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Zum 150. Geburtstag von Kurt Eisner Schlimmer als das Königreich Die Anfänge des Freistaates Bayern

Die Revolution in Bayern gelingt am 7. November 1918 vor allem durch die Unterstützung kriegsmüder Soldaten in München. | Bild: Honorarfrei lediglich für Ankündigungen und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit obiger BR-Sendung bei Nennung: "Bild: BR". Nutzung im Social Media-Bereich sowie inhaltlich andere Verwendungen nur nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem BR-Bildmanagement, Tel. 089 / 5900 10580, Fax 089 / 5900 10585, Mail Bildmanagement@br.de

Sonntag, 14.05.2017
22:15 bis 23:00 Uhr

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ARD-alpha
Deutschland 2016

Es dürfte etwa gegen 17:00 Uhr gewesen sein. Die Dämmerung ist bereits eingebrochen und im Landtag von München debattieren Innen- und Kriegsminister noch über das rasche Einbringen der Kartoffelernte. Da dringt durch die Fenster ein fernes Jubeln und Johlen herauf. In den Münchner Garnisonen stehen die Tore offen, Disziplin und Ordnung haben versagt, allseits strömen junge Soldaten auf die Straßen. Sie reihen sich ein in den anschwellenden Trupp aus kriegsmüden Reservisten, Deserteuren, Matrosen, Arbeitern und Intellektuellen. Gemeinsam schwenken sie rote Fahnen – und nichts und niemand stellt sich den Revolutionären in den Weg. Man gründet Arbeiter- Bauern- und Soldatenräte, nimmt den Hauptbahnhof, Post und Telegrafenamt ein und ruft im Landtag den Volksstaat Bayern aus. Erster Ministerpräsident wird ein kleiner Mann mit Nasenzwicker und Rauschebart: Revolutionsführer Kurt Eisner. Ohne Kampf und Widerstand entgleitet den Bayern in einer einzigen Nacht vom 7. auf den 8. November 1919 ihr Jahrhunderte altes Königreich.
Im Tross der Revolutionäre findet sich ein Augenzeuge, der später Weltruhm erlangen sollte: der Literat Oscar Maria Graf. Wuchtig und sprachgewaltig beschreibt er die Entwicklung der Revolutionszeit und wird so für die 45minütige-BR-Dokumentation „Schlimmer als das Königreich“ zu einem der wichtigsten Gewährsmänner. Wie konservative Bürger die ersten Monate der Revolution wahrgenommen haben, davon erzählen in diesem Film auch die Tagebucheinträge des Gymnasiallehrers Josef Hofmiller. Und wie Argwohn und Abscheu in diesen Tagen das Handeln konservativer Monarchisten bestimmte, das veranschaulichen unter anderem die Tagebuchnotizen des Erzbischofs Michael von Faulhaber.
Die Jubelstimmung in der jungen Republik hält nur drei Tage vor. Dann erwachen Großbürger und Großkapital, Offiziere, Altmonarchisten und völkisch-national Gesinnte aus ihrer Schockstarre. Man trifft sich in Hinterzimmern, schmiedet konterrevolutionäre Pläne und lässt in den kommenden drei Monaten keine Gelegenheit aus, um die Regierung Eisner aus dem Landtag zu putschen. Die Angst vor Macht- und Besitzverlust in einem kommunistischen Rätesystem nach russischem Vorbild bestimmt ihre konterrevolutionäres Treiben.
Diese Sorgen sind nicht unberechtigt. Der linke Literat Kurt Eisner träumt von einer Herrschaft der Guten und Willigen, der Fleißigen und Zukurzgekommenen. Doch im Landtag kommen sich parlamentarische Abgeordnete und linke Räteführer regelmäßig in die Quere. Eisner wagt es nicht ihre Kompetenzen klar abzustecken, er will es sich mit keiner Gruppierung verderben. Wütende Demonstrationen der notleidenden Bevölkerung, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlt, sorgen ebenso für Unruhen auf Münchens Straßen wie das unaufhörliche Rattern von LKWs, randvoll besetzt mit bewaffneten Schutztruppen der Soldatenräte.
Während sich linke und rechte Akteure gegenseitig mit Agitationen und Hetzkampagnen hochschaukeln wird die unsichere politische Situation zusätzlich aufgepeitscht durch blutige Straßenkämpfe in Berlin. Dort paktiert die Reichsregierung mit der Generalität und lässt die Proteste von Spartakisten und Kommunisten mit Waffengewalt niederstrecken.
Im Zuge dieser erbitterten bürgerkriegsähnlichen Grabenkämpfe radikalisiert sich in München ein junger Offizier: Anton Graf Arco auf Valley. Der 22jährige Leutnant bewegt sich im Kreis rechtskonservativer, völkisch-nationaler Konterrevolutionäre. Am 21. Februar schreitet er zur Tat: Mit zwei Schüssen ins Genick ermordet er Kurt Eisner auf offener Straße.
Die Autorin des Films hat neben publizierten Quellen auch bislang unbeachtete Augenzeugenberichte aus einem Nachlass gesichtet. Diese stützen die These: Der Erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern wurde nicht Opfer eines desillusionierten Einzeltäters sondern einer konterrevolutionären Verschwörung.

Autor: Andrea Oster
Redaktion: Christian Lappe

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