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Wahlkampfthema Kinderbetreuung Kommunen lehnen SPD-Forderung nach beitragsfreien Kitas ab

Die Kita soll Eltern nichts mehr kosten. Damit wirbt die SPD im Wahlkampf. Keine gute Idee, sagen die Kommunen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hält die SPD-Forderung nach kostenloser Betreuung in absehbarer Zeit für nicht umsetzbar.

Stand: 29.08.2017

Krippenkinder und Kinder einer Elementargruppe basteln und malen am 01.08.2013 in Hamburg  | Bild: picture-alliance/dpa

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", der politische Ansatz sei falsch, selbst gut verdienende Eltern von den Kindergartengebühren zu befreien. Die Elternbeiträge in Höhe von jährlich rund 3,8 Milliarden Euro seien besser investiert in Qualität und Ausbau der Kinderbetreuung. Das käme vielen Eltern entgegen, die an qualitativ hochwertigen Angeboten für ihre Kinder interessiert seien. Landsberg verwahrte sich dagegen, dass Bundespolitiker im Bereich der Kinderbetreuung ohne Gegenfinanzierung zusätzliche Leistungen versprechen, die nicht in die Zuständigkeit des Bundes fallen und letztlich von den Kommunen verwirklicht werden müssen.

"Unrealistische Forderungen"

Gerd Landsberg

Der Städte- und Gemeindebund forderte Bund und Länder auf, zusammen mit den Kommunen einen Masterplan für die Kindertagesbetreuung zu entwickeln und dafür auch eine finanzielle Grundlage zu schaffen. Die jüngste Forderung der Bertelsmann-Stiftung, mehr Betreuerinnen und Betreuer in Kitas einzustellen, nannte Landsberg unrealistisch. Es fehle schlichtweg das notwendige Fachpersonal, sagte Landsberg.

Landsberg sprach von einem "enormen Personalbedarf", der bis zum Jahr 2025 auf bundesweit insgesamt mindestens 260.000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte, Leitungen und Tagespflegepersonen anwachsen werde. "Diese Fachkräfte sind nicht vorhanden und können auch nicht kurzfristig ausgebildet werden."

Die Bertelsmann Stiftung hatte am Montag eine Studie veröffentlicht, die einen besseren Personalschlüssel in den Kitas empfiehlt. Die Stiftung mahnte zugleich, zuerst müsse in die Betreuung investiert werden, bevor eine Beitragsfreiheit angegangen werde. Die Verbesserungsvorschläge der Berteslamm Siftung kosten 4,9 Milliarden Euro für einen weiteren Kita-Ausbau. Außerdem würden in Folge 107.200 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fordert im Wahlkampf generell kostenlose Betreuung. Die Grünen setzen im Wahlkampf auf Ausbau und Verbesserung von Kitas - und stellen die von der SPD geforderte kostenlose Kinderbetreuung hinten an. "Natürlich ist die Beitragsfreiheit für die Eltern ein sehr gutes Ziel", sagte die Spitzenkandidatin der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann. Aber die Qualität müsse an erster Stelle stehen, etwa durch mehr Erzieher, kleinere Gruppen und längere Öffnungszeiten.


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