ARD-alpha

DDR-Geschichte(n) Die Außenhändler DDR im Ausverkauf

Haus des Lehrers, Berlin. | Bild: BR/MDR/Hoferichter & Jacobs

Samstag, 07.10.2017
20:15 bis 21:00 Uhr

ARD-alpha
2013
Folge 2 von 2

Wie aktiv die DDR im Ausland agierte, einkaufte, verkaufte, überrascht heute noch. Die Menschen, die diesen Handel organisierten, waren die Einzigen, die zum Ende der DDR zwei Wirtschaftssysteme kannten und beherrschten. Die Geschichte der DDR-Außenhändler zu erzählen, ist der Schlüssel, ein besonderes Stück DDR zu erzählen und vom Kern dessen woran sie zu Grunde ging: dem ökonomischen Ausverkauf. Ging es in den ersten Jahren noch darum, die DDR-Produkte in der Welt zu vermarkten und dringend Benötigtes für das Land zu importieren, waren die Außenhändler in den späteren Jahren vorwiegend Devisenbeschaffer. Gehandelt wurde nicht mehr, um Produkte für die DDR zu beschaffen, sondern Produkte wurden beschafft und weiterverkauft, um Gewinne in fremder Währung zu erzielen. Wann immer etwas gekauft oder verkauft werden soll, tritt der zuständige Außenhandelsbetrieb auf den Plan und mit ihm Außenhändler, die sich in beiden Wirtschaftssystemen auskennen, die Verträge verhandeln und bei Bedarf fast überall auf der Welt Marktrecherchen anstellen. Sie kennen das Land wie kaum ein anderer - von innen und außen.
In der zweiten Lebenshälfte der DDR geht es neben der Beschaffung von Technologie und "know how" und der Erschließung neuer Märkte immer mehr darum, die angeschlagene Wirtschafts- und Versorgungslage zu verbessern, sowie im Land Kaufkraft abzuschöpfen. Die Außenhändler werden nun endgültig zu Managern, die Waren einkaufen und verkaufen, oft ohne dass diese Warenströme die DDR auch nur berührten. Sie bewegen sich auf den Weltmärkten, um die schlechten Bilanzen der Planwirtschaft auszugleichen und sie erzielen dabei Milliardengewinne, die das kleine Land noch einige Jahre länger am Leben halten. Seit Ende der 70er-Jahre sinkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit vieler DDR-Exportprodukte drastisch. Mit der Einführung elektronischer Steuerungen kann die DDR nicht mehr mithalten. Im Ostblock ist sie in der Mikroelektronik zwar führend, doch dem Weltmarkt hinkt sie dennoch hoffnungslos hinterher. In dieser Zeit macht den Außenhändlern zunehmend die Embargo-Politik zu schaffen. Vieles von dem, was sie für die DDR einkaufen sollen, steht auf den Embargo-Listen, oft überschreiten sowohl die Außenhändler als auch ihre westeuropäischen Geschäftspartner die Grenzen der Legalität. Diese Technologie-Importe sind teuer, um sie sich leisten zu können, beginnt die DDR ab den 70er-Jahren, hochwertige Güter fast nur noch für den Export zu produzieren und sie dann im Westen nahezu zu verschleudern. 1988 übersteigt die Einfuhr von Waren aus den westlichen Industrieländern zum ersten Mal den Export in diese Länder. Das Land steuert auf seinen Untergang zu - und die DDR-Außenhändler können ihn längst nicht mehr aufhalten. Die Geschichte der DDR-Außenhändler zu erzählen, ist der Schlüssel, ein besonderes Stück DDR zu erzählen und vom Kern dessen, woran sie zugrunde ging: dem ökonomischen Ausverkauf.

Redaktion: Gábor Toldy