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Tödliche Exporte Wie das G36 nach Mexiko kam

Bei einer Militärparade im September 2006 präsentiert das mexikanische Verteidigungsministerium SEDENA erstmals das Sturmgewehr FX-05. Laut offizieller Darstellung handelt es sich um eine mexikanische Produktion. Waffenexperten weltweit bezweifeln das und vermuten, das FX-05 sei ein Nachbau des G36-Sturmgewehrs von Heckler & Koch. | Bild: BR/SWR

Freitag, 29.09.2017
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2015

Der Dokumentarbericht erzählt die Geschichte, wie unverdächtige schwäbische Ingenieure, Juristen und Manager, einen schmutzigen Waffendeal einfädelten. Es geht um ein Millionengeschäft, das bewirkte, was die Bundesregierung zuvor ausdrücklich verboten hatte: deutsche Sturmgewehre gerieten in den mexikanischen Drogenkrieg, einen Krieg, in dem selbst die Polizei an Morden beteiligt ist. Jeder kämpft hier gegen jeden. Die "Sicherheitskräfte" sind mit den Drogenbanden verflochten. Fast täglich verschwinden Menschen. Um die blutigen Kämpfe nicht auch noch mit Kriegswaffen aus Deutschland anzuheizen, untersagte die Bundesregierung, die schlimmsten mexikanischen Bundesstaaten mit Sturmgewehren zu beliefern. Damit war eigentlich jedes Rüstungsgeschäft mit Mexiko tabu, denn niemand konnte ausschließen, dass die heiße Ware - kommt sie erst einmal in Mexiko an - nicht doch genau in diese Kampfgebiete gelangen würden. Dabei hatte das schwäbische Rüstungsunternehmen Heckler & Koch gerade einen Großauftrag vom mexikanischen Verteidigungsministerium erhalten: Tausende Sturmgewehre vom Typ G36 bestellten die Mexikaner von der Traditionsfirma in Oberndorf am Neckar, das modernste, was Deutschland zu bieten hat. Aber jetzt schrieben die deutschen Behörden Heckler & Koch vor, zu gewährleisten, dass keine einzige Waffe in die Krisengebiete gelangt. Wie sollte das gehen? Das war natürlich nicht zu garantieren. Vielmehr war klar: Unter dieser Bedingung hätte Heckler & Koch auf dieses Geschäft verzichten müssen. Der große Waffendeal drohte komplett zu platzen. Doch Heckler & Koch sah nicht ein, sich den lukrativen Auftrag entgehen zu lassen. Menschenrechte hin oder her - Heckler & Koch wollte liefern. Skrupel wegen der Bedenken aus dem Auswärtigen Amt hatte man offenbar nicht allzu viele. Aber die Unternehmer aus dem idyllischen Oberndorf legten sehr wohl Wert darauf, "legal" zu liefern. Zumindest sollte alles sauber aussehen. Heckler & Koch gab also beim zuständigen Bundesausfuhramt (BAFA) eine sogenannte Endverbleibserklärung ab, die den Auflagen der Behörden Rechnung trug - auf dem Papier: Die kritischen mexikanischen Bundesstaaten wurden einfach von der Empfängerliste heruntergenommen. Fertig. Die Beamten waren damit zufrieden. Heckler & Koch hielt sich aber nicht an diese "Endverbleibserklärung". Mitarbeiter präsentierten das G36, zum Beispiel im Tabu-Bundesstaat Jalisco, wo es niemals hingelangen durfte. Die örtliche Polizei bedankte sich per Urkunde bei Heckler & Koch. Einen Verdacht schöpften die deutschen Ausfuhrkontrolleure nicht. Das Amt machte es Heckler & Koch leicht - sehr leicht - wie die Doku herausfindet. Lag das womöglich daran, dass das BAFA dem Bundeswirtschaftsministerium untersteht? Das Ministerium will schließlich in erster Linie die deutsche Wirtschaft fördern und nicht die Welt vor Waffen schützen. Drückten die Kontrolleure bewusst vor den warnenden Berichten von Uno, Amnesty International und Auswärtigem Amt die Augen zu, um ein Exportgeschäft nicht zu behindern? Oder hatte Heckler & Koch gar Einfluss auf die Politik genommen, um das Geschäft trotz der K.O.-Auflagen doch noch über die Bühne zu bekommen? Diesen Fragen geht der Film nach.

Autor: Daniel Harrich
Redaktion: Gábor Toldy

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