 17 Jahre alt, als ihn die Staatssicherheit über seine Dresdner Schule kontaktiert. Kerstin und Elvira besuchen in den 70er-Jahren das Internat für angehende Russischlehrer Wickersdorf. Auch sie sind minderjährig, als sie ins Direktorenzimmer bestellt werden und dort auf Männer von der Staatssicherheit treffen. "Ich hatte das Gefühl, die wissen alles über mich", sagt Kerstin heute über das Anwerbegespräch als damals 16-Jährige im Büro des Schuldirektors. "Ich hatte auch die Befürchtung, wenn ich da nicht mitmache, dass ich dann auch mein Abitur nicht machen kann." Unter Druck gesetzt, unterschreibt sie die Verpflichtung, niemandem davon zu erzählen, auch den Eltern nicht. "Also, ich hab' mich da schon sehr allein gefühlt." Das Ministerium für Staatssicherheit will wissen, was die Kinder und Jugendlichen denken und fühlen, will ihnen "unter die Haut kriechen und ins Herz schauen", schließlich hängt von ihnen die Zukunft des Sozialismus ab. Stasiminister Erich Mielke befahl schon 1966, Minderjährige anzuwerben und zu Spitzeln zu machen. Und an der "Juristischen Hochschule" der Staatssicherheit in Potsdam lernen die Führungsoffiziere, wie das geht und welche Jugendlichen besonders dazu zu drängen sind. Schulen und Kindergärten sind selbstverständlich eingebunden, Erzieher geben regelmäßig Beurteilungen ab, von klein an müssen die Kinder "Selbsteinschätzungen" schreiben, die viel über ihren Charakter offenbart. Wenn die Stasi sich dann für Schüler interessiert, fordert sie die komplette Akte an und weiß deshalb, wo die Schwachstellen der Jugendlichen liegen. "Es war eben so, Akten wurden gegen Quittung ausgehändigt und dann kamen die am nächsten Tag wieder und da hat sich keiner Gedanken darum gemacht, ob das richtig oder falsch ist", sagt der damalige Direktor des Internats Wickersdorf heute. Der Film rekonstruiert das Schicksal von Marko, Kerstin und Elvira und zeigt, wie die Stasi vorging, um Jugendliche zu Spitzeldiensten zu erpressen. "Stasi auf dem Schulhof" schenkt drei Betroffenen von damals Gehör. Erstmals erzählen sie ihre Geschichte und reflektieren ihre damalige Lebenssituation, ihre Naivität, ihre Verzweiflung, die Einsamkeit, ihre Schuldgefühle. Daneben erzählt der ehemalige Schuldirektor von Kerstin und Elvira, welche Rolle er bei der Anwerbung spielte, beschreibt ein ehemaliger Führungsoffizier, mit welchem Geschick er die Jugendlichen anwarb und wie die Treffen mit ihnen abliefen. "Stasi auf dem Schulhof" ist eine Dokumentation über Missbrauch, über beschädigte Seelen, in denen das Gift der Staatssicherheit bis heute fortwirkt. Tausende Betroffene leben heute in Deutschland, kaum einer von ihnen traut sich, darüber zu sprechen. Zu groß ist die Angst, stigmatisiert zu werden.

Redaktion: Gábor Toldy

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