BR24

              

11

Wahlkampfendspurt Schulz nah am Menschen

Wie kämpft man trotz schlechter Umfragewerte unverdrossen weiter? Martin Schulz, SPD-Kanzlerkandidat, versucht es, indem er auf seiner Wahlkampftour den Menschen besonders nahe kommt. Auszubildenden zum Beispiel in Mittelsachsen. Schulz zeigt sich als einer, der von unten kommt und selbst Brüche im Leben überstanden hat.

Von: Daniel Pokraka

Stand: 16.09.2017

Der Kanzlerkandidat greift zur Metallfeile

Bildungswerk Saxonia in Halsbrücke. Dort werden junge Leute in metallurgischen Berufen ausgebildet.  Der Kanzlerkandidat der SPD greift selbst zur Metallfeile und lässt sich von den Azubis den Dahlandermotor zeigen. Halsbrücke ist eine von vielen Stationen seiner Wahlkampftour durch Ostdeutschland.

Martin Schulz zwischen SPD-Genossen aus Sachsen und Geschäftsführer des Saxonia-Bildungswerks Halsbrücke (verdeckt) vor dieser Institution

Schulz scheint ins einem Element, klopft jungen Männern jovial auf die Schulter, spricht über Qualifikation, Fachkräftemangel und immer wieder über Bildung. Dass er deutlich sagt, dass er selbst auch kein Akademiker ist, kommt bei den jungen Leuten gut an. Schulz spottet sogar über die Vorstellung, dass nur Studierte ins Kanzleramt dürften.

"Nach dem Motto: Der Mann hat kein Abitur, maßt sich aber an, Bundeskanzler zu werden."

Martin Schulz

Eine Biografie mit Brüchen

Martin Schulz trägt als damaliger Bürgermeister von Würselen (Nordrhein-Westfalen) die Amtskette des Stadtoberhauptes, aufgenommen 1988

1955 kommt Martin Schulz als jüngstes von fünf Kindern in Nordrhein-Westfalen zur Welt. Die Mutter ist in der CDU, seine Geschwister finden alle den Weg zur SPD. Nach der mittleren Reife macht Schulz eine Ausbildung zum Buchhändler und  verfällt in dieser Zeit dem Alkohol. Dass er es schließlich schafft, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen, der Sucht entkommt und mit 31 Bürgermeister von Würselen wird, zeigt von enormer Willenskraft und Selbstdisziplin. Ist seine Biografie seine eigentliche Trumpfkarte?

Zu Besuch im Kleingärtnerverein

Martin Schulz im Gespräch mit Bürgern im Kleingartenverein "Am Pfarrberg", Landsberg

In Landsberg bei Halle an der Saale ist Schulz zu Gast im Kleingartenverein "Am Pfarrberg". Landsberg ist kein einfaches Pflaster für den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten. Im Gegenteil, 2013 hat die SPD in diesem Wahlkreis weniger als 18 Prozent der Zweitstimmen geholt. Schulz erzählt von seiner Zeit als Bürgermeister  und dass er quasi schon immer was für das normale Leben übrig hatte. Damit will er suggerieren: die Kanzlerin fliegt von Termin zu Termin durch die Welt und ich bin in Deutschland unterwegs, ganz nahe bei den Menschen.

"Ich bin den Kleingärtnern seit Jahrzehnten eng verbunden."

Martin Schulz

Ein Ohr für Abwasserprobleme

Autobahnbaustelle bei bei Thurland (Sachsen-Anhalt)

Abwasser-Problematik in Sachsen-Anhalt, Straßensanierung, Klage gegen Gemeinden beim Verwaltungsgericht  und natürlich auch die Unterbringung von Flüchtlingen: die Bürger und Bürgerinnen in Ostdeutschland konfrontieren Schulz mit ihren Alltagsproblemen. Und er geht mit viel Detailkenntnis, wie BR-Reporter feststellt, darauf ein. Schulz kann durchaus Vertrautheit und Nähe erzeugen. Ob die Auszubildenden in Halsbrücke und die Mitglieder im Kleingartenverein von Landsberg an der Saale aber deswegen der SPD ihre Stimmen geben?

Die B5 Reportage

Ganz nah am Menschen – wie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz doch noch gewinnen will

Reportage am Sonntag, 10.9.2017, 14:35 und 21:35 Uhr, B5aktuell

Autor: Daniel Pokraka
Redaktion: Susanne Betz


11